Dirk Nowitzki bekam in der Spielzeit 2006/07 als erster Europäer den MVP-Award verliehen © getty

Wenn seine Dallas Mavericks "einen dicken Fisch an Land ziehen" hat Dirkules keine Probleme, die Verantwortung abzugeben.

Von Florian Pertsch

München - Dirk Nowitzki wirkte ausgelaugt und sehr, sehr müde.

Die Pressekonferenz nach dem 0:4 bereitete ihm Mühe. Langsam machte sich das leere Gefühl der Niederlage breit, die Knochen meldeten sich mit aller Vehemenz eines Profisportlers in den Mittdreißigern zu Wort.

Die gestraffte NBA-Saison und die teilweise härtere Gangart der Gegner gegen den ehemals amtierenden Champion hatten ihre Spuren hinterlassen (NACHBERICHT: Nowitzki kanzelt Mavs ab).

Zu diesem Zeitpunkt verschwendete Nowitzki noch keinen Gedanken an den Sommer und die drohenden Stunden in Rattelsdorf mit Holger Geschwindner, doch sie werden kommen.

"Das war übel"

Sie kommen immer, sie sind das Geheimnis von "Dirkules", sie halten ihn geschmeidig und lassen ihn überhaupt erst zu dem Spieler werden, als den ihn die ganze Welt kennt.

Und als ob er das immer im Hinterkopf hat, schweifen seine Gedanken ein paar Tage nach dem Aus gegen Oklahoma City doch wieder in Richtung Sommer ab.

"Ich hatte zum ersten Mal in meiner Karriere Probleme mit der Fitness. Ich werde versuchen, starke Beine zu behalten. Ich möchte so etwas nicht nochmal durchmachen, das war übel", zieht er ein nüchternes Fazit nach der Saison.

Lob vom Cheftrainer

Eine klare Ansage also an Mentor Geschwindner, der wahrscheinlich schon an einem neuen Fitnessprogramm für seinen Schützling arbeitet.

Sein Trainer Rick Carlisle sah die Situation nicht ganz so dramatisch. "Es ist großartig, dass er wieder die Form der vergangenen Playoffs erreicht hat, obwohl er körperlich zu kämpfen hatte", lobte der Cheftrainer seinen Schlüsselspieler.

[image id="789aaa41-6453-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Apropos Schlüssel - Nowitzki erklärte ganz offen, dass er kein Problem damit hat, selbigen "weiterzugeben", sprich die Rolle als Co-Star zu akzeptieren, falls es der Sache dienlich ist.

"Sollten wir einen dicken Fisch an Land ziehen, habe ich keine Probleme, die Verantwortung abzugeben. Ich denke, ich kann noch ein paar Jahre auf dem höchsten Niveau spielen und wichtig für ein gutes Team sein", erklärte Nowitzki.

Ring-Jagd soll weitergehen

Die Jagd nach dem Ring soll also weitergehen, jetzt hängt es davon ab, wie gut das Team verstärkt werden kann ( 551144 DIASHOW: Die Bilder der ersten Playoff-Runde ).

Die Aufgabe von Donnie Nelson, der, bevor er in die Zukunft blickt, den leicht vergesslichen Fans ins Gedächtnis ruft, wie die Vergangenheit der Mavericks ausgesehen hat.

"Wichtig ist, einen ordentlich aufgestellten Klub zu haben. Und damit meine ich kurz, mittel und langfristig. Ich möchte nicht in die Lage wie in den 1990er Jahren kommen, das gilt es um jeden Preis zu vermeiden", blickte Nelson in die düstere Zeit der Mavericks zurück, als die Texaner die Playoffs nur vom Hörensagen kannten.

Fluch des Goldes

Dass es ganz schnell wieder nach unten gehen kann, zeigte die Vergangenheit allzu oft. Die New Jersey Nets oder auch die Miami Heat können ein Lied davon singen. Doch Schluss mit den grauen Neunzigern, auch das Meisterteam des Jahres 2011 musste den jähen Absturz erleben und damit sind nicht nur die Mavs des aktuellen Kaders gemeint.

Der Fluch des Goldes hat auch bei allen anderen Ringträgern zugeschlagen. Tyson Chandler steht mit New York vor dem Playoff-Aus, J. J. Barea und DeShawn Stevenson erreichten die Postseason mit den Timberwolves bzw. Nets erst gar nicht.

Nur Caron Butler mit den Clippers hat die Möglichkeit in Runde zwei der Playoffs vorzudringen, doch bei ihm wird es immer heißen, er war aufgrund seiner Verletzung kein wirklicher Teil des Meisterteams (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse).

So bleibt dem NBA-Champion von 2011 in der Saison 2011/12 also nichts als müde Knochen und die Gewissheit, dass es ein sehr heißer Sommer wird - auf und neben dem Platz.

Weiterlesen