Michael Jordan und Patrick Ewing (r.) ge- wannen 1992 gemeinsam Olympisches Gold © getty

"Air" Jordans guter Freund ist der aussichtsreichste Trainerkandidat in Charlotte. Er könnte einen zweiten Dwight Howard formen.

Von Eric Böhm

München - Ein alter Freund könnte Michael Jordan möglicherweise aus der Patsche helfen.

Die finanziell und sportlich gebeutelten Charlotte Bobcats haben Patrick Ewing zum Vorstellungsgespräch für die offene Stelle des Cheftrainers geladen.

Die NBA-Legende arbeitet seit 2007 als Assistenzcoach für die Orlando Magic und könnte den gefeuerten Paul Silas ersetzen - es wäre seine erste Station als Cheftrainer.

"Es ist unbegreiflich für mich, dass Assistenten ohne Patricks immense Erfahrung vor ihm Cheftrainer geworden sind. Er ist bereit. Ich hoffe, in diesem Jahr klappt es", sagt Ewings jetziger Boss Stan Van Gundy.

Erste Begegnung vor 30 Jahren

Teameigentümer Jordan und Ewing sind seit vielen Jahren sehr gut befreundet. Schon 1982 standen sie sich im College-Finale gegenüber.

In der NBA lieferten sie sich in Diensten der Chicago Bulls und New York Knicks über viele Jahre unzählige Schlachten.

Während Jordans Comeback bei den Washington Wizards war Ewing als Co-Trainer dabei. Wer jetzt wem einen Gefallen tun würde, ist freilich offen.

Miese Ausgangsposition

Denn der Job scheint ein echtes Himmelfahrtskommando zu sein. Mit nur sieben Siegen in 66 Spielen stellten die Bobcats in der abgelaufenen Spielzeit den Rekord für die schwächste Erfolgsquote aller Zeiten auf.

Nach 23 Niederlagen in Folge droht zu Beginn der neuen Spielzeit zudem die nächste Negativmarke - Cleveland verlor 2010/2011 sogar 26 Partien in Serie.

Besserung scheint nicht in Sicht, denn Jordan und seine Teilhaber schreiben ständig rote Zahlen. Hochkarätige Neuverpflichtungen sind also nicht zu erwarten.

Flops und Feinde

Die absoluten Topstars würden ohnehin keine große Lust verspüren, nach Charlotte zu kommen.

Denn Jordan hat sich mit seiner Hardliner-Haltung während des Lockouts bei Beratern und Spielern einige Feinde geschaffen.

Auch seine Fehlgriffe sind mittlerweile legendär. Außerdem ließ er Tyson Chandler, Raymond Felton, Gerald Wallace oder Stephen Jackson nahezu ohne vernünftigen Gegenwert ziehen.

Davis als Lotto-Gewinn

Neben einigen talentierten Guards - D.J. Augustin, Rookie Kemba Walker, Gerald Henderson - ist somit der Draft (28. Juni) die größte Hoffnung der "Rotluchse".

Dank ihrer miserablen Bilanz haben sie bei der Lotterie Ende Mai große Chancen, das erste Auswahlrecht zu erhalten.

Dann könnten sie den College-Dominator Anthony Davis verpflichten, der die Kentucky University zum Meistertitel führte.

Ewing wäre der ideale Mentor

Der 19-jährige Big Man gilt als kommender Superstar. Bereits jetzt ist er ein außergewöhnlicher Verteidiger. An seinem Repertoire im Angriff muss er aber noch arbeiten.

Genau da käme Ewing wie gerufen. Der gebürtige Jamaikaner war nämlich nicht nur selbst einer der besten Center aller Zeiten, sondern hat sich bei Entwicklung junger Talente viel Respekt erarbeitet.

Nicht zuletzt ihm verdankt Dwight Howard seinen Aufstieg zum All-Star. Auch Glen Davis, Brandon Bass (inzwischen Boston) oder Ryan Anderson steigerten sich unter Ewings Anleitung erheblich.

Lob von Anderson

Anderson wurde nun sogar zum meistverbesserten Spieler der NBA gekürt und ist Ewing entsprechend dankbar. (PERSONALIE: Love-Klon in Magic-Tradition)

"Ihm habe ich viel zu verdanken. Seine riesige Erfahrung hat mich zu dem Spieler gemacht, der ich heute bin. Er ist ein ausgezeichneter Coach und noch besserer Mensch", lobt Orlandos Forward.

Auch Sloan wird gehandelt

Auch die ungeschliffenen Talente B.J. Mullens und Bismack Biyombo könnten von dem elfmaligen All-Star profitieren.

Allerdings gibt es auch noch andere Kandidaten. Dazu gehören Stephen Silas - der Sohn des Ex-Coaches - Golden States Assistent Mike Malone oder Utahs langjähriger Trainer Jerry Sloan.

Gegen Ewing spricht die fehlende Erfahrung als Chef, es darf aber bezweifelt werden, dass ein großer Name wie Sloan einen mehrjährigen und extrem mühsamen Neuaufbau übernehmen würde.

Jordan unter Druck

Vielleicht wäre ein unverbrauchter Mann wie Ewing die bessere Wahl. Sein Prestige würde Charlotte zudem dringend benötigte Publicity und letztendlich NBA-Relevanz einbringen.

Einen erneuten Flop kann sich speziell Jordan nicht erlauben. Dann würden nicht nur die Häme, sondern auch die Rufe nach seinem Ausstieg immer lauter.

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