Howard führte die Magic 2011/12 in Punkten (20,6) und Rebounds (14,5) an © getty

Nach van Gundys Rauswurf kommt Orlando nicht zur Ruhe. Dwight Howard verspielt seinen Status als Publikumsliebling.

Von Florian Pertsch

München - Sein Lächeln ist so breit, es könnte die Brücke vom Südende Floridas nach Key West ersetzen.

Dwight Howard ist eine Frohnatur, ein Kind im Männerkörper, das mehr Flausen im Kopf hat als Joko und Klaas in einer ganzen Woche.

Und doch, das Bild des fröhlichen Supermans, der mit Cape zum NBA-Slamdunk-Contest antritt, bröckelt.

Schuld daran ist das zwischenmenschliche Drama um Orlando-Magic-Coach Stan van Gundy und Franchise-Player Howard, welches letztlich in der Entlassung des Trainers und des General Managers Otis Smith durch CEO Alex Martins gipfelte.

Superman hinterlässt verbrannte Erde

Vor der verkürzten Saison hatte Howard einen Trade gefordert, doch er bekam ihn nicht. Und nachdem er sich gnädig zeigte und doch in Florida blieb, soll er Anfang April den Kopf von Trainer Van Gundy gefordert haben.

Nach Meinung des Franchise-Players hatte der Coach zu oft schlechte Laune und zog damit das Team runter.

Die Sache geriet an die Öffentlichkeit und warf kein gutes Bild auf Orlandos Star. Auch an seinen Teamkollegen ließ er kein gutes Haar, und so vergraulte der einstige Sonnenschein und Liebling der Medien alle um sich herum.

Zusätzlich zum Imageverlust musste Superman auch auf dem Spielfeld kürzer treten, denn die Bandscheibe erwies sich als sein Kryptonit und wird ihn die Olympischen Spiele in London kosten.

Howard pflegt einen ausgeprägten Egoismus

Jetzt also die Entlassung von Van Gundy und Smith, das Ende eines grauenhaften Sommers: Und wenn es schlecht läuft, nicht der ersehnte Neuanfang, sondern der Auftakt zu einem Alptraum. ( 558924 DIASHOW: Die Bilder der zweiten Playoff-Runde )

Die Magic entschieden sich dafür, alles für ihren Star zu geben, doch Howard scheint es nicht die Bohne zu interessieren.

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Der geschasste Trainer ist erleichtert

Mehr denn je fordert D12 einen Trade und könnte so die ganze Organisation im Rentnerparadies ins Unglück stürzen.

Van Gundy scheint letztlich erleichtert, das ständige Hin und Her sowie die Gerüchte hinter sich gelassen zu haben.

"Diese ganze Dwight-Geschichte ist jetzt das Problem von Alex (Martins, Anm. d. Red). Er hat den Verein in Richtung Howard seit dem vergangenen Sommer ausgerichtet", erklärte der geschasste Trainer.

Smith rechtfertigte sich zwar umgehend in der Presse, dementierte aber die angeblichen Forderungen Howards, den Coach zu feuern. (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse)

Harsche Kritik von den US-Medien

"Die Beziehung zwischen Stan und Dwight war eine ständige Herausforderung, doch er hat nie verlangt, dass ich den Trainer entlasse", so der CEO der Magic.

Auf Seiten der Orlando-Spieler herrschte dennoch keine große Überraschung über die Absetzung. "Meine erste Reaktion war Enttäuschung, groß überrascht war ich aber nicht, denn dieses Drama gibt es ja nicht erst seit gestern", fasste J.J. Reddick die Situation zusammen.

Als aktiver Spieler der Magic wohl gewählte Worte, doch in den US-Medien fällt die Kritik nach den erneuten Trade-Forderungen Howards deutlich härter aus.

"Selbstverständlich schuldet er den Magic nichts, doch im Moment ist er einer der unbeliebtesten Spieler der kompletten Liga. Wenn ich an Stelle Orlandos wäre, würde ich ihn sofort für Andrew Bynum von den Lakers traden", echauffierte sich Experte Tony Kornheiser auf "ESPN".

Er erklärte auch gleich warum: "Defensiv ist Howard vielleicht etwas besser, aber offensiv ist Bynum ihm meilenweit voraus, das geht schon bei den Freiwürfen (49,1 Prozent in der Saison 11/12) los."

Hall-of-Famer Mullin glaubt an Howards Talent

Eine etwas andere Meinung hatte NBA-Legende Chris Mullin, der Howard trotz aller aktuellen Probleme eine große Karriere prophezeite.

"Das ist doch gerade alles nur weißes Rauschen. Ganz egal, wohin es für ihn geht, ob Brooklyn oder doch weiter Orlando, er wird am Ende in Springfield in der Hall of Fame ankommen", lobte der ehemalige Golden State Warrior den Center.

Der Betroffene selbst schweigt bis jetzt zu allen Themen und lässt damit alle Beteiligten weiter im Unklaren.

Das Talent des Riesen mit dem Kinderlächeln mag unbestritten sein, aber derzeit ist der einstige Superheld auf einem Zerstörungstrip, der seinen guten Ruf und die Franchise in Orlando pulverisieren könnte.

Und wenn er nicht aufpasst, dann landet er zwar in der Ruhmeshalle der NBA, aber sicher nicht in den Herzen der Fans.

Ein anderer Spieler in Florida kann davon mit Sicherheit ein Lied singen: LeBron James.

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