Tim Duncan (l.) war 2003 MVP der Saison und wertvollster Spieler der Finalserie © getty

San Antonio macht bei den Clippers den nächsten 4:0-Erfolg klar. Duncan und Parker glänzen. Paul wird zum tragischen Helden.

Von Eric Böhm

München/Los Angeles - Die San Antonio Spurs haben mit dem nächsten Sweep das Conference Finale der NBA-Playoffs erreicht.

Das topgesetzte Team der Western Conference triumphierte 102:99 (51:47) bei den Los Angeles Clippers und setzte sich in der Best-of-Seven-Serie mit 4:0 durch. (VIDEO: Die Playoff-Highlights aus der Nacht)

Wieder einmal waren Center Tim Duncan (21 Punkte, 9 Rebounds) und Aufbauspieler Tony Parker (17 Zähler) die herausragenden Akteure in San Antonios ungeheuer effizientem Kollektiv.

"Wir haben ein Spiel wie dieses gebraucht. Es war der perfekte Moment. Jeder hat gekämpft und seine Aufgaben hundertprozentig umgesetzt", schwärmte Parker.

Geschichte spricht gegen San Antonio

Bereits in der ersten Runde hatten sie Utah sieglos in den Urlaub geschickt. Es war zudem San Antonios 18. Erfolg hintereinander.

Nur den L.A. Lakers ist es bisher gelungen eine noch längere Serie bis in die Postseason hinein aufrecht zu erhalten - 2001 gewannen sie auf dem Weg zum Titel 19 Partien am Stück.

In der NBA-Historie ist erst das vierte Mal, dass eine Mannschaft die ersten beiden Runden ohne Niederlage übersteht.

Allerdings holten weder Miami (2005) noch Cleveland (2009) oder Orlando (2010) danach auch die Meisterschaft.

"Noch nichts erreicht"

"Wir haben noch nichts erreicht. Wir haben zwei Runden gewonnen, dafür kannst du dir noch nichts kaufen", wiegelte Duncan ab.

In der bis zum Schluss extrem engen und nervenaufreibenden Partie brachte Parker die Spurs innerhalb der letzten zweieinhalb Minuten dank zwei Treffern mit 100:97 in Führung.

Dazwischen hatte Duncan einen Wurfversuch des diesmal starken Clippers-Spielmachers Chris Paul (23 Punkte, 11 Assists) geblockt. ( 558924 DIASHOW: Die Bilder der zweiten Playoff-Runde )

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Paul doppelt im Pech

"CP3" verkürzte in seinem mit Abstand stärksten Auftritt der Serie zwar noch einmal auf 99:100, aber durch einen Fehlpass und die verpasste Ausgleichschance wurde er in den finalen elf Sekunden zum tragischen Helden.

Erst fälschte Manu Ginobili (11 Zähler, 4 Assists) ein verunglücktes Anspiel des All-Stars ab, dann vergab Paul nach Danny Greens Fehlversuch von der Freiwurflinie aus kurzer Distanz das mögliche 101:101.

"Ich habe es versaut. Es waren schlechte Entscheidungen. Bei der ersten Situation hätte ich werfen sollen, das andere Ding habe ich einfach verpasst", ärgerte sich der Point Guard.

Duncan sicherte mit dem Rebound den Sieg der Gäste und das verdiente Aus der gegen die erfahrenen Texaner letztlich überforderten Clippers.

Vorsprung reicht erneut nicht

Die mangelnde Cleverness und Abgebrühtheit in den Playoffs machte sich auch in Spiel vier schmerzlich bemerkbar. (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse)

Wie so oft in der Serie erarbeiteten sich die dynamischen Gastgeber angeführt von Jungstar Blake Griffin (21 Punkte) einen Vorsprung.

Ersatz-Spielmacher Eric Bledsoe (17 Zähler) sorgte Mitte des Schlussabschnitts mit einem tollen 11:6-Lauf für das 90:85.

Kein Killerinstinkt

Aufgrund der mangelnden Erfahrung in der K.o.-Runde fehlte der Truppe von Coach Vinny Del Negro erneut der Killerinstinkt.

"Ihre Routine machte den Unterschied. Sie haben ihren Plan vorm Ergebnis losgelöst immer durchgezogen. Tim spielt großartig, und der Rest lässt sich davon mitreißen", lobte Del Negro.

Die Clippers haben jede der sieben Playoff-Serien verloren, in denen sie mit 0:1 in Rückstand gerieten.

Kadertiefe als größtes Plus

San Antonio trifft in den West-Finals nun auf den Sieger der Serie zwischen Oklahoma City und den Lakers (Stand: 3:1).

Die starken Schützen Danny Green und Gary Neal steuerten insgesamt fünf Dreier und jeweils 14 Zähler bei.

Die immense Kadertiefe ist der größte Trumpf der Texaner, die ihren fünften NBA-Titel - den ersten seit 2007 - anpeilen.

"Bis wir es nicht geschafft haben, kann ich diese Truppe nicht mit unseren alten Meisterteams vergleichen. Wir müssen konzentriert bleiben", sagte der dreimalige Champ Parker.

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