James (l.) und Wade versagten gegen Indiana in der Crunch-Time © getty

Die Heat zeigen gegen Indiana ihr zahloses Gesicht und machen dem Underdog Mut. Nach Boshs Ausfall fehlt die Unterstützung.

Von Björn Seitner

München/Miami - Bisher lief für Vizemeister Miami Heat alles nach Plan.

Die New York Knicks in Playoff-Runde eins in fünf Spielen abgefertigt, die "Miami Thrice" in Topform, LeBron James schon zum dritten Mal zum besten Spieler der Saison gewählt ( 82965 DIASHOW: MVPs der letzten 25 Jahre ).

Umso überraschender war die unterirdische Leistung im zweiten Spiel des NBA-Conference-Halbfinals gegen Indiana (Bericht).

Die Heat schafften es tatsächlich, die sowieso schon recht miese Vorstellung der Pacers noch zu unterbieten. "Eigentlich hätte es in der Serie 2:0 stehen müssen", erklärte selbst Indianas Paul George.

Startschuss oder baldiges Aus?

Stattdessen mussten die Heat den Ausgleich hinnehmen und stehen vor den beiden kommenden Auswärtspartien gehörig unter Druck.

Miami-Coach Erik Spoelstra erklärte zwar, die Serie gehe jetzt erst richtig los - allerdings könnte die 75:78-Niederlage auch das vorzeitige Ende eingeläutet haben.

Während die Pacers mit Schwung und neuem Selbstvertrauen in Spiel drei gehen (Fr., ab 1 Uhr LIVESCORES), muss Miami die erste Conference-Heimpleite der "Miami Thrice"-Ära aufarbeiten und einen adäquaten Ersatz für das verletzte Mitglied Chris Bosh finden.

Fehlende Qualität durch Bosh-Ausfall

"Chris hat uns zweifellos gefehlt", sagte Dwyane Wade über den Foward, der im Saisonschnitt auf 18 Punkte und acht Rebounds kam, wegen einer Bauchmuskelzerrung aber noch auf unbestimmte Zeit ausfällt.

Damit fehlt den Heat ein gutes Drittel seiner Qualität. James und Wade erzielten zusammen 52 Punkte, von den Nicht-All-Stars des Teams kam in Spiel zwei jedoch genauso wenig wie in Spiel eins.

25 von 34 Würfen setzten Udonis Haslem, Mario Chalmers und Co. daneben, in der Auftaktpartie waren es 15 von 22 Fehlversuchen (VIDEO: Die Playoff-Highlights aus der Nacht).

Dass der drittbeste Scorer nur fünf Punkte erzielte, war sogar ein Novum in der Klubgeschichte.

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Das hässliche Crunch-Time-Gesicht

Zwar trafen auch die Pacers mit 38 Prozent insgesamt nur drei Prozent mehr Würfe aus dem Feld.

In der Crunch-Time zeigten die Heat aber wieder ihr zahnloses Gesicht. Jenes, das sie im vergangenen Jahr im Finale gegen die Dallas Mavericks den Titel kostete (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse).

Nur drei Punkte erzielte Miami in den letzten vier Minuten. 16 Sekunden vor Schluss vergab Wade einen wichtigen Korbleger, ebenfalls in der letzten Minute flatterten "King" James von der Freiwurflinie die Nerven.

Schwache Freiwurfquote

"Ich werfe genau wie im Training. Man hofft immer, die Würfe gehen rein, aber die letzten beiden gingen daneben. Die nächste Chance kommt bestimmt", spielte James die vergebene Chance herunter, die die Heat mit 77:76 in Führung gebracht hätte ( 558924 DIASHOW: Die Bilder der zweiten Playoff-Runde ).

Seine Ausbeute von der Freiwurflinie ist in dieser Saison ohnehin wenig überzeugend wenn es darauf ankommt: Hat der 27-Jährige in der Schlussminute die Chance zur Führung, trifft er nur zu 58 Prozent.

Die Folge gegen die Pacers: In den letzten beiden Spielzügen lief die Partie am Superstar vorbei, stattdessen vergaben erst Wade und anschließend Chalmers ihre Versuche.

Indiana zelebriert den Auswärtsieg

Indiana behielt am Ende verdient die Oberhand und zelebrierte den Auswärtssieg bereits wie eine Vorentscheidung.

David West, mit 16 Punkten und zehn Rebounds bester Akteur der Pacers, war das dann doch etwas zu früh. Der Forward schickte seine feiernden Teamkameraden mit harschen Worten zurück in die Kabine.

"Wir dürfen uns nicht zu früh freuen, nur weil wir ein Spiel gewonnen haben", sagte er gegenüber den Reportern: "Das ist nicht unser Ziel in dieser Serie."

George gibt sich selbstbewusst

Die Kampfeslust ist auch bei Paul George geweckt:

"Weil sie All-Stars sind, hatte ich zuviel Respekt vor ihnen (James und Wade, Anm. d. Red.). Ich muss sie immer wieder herausforden. Wir waren nicht überrascht darüber, gewonnen zu haben", so der 22-Jährige.

Prahlen wolle er mit dem Sieg keinesfalls, das Team sei nun lediglich überzeugt davon, das es etwas schaffen könne, was ihm die Medien im Vorfeld nicht zugetraut hätten.

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