Metta World Peace (M.) war 2004 der beste Abwehrspieler der NBA © getty

Im siebten Playoff-Duell gegen Denver soll der Rückkehrer als Kettenhund zum Heilsbringer werden. Bryant reizt die Kollegen.

Von Eric Böhm

München - Hollywood zittert und ergreift verzweifelt jeden Strohhalm: Jetzt soll Metta World Peace zum Erlöser werden.

Im entscheidenden siebten Spiel gegen die Denver Nuggets (ab 4.30 Uhr LIVESCORES) setzen die Los Angeles Lakers ihre Hoffnungen in die Rückkehr des Enfant terribles.

Nach seinem Ellbogenschlag gegen Oklahoma Citys James Harden musste der Small Forward sieben Partien aussetzen und wurde in der ersten Playoff-Runde der NBA schmerzlich vermisst. (VIDEO: Die Playoff-Highlights aus der Nacht)

"Er ist der eine Spieler, bei dem ich immer darauf verlassen kann, dass er furchtlos und mit Feuer zur Sache geht", sagt Kobe Bryant.

Gasol versteht Wink

Das ist eine mehr als deutliche Botschaft an den Rest des Kaders. Genau diese Leidenschaft hatte nach der letzten Pleite in Denver (Bericht) auch Coach Mike Brown vermisst.

Einzig der von Magenproblemen geplagte Bryant habe die richtige Einstellung an den Tag gelegt. Besonders Andrew Bynum und Pau Gasol durften sich angesprochen fühlen. ( 551144 DIASHOW: Die Bilder der ersten Playoff-Runde )

"Alles was bisher war, muss jetzt abgehakt sein. Wir müssen es mehr wollen als sie. Wir brauchen Energie und Aggressivität", antwortet Gasol.

"Alle Wetten ungültig"

Der Spanier hat den dezenten Hinweis offenbar verstanden. Denn Aggressivität ist wohl die hervorstechendste Eigenschaft des Rückkehrers World Peace.

Zwar hat der Small Forward 2011/2012 seine statistisch schwächste NBA-Saison überhaupt gespielt, aber seine Präsenz soll den Lakers den entscheidenden Kick geben.

"Jetzt sind alle Wetten ungültig. Wir müssen alles in die Waagschale werfen. Es geht nicht darum, was ich dem Team bringen kann, sondern was ich bringen werde", verspricht Ron Artest, der sich im September 2011 in Metta World Peace umbenannte.

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Stoppt er Galinari?

Vor seiner Sperre war der 32-Jährige tatsächlich sehr gut in Form. Im April lag er mit durchschnittlich 14,1 Punkten pro Partie deutlich über seinem miserablen Saisonschnitt (7,7).

Sein Spezialauftrag wird aber in erster Linie sein, Denvers gefährlichen Italiener Danilo Galinari zu bremsen.

Der Forward (15,7 Zähler pro Spiel) ist nicht nur zweitbester Nuggets-Scorer, sondern auch ein Schlüsselspieler in Coach George Karls Hochgeschwindigkeits-System. In Spiel sechs sammelte er beispielsweise sieben Assists.

"Wir wissen alle, wo seine Stärken liegen. Wir hoffen, Ron kann uns in allen Phasen des Spiels puschen", meint Brown.

Kann er sich zusammenreißen?

Mindestens ebenso stark hofft der Lakers-Trainer wohl auch, dass sich World Peace seinen Namen zu Herzen nimmt. (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse)

Denn Genie und Wahnsinn liegen bei World Peace traditionell sehr eng zusammen. Anders ist seine Aussage zum Schlag gegen Harden nicht zu werten.

"Harden rennt immer mit dem Kinn in andere Spieler. Das ist nicht das erste Mal. Ich habe eine Berührung gespürt, aber nicht gemerkt, dass es sein Kopf war", erklärte World Peace.

Denver auf Nashs Spuren

In jedem Fall bringt er die nötige Erfahrung in Entscheidungsspielen mit. Das siebte Finale gegen die Boston Celtics 2010 ist unvergessen. Bryant, Gasol und Bynum waren auch schon dabei.

Playoff-Topscorer Bryant (31,2 Punkte pro Partie) gewann vier von fünf Serien-Showdowns. Nur 2006 gegen die Phoenix Suns um den damaligen MVP Steve Nash reichte es nicht - damals holten die Suns im Übrigen einen 1:3-Rückstand in der Serie auf.

Party für Karl?

Das könnten nun als neuntes Team der NBA-Historie nun auch die Nuggets schaffen. Neben ihrem blitzschnellen Point Guard Ty Lawson liegt das vor allem an den überraschend starken Youngstern unter den Körben.

Kenneth Faried und JaVale McGee sind immer für ein Double-Double gut. Außerdem laufen sie durch ihre athletischen Fähigkeiten die zahlreichen Schnellangriffe an vorderster Front mit.

"Es ist immer schwer, so ein Spiel auswärts zu gewinnen. Wenn wir mit der Mentalität aus Spiel sechs antreten, ist für uns alles drin", beweist Faried das gewachsene Selbstvertrauen des Außenseiters.

Nebenbei hat Coach Karl auch noch seinen 62. Geburtstag und fiebert dem Duell entgegen: "Ich arbeite seit 25 Jahren in der NBA. So nervös war ich schon lange nicht mehr."

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