Tony Parker war 2007 der erste europäische Finals-MVP der NBA-Geschichte © getty

Spurs-Legende David Robinson schwärmt nach dem zweiten Sieg gegen OKC von dem Point Guard. Gelingt gar die perfekte Postseason?

Von Eric Böhm

München - Die Szene hatte Symbolcharakter: Tony Parker ließ Russell Westbrook sowie Kevin Durant stehen und setzte den entscheidenden Korbleger zum 117:107.

So oder so ähnlich dominierten die San Antonio Spurs beim 120:111 über weite Strecken Spiel 2 der Western Conference Finals gegen die Oklahoma City Thunder (Bericht).

Parker ist die Schlüsselfigur des erbarmungslos effizienten Spurs-Angriffs, der sogar Teamlegende David Robinson zum Schwärmen bringt. (VIDEO: Die Playoff-Highlights aus der Nacht)

"Das zweite und dritte Viertel war herausragend. Besseren Basketball habe ich selten gesehen. Tony ist eine Maschine", twitterte der "Admiral" im Ruhestand.

Parker als Angriffsmotor

Das Spielmacherduell gegen den sieben Jahre jüngeren Russell Westbrook, der mit 27 Punkten und acht Assists ohne Ballverlust keineswegs enttäuschte, entschied Parker erneut für sich. ( 565181 DIASHOW: Die Conference Finals )

Seine exzellente Wurfquote (16 von 23), 34 Punkte sowie acht Assists sprechen eine deutliche Sprache. Der Wert des Vize-Europameisters geht aber weit über die persönlichen Statistiken hinaus.

Durch seinen aggressiven Zug zum Korb öffnet er immer wieder Räume für die gefährlichen Schützen und verlässlichen Big Men. Insgesamt gingen in der zweiten Partie 27 von 43 Spurs-Treffern aus dem Feld Assists voraus. ( 564337 DIASHOW: Die All-NBA Teams 2012 )

"Wir sind einfach sehr gut aufeinander eingespielt. Ich versuche, den Gegner zu attackieren. Dann kommen das Team und ich in einen guten Rhythmus", erklärt Parker sein Erfolgsrezept.

Westbrook ist der Schlüssel

Dabei gelingt den bisweilen als langweilig und wenig dynamisch verschrienen Spurs, woran sowohl Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks als auch die L.A. Lakers scheiterten: sie kontrollieren Westbrook.

Oklahomas Topscorer Kevin Durant wird ohnehin gegen fast jeden Verteidiger die 30-Punkte-Marke durchbrechen, aber in den ersten zwei Playoff-Runden war der Point Guard die ausschlaggebende Figur.

Im Vergleich zu seinen ersten NBA-Jahren macht der 23-Jährige mittlerweile deutlich weniger Fehler und lehrte die betagten Kontrahenten das Fürchten.

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Blöcke befreien Parker

Gegen Parker fehlt ihm in den ersten zwei Spielen speziell in der Endphase aber die allerletzte Power, um sein athletisches Ausnahmetalent voll auszuspielen.

Denn San Antonio ermüdet ihn mit unzähligen Blöcken, die für seinen flinken Gegenspieler gestellt werden. Deshalb jagt "Jet Zero" immer wieder vergeblich hinter Parker her - genau wie bei dem Layup in der Schlussminute.

"Sie ziehen dich in der Abwehr auseinander. Du musst in der Zone aufmerksam sein und gleichzeitig auf ihre Dreierwerfer achten. Denn sie verschwenden keine Zeit. Wenn jemand frei steht, finden sie ihn. Alles beginnt mit Parker", analysiert Thunder-Coach Scott Brooks.

Ohne Makel durch die Playoffs?

Nach dem 20. Sieg in Folge wird nun sogar schon spekuliert, ob die Spurs das Undenkbare schaffen können: eine perfekte Postseason.

Zehn teils beeindruckend souveräne Siege gegen Utah, die L.A. Clippers und Oklahoma City gab es schon, sechs müssten noch folgen. (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse)

"Es ist ein großartiger Lauf, aber wir denken nur an die nächsten zwei Siege. Dadurch würden wir die Serie gewinnen", wiegelt Duncan ab.

Spiel 3 steigt in der Nacht auf Freitag in Oklahoma City (ab 3 Uhr LIVESCORES). In der gegenwärtigen Form ist den topgesetzten Texanern alles zuzutrauen.

Popovichs Plan geht auf

Denn Trainer des Jahres Gregg Popovich hat aus dem überraschenden Erstrundenaus 2011 die richtigen Schlüsse gezogen.

Er baute verstärkt junge Rollenspieler wie Danny Green oder Allrounder Kawhi Leonard ein und hielt seine Stars frisch. Speziell Manu Ginobili findet nach einer durch Verletzungen verkorksten Saison genau zum richtigen Zeitpunkt seine Topform.

"Wir haben die richtige Mischung gefunden. Coach Pop weiß genau, was er tut. Er hat unser Vertrauen", lobt Parker.

Auch die Historie spricht für die Texaner. Nach dem ersten Lockout der NBA-Geschichte plagten sich 1999 viele Teams mehr schlecht als recht durch die komprimierte Saison - den Titel holte Popovich nach San Antonio.

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