Lou Williams (M.) wurde 2012 zum zweitbesten Sixth Man der Liga gewählt © getty

Philadelphia schüttelt eine miese erste Hälfte ab und gleicht die Serie gegen die Celtics mit Hilfe einer famosen Aufholjagd aus.

Von Eric Böhm

München/Philadelphia - Die Philadelphia 76ers lassen auch in der zweiten Runde der NBA-Playoffs einfach nicht locker.

Das Überraschungsteam der Eastern Conference bezwang die favorisierten Boston Celtics 92:83 (31:46) und glich die Best-of-Seven-Serie zum 2:2 aus.

Dabei hatten die Sixers eine grauenvolle erste Hälfte gespielt und im dritten Viertel bereits mit 18 Punkten in Rückstand gelegen. (VIDEO: Die Playoff-Highlights aus der Nacht)

"Mir fehlen die Worte. Unsere Jungs sind erstaunlich", sagte Coach Doug Collins. In der ersten Runde hatte die Nummer acht der Eastern Conference die topgesetzten Chicago Bulls eliminiert.

Iguodala als Matchwinner

Ein sensationeller 27:6-Lauf brachte die Gastgeber während des dritten Abschnitts wieder ins Spiel. Im letzten Viertel (33:20) machten sie ihr großartiges Comeback dann perfekt.

Sixth Man Lou Williams markierte 13 seiner 15 Zähler in der zweiten Hälfte, aber All-Star Andre Iguodala machte am Ende den Unterschied aus. ( 558924 DIASHOW: Die Bilder der zweiten Playoff-Runde )

Der Topscorer (16 Punkte, 7 Rebounds) brachte Philadelphia 82 Sekunden vor Schluss erstmals in Führung und ließ kurz darauf den letztlich siegbringenden Dreier zum 88:83 folgen.

"Lou hat mich schon häufiger an dieser Stelle bedient. Er hat zu jeder Zeit große Übersicht. Heute hat es wieder geklappt", fasste Iguodala zusammen.

Williams führt Regie

Williams, der in der regulären Saison ohne Einsatz in der ersten Fünf Topscorer seiner Mannschaft gewesen war, lieferte insgesamt acht Vorlagen.

Allrounder Evan Turner steuerte 16 Zähler sowie neun Rebounds bei. Allein im dritten Viertel verbuchten die Gastgeber so viele Körbe wie in der kompletten ersten Hälfte.

"Wir haben am Anfang überhaupt nichts getroffen. Boston spielte sehr gut, aber auf einmal platzte der Knoten", meinte Iguodala.

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Garnett strauchelt

Die Celtics wurden nach der 49:31-Führung kalt erwischt und erholten sich von diesem Schock nicht mehr.

Kapitän Paul Pierce (24 Zähler) war ihr bester Scorer. Point Guard Rajon Rondo sammelte je 15 Punkte und Assists. (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse)

Sie waren die einzigen Akteure des Rekordmeisters, die am Ende noch Gegenwehr leisteten. Kevin Garnett (9 Zähler, 11 Rebounds) zeigte das erste schwache Spiel seiner bis dahin starken Postseason.

"Wir hatten sie im Sack, konnten es aber nicht zu Ende bringen. Das ist enttäuschend. Jetzt müssen wir zu Hause wieder anderes auftreten", forderte Garnett.

"Haben unseren Faden verloren"

Partie Nummer fünf findet in der Nacht auf Dienstag (ab 1 Uhr LIVESCORES) wieder im TD Garden in Boston statt.

Der Rekordmeister muss diesen katastrophalen Einbruch also sehr schnell abschütteln, wenn er nicht das zweite prominente Opfer der 76ers werden will.

"Wir haben unseren Fader verloren. Sie haben uns unter Druck gesetzt. Deshalb haben wir nie wieder so gespielt wie vor der Pause", analysierte Bostons Trainer Doc Rivers.

Spezialisten für Auholjagden

Es war das zweitgrößte Comeback der Playoffs 2012. Die L.A. Clippers hatten in der ersten Runde bei den Memphis Grizzlies einen 27-Punkte-Rückstand noch gedreht.

Die Sixers gewannen in der K.o.-Runde drei von sechs Spielen nach zwischenzeitlichem zweistelligen Rückstand - in der regulären Saison hatten sie noch 23 von 28 solcher Partien verloren.

"Wir kämpfen einfach bis zum Schluss weiter. Das ist unsere größte Stärke. Die werden wir uns bewahren", kündigte Collins an.

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