LeBron James erzielte in einem Playoff-Spiel 2007 in Detroit 25 Punkte in Folge © getty

Ohne Bosh befindet sich der MVP bei der Pleite in Indiana in der gleichen Situation wie bei den Cavaliers. Wade gibt Rätsel auf.

Von Eric Böhm

München - Diese Zeiten hatte LeBron James eigentlich längst hinter sich gewähnt.

Als Einzelkämpfer versuchte Miamis Star Spiel drei bei den Indiana Pacers (Bericht) für eine Ansammlung farbloser Rollenspieler vergeblich aus dem Feuer zu holen. (VIDEO: Die Playoff-Highlights aus der Nacht)

Ohne Chris Bosh und mit einem indisponierten Dwyane Wade dürfte sich nicht nur James an seine Zeit in Cleveland erinnert gefühlt haben.

"Einige hatten heute nicht ihren besten Tag. Wenn du ein Spiel so verlierst, dann musst es schnellstmöglich abhaken", bemühte James die gängigen Floskeln.

Ironie des Schicksals

Dabei hatte er doch genau aus diesem Grund in Kauf genommen, mit dem Wechsel nach Miami zum Buhmann des NBA-Universums zu werden.

Er war es leid, als einziger Topspieler einer Mannschaft gegen die Windmühlen der Eastern Conference zu kämpfen und wollte mit den neuformierten "Miami Thrice" den ersehnten Titel gewinnen. ( 558924 DIASHOW: Die Bilder der zweiten Playoff-Runde )

Stoppte ihn 2011 der fast schon unmenschlich gute Dirk Nowitzki mit seinen Dallas Mavericks sowie die eigene Schwäche in der Crunch-Time, fällt ihm nun die Unausgewogenheit des Heat-Kaders auf die Füße.

Frontcourt macht Sorgen

Bosh muss mit seiner Bauchmuskelzerrung wohl bis zu einer eventuellen Finalserie im Osten aussetzen. Dadurch fehlt Miami eine nennenswerte Präsenz in der Zone.

Coach Erik Spoelstras Experiment mit dem jungen Dexter Pittman in der Startformation scheiterte kolossal und machte gleichzeitig die Verzweiflung deutlich.

Joel Anthony ist nicht mehr als ein brauchbarer Verteidiger - vorn ist er ohnehin kein Faktor. Indianas im Angriff bisweilen arg phlegmatischer Center Roy Hibbert dominierte ihn.

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Statistik spricht gegen James

Zudem muss James nun als Power Forward aushelfen und wird deshalb als Matchup-Albtraum für Pacers-Topscorer Danny Granger auf der kleinen Flügelposition vermisst.

Bei aller Klasse und drei MVP-Titeln hat LBJ in der Vergangenheit schon häufiger gezeigt, dass er nicht in der Lage ist, ein Team im Alleingang zum Titel zu führen.

Fünfmal kassierte er in seiner Karriere während einer Playoff-Serie zwei Niederlagen in Folge - immer schied seine Mannschaft aus.

"LeBron hat uns in der ersten Hälfte im Spiel gehalten. Wir hatten aber einfach nicht die Feuerkraft, um gegen ein so starkes Team wie Indiana mitzuhalten", lieferte Spoelstra eine Bankrotterklärung.

Kraft lässt nach

Ähnlich wie in diversen Serien mit den Cavaliers rieb sich James auf und musste seinem großen Kraftaufwand dann Tribut zollen.

In der zweiten Hälfte gegen Indiana traf er nur drei seiner 12 Würfe und musste sich mit sechs Punkten begnügen.

Die Pacers bedienten sich mit ihrer harten Gangart erfolgreich des Plans der Boston Celtics, die 2008 einen entnervten und entkräfteten James in sieben Spielen ausschalteten.

Wade auf James' Spuren

Damals unterlief dem "King" in Spiel eins ein extrem schwaches Spiel (2 von 18 aus dem Feld).

Es war das erste Mal, dass ein Spieler mit einem Punkteschnitt von mehr als 22 Punkten in der regulären Saison so eine miserable Wurfquote in einem Playoff-Spiel ablieferte.

Diesen Negativrekord stellte bei dem Debakel in Indianapolis nun Wade ein, der eine unfassbar miserable Partie ablieferte - er traf nur zwei von 13 Würfen.

"Ich habe also offenbar Geschichte geschrieben. Nein, es war ein ganz schlechter Abend für mich. Dafür gibt es viele Gründe", musste Wade (5 Punkte) zugeben.

Wie fit ist Wade?

Es ist ein offenes Geheimnis, dass "Flash" mit Problemen an beiden Knien und Knöcheln kämpft. Wie fit er wirklich ist, bleibt rätselhaft.

Angesichts der fehlenden Alternativen - Mike Miller, Shane Battier oder Udonis Haslem tauchten völlig ab - schleppt er sich von Spiel zu Spiel.

Sein hitziges Wortgefecht mit Spoelstra während einer Auszeit wollte er dagegen nicht kommentieren. Haslem hielt Wade in seiner stärksten Szene vom Coach fern.

"Er war nicht er selbst und will besser spielen. Dazu hatte Indiana zu dem Zeitpunkt gerade einen Lauf. Da brach die Frustration aus ihm heraus. Das ist verständlich", wiegelte James ab.

"Haben viele Alphatiere"

Die Szene machte deutlich, dass die abgeklärte Spielweise der Pacers, die eigene Situation und der Erfolgsdruck an den Nerven der Heat zehren.

Besserung ist für Spiel drei (So., ab 21.30 Uhr LIVESCORES) unbedingt nötig. Denn ein 1:3 in der Serie wäre wohl eine zu große Hypothek.

"Wir haben viele Alphatiere in der Kabine. Wir müssen uns jetzt zusammenraufen und eine bessere Leistung zeigen", forderte Haslem. Nicht zuletzt James setzt darauf, sonst droht ihm gleich das nächste unangenehme Deja vu.

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