In der Serie gegen Boston erzielt Holiday (r.) 12,4 Punkte im Schnitt © getty

Die Celtics vergeben den Matchball und müssen nachsitzen. Angeführt von Holiday mutiert Phillys Starting Five zur Bestie.

Von Florian Pertsch

München/Philadelphia - Auch angebliche Schön-Wetter-Fans können einen Höllenlärm veranstalten.

So geschehen beim 82:75-Sieg (33:36) der Philadelphia 76ers gegen die Boston Celtics (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse).

Durch den Triumph hat der Underdog aus Philly nun das entscheidende Spiel sieben im Halbfinale der Eastern Conference der NBA-Playoffs erzwungen und erteilte Boston und Kevin Garnett eine gehörige Lektion.

Celtics bekommen herzlichen Empfang

Der Celtic tönte nämlich vor Spiel sechs, dass es nur in Boston wahre Fans gibt und sich in Philadelphia lediglich bei Erfolg ein paar Zuschauer blicken lassen.

Dementsprechend frenetisch wurde das 76ers-Team im letzten Spiel der Serie in Philadelphia von 20.403 Zuschauern empfangen.

Philly überzeugte durch Jrue Holiday, der auf 20 Zähler und sechs Assists kam sowie durch Power Forward Elton Brand, der mit 13 Punkten und 10 Rebounds ein Double Double erzielte.

Als besonderen Trumpf hatte Philadelphia noch einen ehemaligen Helden und Publikumsliebling im Ärmel: Allen Iverson ( 558924 DIASHOW: Die Bilder der zweiten Playoff-Runde ).

Der Ex-Franchise-Player durfte den Spielball überreichen und wurde in seiner Loge von unzähligen Fans im Iverson-Trikot mit MVP-Rufen gefeiert.

Coach Collins ist mit dem Kampfspiel zufrieden

Unter den Augen des sichtlich gerührten AI folgte dann zwar keine wirkliche schöne NBA-Partie, aber Kampf und Willen hatte das Spiel reichlich zu bieten.

"Spiel sieben - mehr wollten wir in dieser Partie nicht erreichen. Wir wollten uns diese Chance am Samstag offen halten, und jetzt schauen wir, was dabei herauskommt", erklärte der erleichterte 76ers-Coach Doug Collins.

An viel mehr dürfte sich nach diesem Spiel auch nicht erinnert werden, denn beide Mannschaften zeigten eine schwache Vorstellung, die größtenteils vom Kampf beherrscht war.

[image id="3b18a5d1-6449-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Unterirdische Quoten bei den Celtics

Boston traf nur 33,3 Prozent aus dem Feld, verursachte 17 Ballverluste und versenkte nur drei von 14 Dreipunktwürfen.

So überraschte es nicht, dass lediglich Paul Pierce mit 24 Punkten und zehn Rebounds sowie Kevin Garnett (20/11) erwähnenswerte Statistiken zustande brachten.

"Wir haben zwar einen Weg gefunden, weitestgehend im Spiel zu bleiben, aber wir müssen den Ball, wie in den Spielen zuvor, viel mehr laufen lassen. Auch die Verteidigung muss deutlich besser werden", murrte Pierce.

Lautsprecher Garnett dagegen wollte sich mit Spiel sechs nicht mehr groß befassen: "Es war eine extrem harte Serie. Jetzt sind wir bei Spiel sieben angelangt. Beide Teams haben bislang sehr gut gespielt, und jetzt fahren wir nach Boston und finden heraus, wie weit wir kommen."

76ers dominieren die Zone

Die Verdrängungstaktik Garnetts war gut verständlich, denn Philadelphia zerlegte Boston unter den Körben.

42:16 Punkte lautete die Statistik in der Zone, und folglich war dies der größte Kritikpunkt von Celtics-Coach Doc Rivers.

"Wir haben Kevin in der Zone kaum ins Spiel bekommen. Auch wenn er auf 20 Zähler kommt, das waren nicht die Punkte, die wir von ihm brauchen", analysierte Rivers das Spiel.

Angeschlagener Brand hält Garnett im Zaum

Ein Grund für Garnetts verändertes Spiel war Elton Brand, der aufgrund einer Nacken- und Schulterverletzung angeschlagen in die Partie gegangen war: "Wenn man auf dem Spielfeld steht, dann spürt man dank des Adrenalins nichts. Du kämpfst, ackerst, darum vertraut mir der Coach und lässt mich 34 Minuten aufs Feld."

Auch für Garnett hatte er hinterher noch ein paar nette Worte übrig.

"Jemand hat schlecht über unsere Fans geredet, und darum war es gut, den Sieg zu holen", merkte Brand spitz an.

Am Samstag ( LIVESCORES) kommt es also zu Spiel sieben in Bean Town und Philadelphias Trainer Collins bringt die Stimmung vor der wichtigen Partie auf den Punkt: "Ich will mehr. Das Team will mehr. Wir werden langsam gierig."

Für die 76ers wäre der Einzug ins Conference Finale im Osten der größte Erfolg seit 2001. Angeführt wurde die Truppe der City of Brotherly Love damals von keinem Geringeren als Allen Iverson.

Weiterlesen