Andre Iguodala wurde 2012 erstmals für das All-Star Game nominiert © getty

Iguodala bringt die 76ers erstmals seit der Iverson-Ära in Runde 2. Jetzt warten die Celtics. Der "Bulle vom Bosporus" versagt.

Von Eric Böhm

München - Die Chicago Bulls haben sich überraschend schon in der ersten Runde der NBA-Playoffs verabschiedet. (VIDEO: Die Playoff-Highlights aus der Nacht)

Die topgesetzte Mannschaft der Eastern Conference verlor bei den Philadelphia 76ers 78:79 (40:48) und musste sich in der Best-of-Seven-Serie mit 2:4 geschlagen geben.

Der Kreuzbandriss bei MVP Derrick Rose (Bericht) in Spiel eins sowie die Knöchelverletzung Joakim Noahs in Spiel drei (Bericht) waren letztendlich nicht zu kompensieren.

"Wir hingen in den Seilen und haben gekämpft. Trotz allem waren wir bis zur letzten Sekunde dran. Das ist hart. Es wird ein extrem langer Sommer", meinte der frustrierte Carlos Boozer (13 Rebounds).

Iguodala bleibt cool

In der Tat führte seine Truppe in der engen Partie nach einem Dunking von Noah-Vertreter Ömer Asik 25 Sekunden vor Schluss schon 78:75.

Nach Thaddeus Youngs Anschlusstreffer versagten dem türkischen Center von der Freiwurflinie jedoch die Nerven. Er ließ beide Chancen aus. ( 551144 DIASHOW: Die Bilder der ersten Playoff-Runde )

Sixers-All-Star Andre Iguodala (20 Punkte, 7 Assists) machte es besser und führte Philly erstmals nach neun Jahren wieder in die zweite Runde - damals war Allen Iverson noch der Star.

"Das ist ein unglaubliches Gefühl. Ich kann es gar nicht beschreiben", jubelte "Iggy", der noch nie für ein anderes NBA-Team gespielt hat.

Asik gleich doppelt im Pech

Nach Asiks zweitem Fehlversuch hatte sich der Flügelspieler den Rebound geschnappt, war in Richtung Korb der der Bulls gesprintet und hatte zwei Sekunden vor Spielende gegen jenen Asik das Foul gezogen.

Während der regulären Saison hatte er nur 45 Prozent seiner Freiwürfe in Schlussvierteln getroffen, in der Serie gegen Chicago verfehlte der 28-Jährige nur einen von zehn.

"Ich hab es mir neu beigebracht, so wie ein Vater es seinem Sohn zeigen würde", erklärte Iguodala seine Steigerung in den Playoffs.

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Collins emotional

Unmittelbar nach der Schlusssirene sprang er auf den Tisch des offiziellen Scorers und sang mit den ekstatischen Fans die Teamhymne.

"Ich bin für immer ein Sixer. Ich kann nicht fassen, dass wir dieses Spiel durch einen Rebound gewonnen haben", war auch Coach Doug Collins den Tränen nahe.

Die starke Verteidigung und ihr immenser Kampfgeist machten auch in Spiel sechs den Nachteil an den Brettern (33:56) wett.

Gegner der 76ers sind im Halbfinale der Eastern Conference die Boston Celtics. Spiel eins steigt in der Nacht auf Sonntag (ab 2 Uhr LIVESCORES) in Boston. (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse)

Bulls in Nowitzkis Spuren

So stark gebeutelt - Luol Deng und Boozer spielten angeschlagen - kam Chicago in den letzten vier Partien der Serie nicht mehr über 82 Punkte.

In der NBA-Geschichte sind die Bulls erst die fünfte Nummer eins, die sich in der ersten K.o.-Runde verabschiedet. 2011 passierte dieses Missgeschick San Antonio. 2007 erwischte es Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks.

Da half auch der starke Auftritt von Flügelspieler Deng (19 Zähler, 17 Rebounds) nicht. Rip Hamilton gelangen ebenfalls 19 Zähler.

"Ich habe wirklich geglaubt, wir hätten genug, um Weiterzukommen. Hoffentlich nehmen die Jungs dieses Aus als Lektion mit", bilanzierte Bulls-Cheftrainer Tom Thibodeau.

SPORT1 fasst das weitere Playoff-Geschehen aus der NBA zusammen:

Boston Celtics - Atlanta Hawks 83:80

Die Boston Celtics bezwangen die Atlanta Hawks 83:80 (47:41) und entschieden die Playoff-Serie mit 4:2 für sich.

Veteran Kevin Garnett lieferte ein fantastisches Spiel ab. Der Forward sammelte 28 Punkte (Saisonbestleistung), 14 Rebounds, fünf Blocks sowie drei Steals. (SERVICE: Die Tagesbesten der Playoffs)

Hakws-Mitbesitzer Michael Gearon Jr. hatte ihn vor der Partie als "schmutzigsten Spieler der Liga" angeprangert. Darauf gab "KG" eine beeindruckende Antwort.

"Dank ihres Eigentümers hatte ich heute etwas mehr Benzin im Tank. Ich würde ihm raten, nur über Sachen zu sprechen, von denen er etwas versteht - zum Beispiel sein Scheckbuch", sagte der fast 36-Jährige.

Horford vergibt Ausgleich

Garnett brachte die Celtics 30 Sekunden vor Schluss auch 80:79 in Führung, kurz darauf hatte Atlantas Center Al Horford (15 Zähler, 9 Rebounds) die Chance zum Ausgleich, verfehlte aber einen seiner Freiwürfe.

Bostons Kapitän Paul Pierce (18 Punkte) stellte danach trotz einer schmerzhaften Reizung im linken Knie den Endstand her. Rajon Rondo verbuchte 14 Zähler und acht Assists.

Atlanta verpasste damit zum ersten Mal seit vier Jahren die zweite Runde. "Wir wussten, es würde hier schwer werden. Boston weiß, wie man gewinnt", fasste Marvin Williams (16 Punkte, 8 Rebounds) zusammen.

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