Kobe Bryant (r.) gewann mit den Lakers bereits fünf NBA-Meisterschaften © getty

Der Ex-Meister steht nach dem klaren Playoff-K.o. gegen Oklahoma vor einem Neuanfang. Bryant teilt Dirks Einzelschicksal.

Von Eric Böhm

München - Am Ende hatte er nicht einmal die Kraft zu meckern: Kobe Bryant war mental und körperlich ausgelaugt.

Der Superstar der L.A. Lakers hatte an dem deutlichen Playoff-Aus bei den in allen Belangen überlegenen Oklahoma City Thunder (Bericht) mächtig zu knabbern.

Selbst 42 Punkte des aufopferungsvoll kämpfenden 33-Jährigen reichten nicht, um als One-Man-Show die Serie zu verlängern. (VIDEO: Die Playoff-Highlights aus der Nacht)

"Wir hatten das Spiel unter Kontrolle, aber sie sind sehr explosiv, wirklich sehr explosiv", hauchte Bryant frustriert in die Mikrofone.

Bryants Topleistungen verpuffen

In den letzten drei Spielen der Serie markierte der älteste Laker in durchschnittlich 40 Minuten unglaubliche 38,7 Punkte, ging 42-mal an die Freiwurflinie und leistete sich nur sechs Ballverluste.

Trotzdem reichte es nur zu einem knappen Sieg. Wie 2011 ist für den Meister von 2010 schon zum zweiten Mal nach der zweiten Runde Schluss. ( 558924 DIASHOW: Die Bilder der zweiten Playoff-Runde )

Nach Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks schalteten die Thunder auch den zweiten großen Namen mühelos aus.

"Auch Kobe kann es nicht mehr alleine"

Bryant erwischte dabei das Nowitzki-Syndrom. Genau wie der gleichaltrige Finals-MVP von 2011 konnte auch die "Black Mamba" die Jungspunde Kevin Durant, Russell Westbrook oder James Harden nicht im Alleingang ausschalten.

Es ist kein Zufall, dass die Lakers bis zu dieser Saison zehn von elf Playoff-Partien gewannen, wenn der Veteran die 40-Punkte-Marke knackte. Dieses Jahr verloren sie beide "Ü-40-Partys" ihres Anführers.

"Auch Kobe kann es mittlerweile nicht mehr allein richten. Er spielt jetzt 16 Jahre in der NBA, da steckst du die Belastung nicht mehr so leicht weg", bestätigt NBA-Legende und TV-Experte Charles Barkley.

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Ähnliche Situation wie in Dallas

Ähnlich wie die Mavericks ist auch der 16-malige Champion zu einem Neuaufbau gezwungen, um die letzten guten Jahre seines Aushängeschildes nicht zu verschwenden.

Vor Jahresfrist entschied man sich nach Phil Jacksons Rückzug, den Kader im Wesentlichen unverändert zu lassen und in Mike Brown nur einen neuen Coach zu installieren.

Die Routiniers Lamar Odom und Derek Fisher - er bekam in Oklahomas Diensten seine Genugtuung - mussten gehen, aber echte Verstärkungen blieben aus.

Gasol vor Abschied

Nach der neuerlichen Enttäuschung werden im Laker-Land diesmal noch mehr Spielerköpfe rollen. (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse)

Selbst Brown wackelt nach nur einem Jahr. Jacksons alter Assistent Brian Shaw gilt als Bryants Intimus und wäre verfügbar. Pau Gasol ist der erste Streichkandidat im Kader. Bereits vor der Saison sollte er eingetauscht werden.

"Das ist enttäuschend. Ich war meist nur die dritte Option im Angriff", reagierte Gasol auf Browns Äußerungen zu seiner mangelnden Effizienz in der Serie.

Die Zweckgemeinschaft mit Bryant steht vor dem Aus. Der Platzhirsch kritisierte bereits mehrfach die mangelnde Aggressivität des Spaniers, der im Juli 32 Jahre alt wird.

"Wir müssen einander vertrauen. Das war in diesem Jahr nicht immer der Fall und hat uns geschadet", deutet Metta World Peace zwischenmenschliche Probleme an.

Sessions wieder weg?

World Peace selbst hat trotz durchwachsener Leistungen gegen Durant und Harden in Bryant einen wichtigen Fürsprecher.

Für eventuelle Trades kommen sogar All-Star-Center Andrew Bynum oder der letztlich enttäuschende Point Guard Ramon Sessions in Frage.

"Ich habe sicher nicht meine beste Leistung gebracht. Daraus muss ich lernen und weitermachen", sagt der Neuzugang, der von Westbrook ein ums andere Mal vorgeführt wurde.

Magic fordert Trades

Auch die Bank muss dringend verstärkt werden. In Spiel fünf gegen Oklahoma City kamen die Reservisten auf fünf Punkte - Thunder-Reservist Harden erzielte 17.

Big Man Jordan Hill hat sein Potenzial angedeutet, aber Troy Murphy, Josh McRoberts, Steve Blake oder Andrew Goudelock sind keine Bausteine eines Meisterteams.

"Ich sage lieber nicht, dass sie einige Trades machen müssen. Denn immer wenn ich es sage, machen sie nichts", twitterte Lakers-Legende Magic Johnson.

Kaum Spielraum

Wer die nötigen Umbauarbeiten durchführt, ist ebenfalls noch nicht sicher. Manager Mitch Kupchak liebäugelt mit einem Engagement bei den Portland Trail Blazers.

Spielraum unter der Gehaltsobergrenze gibt es ebenso wenig, wie vielversprechende Talente oder hohe Auswahlrechte im Draft.

Sicher ist derzeit nur, dass das Trikot mit der Nummer 24 weiterhin von Bryant getragen wird, der auf der Pressekonferenz seinen Kampfgeist wieder gefunden hatte.

"Ich werde nicht im Schatten verschwinden. Ich gehe nirgendwo hin. Das Team geht nirgendwo hin. Wir werden nicht in der Versenkung verschwinden", kündigt Bryant an.

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