Rick Carlisle (2.v.r.) gewann als Spieler 1986 mit den Boston Celtics den Titel © getty

Dallas' Meistertrainer bleibt an Bord, steht aber unter Erfolgsdruck. Nowitzki soll durch einen Superstar entlastet werden.

Von Eric Böhm

München - Neuer Vertrag, neue Spieler, neue Rolle für den Superstar: Rick Carlisle hat seine größte Herausforderung vor der Brust.

Der Meistertrainer der Dallas Mavericks muss nach der letztlich desolaten Saison und dem peinlichen 0:4-Aus in der ersten Playoff-Runde gegen Oklahoma City fast wieder bei null anfangen.

Denn abgesehen von Dirk Nowitzki steht der komplette Kader auf der Kippe. Zudem soll der Kapitän mit fast 34 Jahren nicht mehr als Einzelkämpfer vornweg marschieren. (BERICHT: Dirkules bereit für Rolle als Co-Star)

"Dirk soll der zweite Superstar werden. Das ist unser Ziel. Nach 14 NBA-Jahren müssen wir ihm einen Teil der Last von den Schultern nehmen", betont Carlisle.

Star-Gespann ist nötig

Die neue Nummer eins soll All-Star-Spielmacher Deron Williams werden, der am 1. Juli Free Agent wird und die Brooklyn Nets verlassen könnte.

Für den Hauptpreis der Sommerlotterie rissen Eigentümer Mark Cuban und Teampräsident Donnie Nelson schließlich die so gut harmonierende Meistermannschaft auseinander.

Die Playoffs 2012 zeigen eindrucksvoll, dass mindestens zwei legitime Superstars nötig sind, um eine realistische Titelchance zu haben. (PERSONALIE: Nowitzki fordert klare Marschroute)

"Wir werden aktiv sein"

Die Mavericks gelten als Favoriten auf D-Wills Verpflichtung. Der 27-Jährige stammt schließlich aus Dallas und kennt die Western Conference aus seiner Zeit in Utah.

Zwar können ihm die Nets aufgrund des neuen Tarifvertrages insgesamt 27 Millionen Dollar mehr bieten, aber die steuerlichen Vorteile in Texas und die höheren Kosten in New York hatte Williams zuletzt selbst ins Spiel gebracht.

Selbst wenn der Deal klappt, ist es damit aber lange nicht getan. Nahezu auf jeder Position müsste nachgebessert werden. ( 557251 DIASHOW: Die Transfer-Kandidaten der Mavericks )

"Es gibt drei Möglichkeiten, sein Team zu verbessern: Free Agents, Draft, Trades. Ich glaube, wir werden in allen drei Bereichen sehr aktiv sein. Ich vertraue Mark Cuban", gibt Carlisle einen Vorgeschmack.

Carlisle gibt Portland einen Korb

Nicht zuletzt deshalb entschied er sich trotz anderer lukrativer Möglichkeiten - zum Beispiel Portland - für einen Verbleib in Dallas.

"Es gibt keinen Besitzer, der sein Team so oft neu erfunden hat. Wir haben den Spielraum unter der Gehaltsobergrenze und werden richtig loslegen", meint Carlisle.

Odom in einem Trade-Paket?

Gerade im Zusammenhang mit Millionen-Flop Lamar Odom brachte der Trainer des Jahres von 2002 eine neue Variante ins Spiel.

"Sein Vertrag ist für viele Teams interessant. Nur ein kleiner Teil ist garantiert. So haben wir im Tausch für Erick Dampier und Jerry Stackhouse etwa Shawn Marion und Tyson Chandler bekommen", vergleicht der 52-Jährige.

Bisher waren alle Experten von einem Trade rund um den Draft ausgegangen. Im Paket mit beispielsweise Marion könnte Odom für eine echte Verstärkung doch noch vergoldet werden.

Erfolge müssen her

Auf die Mavs kommt also ein risikoreicher aber gleichzeitig potenziell extrem lohnender Spagat zu.

Das gilt aber auch für Carlisle persönlich. Der Erfolgsdruck wird angesichts neuer Stars vom ersten Trainingstag an sehr groß sein.

Seine taktische Kompetenz und Führungsqualität steht außer Frage - er ist einer von nur elf Männern, die als Spieler und Trainer NBA-Champion wurden.

Das glückliche Händchen aus der Meistersaison ist dem Defensivfanatiker aber irgendwo im Chaos zwischen Lockout, Mini-Vorbereitung, Odom-Saga oder Terminhatz abhanden gekommen.

Viele Fehler

Er schaffte es nicht, Odom konditionell und spielerisch zu integrieren, den neuen Spielern sein System zu vermitteln oder junge Talente wie Roddy Beaubois und Dominique Jones zu produktiven Rollenspielern zu entwickeln.

Viel zu lange hielt er trotz ordentlicher Leistungen von Ian Mahinmi und Brandan Wright an dem teuren Center Brendan Haywood fest.

Auch seine Abkehr von der "Flow-Offense" - es werden praktisch keine Spielzüge von außen angesagt - und die Beförderung des sechsten Mannes Jason Terry in die erste Fünf vor dem letzten Playoff-Spiel gegen die Thunder waren unüberlegte Panikreaktionen.

Überflügelt Carlisle Nelson?

In diesem Jahr bekommt er nun wieder eine reguläre Vorbereitung, muss aber auch viele neue Spieler einbauen.

Wenn Carlisle seinen neuen Vierjahres-Vertrag erfüllt, wird er zum dienstältesten Mavericks-Coach aller Zeiten - sowohl Hall-of-Famer Don Nelson als auch Dick Motta schafften keine acht Jahre am Stück.

Dazu muss er wohl mindestens einen weiteren Titel in die texanische Metropole holen.

"Das ist mir bewusst. Es werden viel Arbeit und wichtige Entscheidungen nötig sein, aber ich nehme diese Herausforderung gern an. Ich möchte kein anderes Team trainieren", gibt sich Carlisle selbstbewusst.

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