Kevin Durant verwandelt den letzlich entscheidenden Dreier zum 3:1 in der Serie © getty

Der 16-malige Meister steht trotz Bryants Topleistung vor dem Aus. Oklahomas Star trifft L.A. ins Herz. Kobe motzt gegen Gasol.

Von Eric Böhm

München/Los Angeles - Kevin Durant erarbeitet sich in den Playoffs immer mehr den Ruf eines Crunch-Time-Helden.

Der Scoring-Champion der NBA hat beim 103:100 (46:56) der Oklahoma City Thunder bei den Los Angeles Lakers erneut den entscheidenden Wurf versenkt und seinem Team in der Best-of-Seven-Serie den 3:1-Vorsprung beschert.

"Durantula" (31 Punkte, 13 Rebounds) traf die Gastgeber knapp 14 Sekunden vor Schluss mit seinem kaltblütigen Dreier zum 101:98 ins Herz. (VIDEO: Die Playoff-Highlights aus der Nacht)

"Der Ball verließ meine Hand, und ich dachte nur: 'Wenn er nicht reingeht, war es ein furchtbarer Wurf'", beschrieb Durant seinen großen Moment.

Bryant hat wieder das Nachsehen

Die Wurfuhr war fast abgelaufen, Metta World Peace klebte an ihm dran, trotzdem ließ sich der 23-Jährige nicht beirren und zog unwiderstehlich ab.

Im direkten Gegenzug verpasste der bis dato herausragende Kobe Bryant (38 Zähler, 8 Rebounds) ebenfalls aus der Distanz den Konter. Nach James Hardens Freiwürfen zum 103:98 war sein letzter Treffer nur noch Ergebniskosmetik.

Bereits in Spiel zwei (Bericht) hatte einer der besten "Closer" der NBA-Geschichte in der Endphase gegen Durant das Nachsehen gehabt.

"Kevin ist in diesen Situationen schon die gesamte Saison über besonders stark. Er ist unser Anführer", lobte Coach Scott Brooks. ( 558924 DIASHOW: Die Bilder der zweiten Playoff-Runde )

Durant überstrahlt die Topstars

Bei der Wahl zum MVP hatte Durant gegen Miamis LeBron James noch verloren, aber seine extrem wichtigen Körbe in der Crunch-Time überstrahlen "LBJ". ( 82965 DIASHOW: Die MVPs der vergangenen 25 Jahre )

Spiel vier eingeschlossen hatte er in dieser Saison 23 Chancen eine Partie innerhalb der letzten 24 Sekunden auszugleichen oder die Führung zu erzielen. Zehnmal traf der MVP der WM 2010 auch.

Bryant konnte bisher nur drei von 18 solcher Gelegenheiten nutzen. In der ersten Playoff-Runde hatte sich bereits Crunch-Time-Spezialist Dirk Nowitzki beugen müssen. (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse)

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"Es ist noch nicht gelaufen"

Dank Durant könnten die Thunder nun in Spiel fünf in der Nacht auf Dienstag (ab 3:30 Uhr LIVESCORES) nach Titelverteidiger Dallas auch den Champion von 2010 ausschalten.

"Es ist noch nicht gelaufen. Wir haben jetzt drei Chancen, sollten aber die erste gleich nutzen. Ansonsten holen sich die Lakers das Momentum zurück", warnte der Matchwinner.

Lakers über weite Strecken besser

Dass er überhaupt die Chance für seinen goldenen Wurf bekam, war einer tollen Aufholjagd seines jungen Teams zu verdanken.

Denn die ersten drei Viertel hatten die Lakers dominiert. Bryant traf in diesem Zeitraum zehn von 18 Würfen. Unterstützt wurde er vor allem von Center Andrew Bynum (18 Punkte, 9 Rebounds).

So gingen die Gastgeber mit einem scheinbar komfortablen Vorsprung von neun Zählern ins Schlussviertel.

Westbrook überragt

Dort drehte neben Durant Oklahomas Point Guard Russell Westbrook mächtig auf. In der Spanne von zwei Minuten legte er im Alleingang einen 9:4-Lauf hin und brachte die Thunder auf 92:96 heran.

Insgesamt gelangen dem einstigen UCLA-Star 37 Zähler bei nur einem einzigen Ballverlust. Spaniens Europameister Serge Ibaka steuerte 14 Punkte bei.

"Jeder hat weiter gekämpft. Wir haben zu jedem Zeitpunkt an uns geglaubt. Das sind die Playoffs, da ist alles möglich", meinte Westbrook.

Bryant meckert auf Gasol

In die Schlussminute ging es beim Stand von 98:98. Statt selbst abzuschließen bediente Bryant in der Zone Pau Gasol (10 Zähler), der zu zögerlich agierte und einen Fehlpass in Durants Hände spielte.

"Pau muss einfach aggressiver sein. Er hätte werfen, zum Korb ziehen oder irgendetwas machen müssen. Das war eine ganz schlechte Entscheidung", knöpfte sich Bryant seinen Teamkollegen vor.

Brown kritisiert die Abwehr

Wenig später nutzte Durant dieses Geschenk zum Siegtreffer. Die Thunder beendeten das Spiel mit einem 22:8-Lauf.

"Ich wünschte, ich könnte diese Schlussphase erklären. Es ist einfach passiert", sagte Brooks. Sein Team traf innerhalb der letzten zwölf Minuten zehn von 15 Würfen und verbuchte 32 Punkte.

"Wir können über unseren suboptimalen Angriff sprechen, aber wir haben sie viel zu einfach punkten lassen. Das ist für mich die größte Enttäuschung", bilanzierte der geknickte Lakers-Coach Mike Brown.

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