Tim Duncan freut sich auf das Spiel in Berlin
Duncan bildete mit David Robinson zusammen die legendären Twin Towers © getty

Aufregend ist anders, aber das hat Tim Duncan noch nie interessiert. Mit den gealterten Spurs dominiert er weiter die Liga.

Von Florian Pertsch

München - Die NBA ist eine Show, mit krachenden Dunks und Highlight-Videos am laufenden Band.

Superhelden, die aufregende Spitznamen haben und durch heroische Geschichten in den siebten Basketball-Himmel gehyped werden ( 558924 DIASHOW: Die Bilder der zweiten Playoff-Runde ).

Mittendrin: Tim Duncan.

Eigene Schuhserie? Fehlanzeige. Dauergast in den Top-Ten-Videos der NBA? Im Leben nicht. Wechselforderungen oder Beschwerden über Mitspieler? Kein Sterbenswörtchen.

Duncan ist ein wahrer Titelhamster

Auf den ersten Blick ist San Antonios Duncan so aufregend wie die Wiederholung des Presseclub im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ohne Ton.

Das Interessante daran ist: Es gehört wohl auch zu seiner Masche, denn die Titel und Ehrungen des Spurs-Centers sprechen eine ganz andere Sprache.

Vier Mal NBA-Champion mit San Antonio (1999, 2003, 2005 und 2007), 13-maliger Allstar, MVP der regulären Saison in zweifacher Ausführung und so weiter und so fort.

Was ist also los mit dem Routinier aus Texas, der eigentlich Schwimmer werden wollte, seine Angst vor Haien aber nicht mit dem notgedrungenen Training im Meer auf den heimischen Jungferninseln vereinbaren konnte?

Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss

Duncans Geheimnis ist eigentlich ganz einfach.

Er reduziert Basketball auf seine wesentlichen Bestandteile. Hier ein Block, da ein richtiger Laufweg, und immer wissen, wer der Gegner ist und wo er sich positioniert hat.

So findet Duncan fast immer die richtige Lösung und malträtiert die Gegner seit 1997, als er nach vier Jahren College in Wake Forest in die Liga kam.

[image id="10a4445e-6449-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Das Spurs-System setzt auf Basketball-IQ

Über seine 15-jährige Karriere kommt der Spur auf ein Double Double aus 20,3 Punkten und 11,3 Rebounds im Schnitt und war in der abgelaufenen Regular Season der vierteffizienteste Spieler der Liga.

Dabei ist es Duncan offenbar komplett egal, wie athletisch oder jung sein Gegenüber ist, denn die Offense der Spurs setzt auf einen hohen Basketball-IQ und nicht zwingend auf Kraft und Athletik als Hauptwaffe.

Letztes Opfer: Blake Griffin von den Los Angeles Clippers.

In der zweiten Runde der diesjährigen Playoffs setzte es für das Team aus der Stadt der Engel einen glatten 0:4-Sweep, und Griffin war nach der Serie um ein neues Vorbild reicher.

San Antonio mit weißer Weste in den Playoffs

"Die Art und Weise, wie er spielt, ist einfach unfassbar systematisch. Gleichzeitig denkt er aber auch nicht zu viel nach. An diesen Punkt würde ich auch gerne gelangen", schwärmte der Sophomore.

Passend dazu bekam Duncan vor Jahren von einem Kollegen, der selbst mehr Spitznamen hat als Metta World Peace Spielsperren, ein eigenes Pseudonym.

Shaquille O?Neal taufte Duncan: The Big Fundamental.

Utah ohne Chance

Vor den Clippers mussten in Runde bereits die Utah Jazz erfahren, was es heißt, gegen die Truppe von Trainer Gregg Popovich anzutreten. Auch das Team aus dem Mormonen-Staat wurde mit 4:0 vom Parkett gefegt (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse).

In den acht bisher absolvierten Playoff-Partien erreichte Duncan zwar nicht ganz seinen beeindruckenden Karriereschnitt, doch mit 17,6 Punkten und neun Rebounds braucht er sich auch in dieser Saison vor niemandem zu verstecken.

Duell der Gegensätze im West-Finale

Im Finale der Western Conference warten nun in der Nacht auf Dienstag (ab 2.30 Uhr LIVESCORES) die jungen Wilden aus Oklahoma City, die als einer der heißesten Titelanwärter gehandelt werden.

Was die Spurs von den Titelambitionen der Thunder halten, zeigten die Texaner in der regulären Saison.

Zwei von drei Saisonspielen gewannen die Texaner (107:96 und 114:105), wobei Duncan mit 14,5 Punkten und 18 Rebounds im Schnitt mächtig unter den Körben aufräumte.

Für viele ist das Duell auch eine Glaubensfrage, Hochglanz-Basketball mit vielen Highlights a la OKC, oder der zermürbende Intelligenz-Basketball der Spurs. Fest steht auf jeden Fall, es wird eine Serie auf dem höchsten Niveau.

All diese Diskussionen dürften Duncan nicht groß interessieren, er wird auch wie in den Jahren zuvor sein Ding machen.

Ach ja, ein Markenzeichen hat Timmy D dann doch. Den staubtrockenen Wurf mit Brett - mehr Fundamental geht nicht.

Weiterlesen