Dirk Nowitzki (l.) stand in 14 Jahren mit den Mavericks zwölfmal in den Playoffs © getty

Nach dem Playoff-Aus fordert Nowitzki den dicken Fisch und einen Center. Für D-Will gibt es Alternativen. Carlisle soll bleiben.

Von Eric Böhm

München - Der Ärger über das peinliche 0:4-Aus in den NBA-Playoffs ist kaum verraucht, da dreht sich bei den Dallas Mavericks alles um die Zukunft.

Der entthronte Meister erweckte nach der vierten Pleite gegen die Oklahoma City Thunder (Bericht) fast den Eindruck, erleichtert zu sein, dass diese ohnehin extrem lästige Saison endlich beendet ist.

Auch Dirk Nowitzki wandte sich nach seiner Generalkritik schon dem kommenden Sommer zu und forderte dringend benötigte Verstärkungen. ( 551144 DIASHOW: Die Bilder der ersten Playoff-Runde )

"Aufgrund der Entscheidungen vor der Saison haben wir viel Spielraum unter der Gehaltsobergrenze, um vernünftige Spieler zu holen. Das ist das Ziel, oder? Ein großer Fisch ist das Ziel, aber ein athletischer Center wäre der Schlüssel", sagt "Dirkules".

Cuban wehrt sich gegen Kritik

Damit erhöht Nowitzki auch den Druck auf Eigentümer Mark Cuban, den zweiten Teil seines Plans umzusetzen.

Schließlich kritisierten der Kapitän oder auch Jason Terry zuletzt offen die Entscheidung, den Meisterkader auseinanderzureißen - Terry meinte sogar, eine Titelverteidigung wäre so von vornherein unmöglich gewesen. (NACHBERICHT: Nowitzki kanzelt Mavs ab)

"Es war eine bewusste Entscheidung. Mit dem neuen Tarifvertrag war nicht mehr möglich. Bei Tyson Chandler habe ich keine Millisekunde überlegt. Es ging nicht anders", reagiert Cuban auf die Kritik.

"So sind wir die Deppen"

Chandler war nicht nur für Nowitzki der essentielle Baustein zum Titelgewinn. Erst einmal in Fahrt, legt Cuban richtig nach.

"Mit den Vorgaben haben wir ein verdammt gutes Team zusammengestellt. Etwas mehr Glück in der richtigen Situation hätte alles verändert. Dann würden wir jetzt darüber reden, wie clever wir sind. So sind wir die Deppen."

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Nowitzki: Williams würde passen

Die Serie gegen die Thunder hätte anders laufen können. Der siebte Platz im Westen, das Odom-Fiasko oder das Fehlen eines guten Centers haben aber nichts mit Glück zu tun. (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse)

Da sich Dwight Howard für ein weiteres Jahr in Orlando entschieden hat - einen Trade können die Mavericks nicht stemmen - ist Deron Williams der klare Wunschkandidat.

"Wir hätten ihn sehr gern. Das gilt aber auch für andere Teams. Ich kenne ihn von den All-Star Games. Er ist ein guter Typ und kommt aus Dallas. Er würde zu uns passen", wirbt Nowitzki für den Point Guard, der die nun Brooklyn Nets im Sommer verlassen kann.

Nebenmann erwünscht

Ein veritabler Superstar im Aufbau wäre ein erster Schritt. Nicht zuletzt die Playoffs haben jedoch gezeigt, dass ein Center von Format ebenso nötig wäre.

"Ich bin nicht der beweglichste Verteidiger. Von 34 bis 36 wird das auch nicht mehr besser werden. Ein flexibler Nebenmann wäre extrem wichtig", betont Nowitzki.

Ihm gegenüber stehen Cuban und Teampräsident Donnie Nelson in der Bringschuld, schließlich unterschrieb der Finals-MVP von 2011 vor knapp zwei Jahren einen für Dallas sehr günstigen Vierjahresvertrag, um Spielraum für weitere Stars zu schaffen.

Kaman und Nash auf dem Markt

Auf dem Free-Agent-Markt wimmelt es aber nicht gerade von geeigneten Kandidaten. Neben Power Forwards wie Kris Humphries oder Ersan Ilyasova sind Marcus Camby und der deutsche Nationalspieler Chris Kaman die besten Optionen unter dem Korb.

Wohingegen durchaus attraktive B-Lösungen für Williams existieren. Denn die Unterschrift des 27-Jährigen ist beileibe keine Formsache. Goran Dragic, China-Rückkehrer Aaron Brooks, Kyle Lowry oder auch Nowitzki-Kumpel Steve Nash sind zu haben.

Viele werden gehen

Kaderplätze wird es genug geben. Einige Akteure sind Free Agents - Terry, Jason Kidd, Delonte West - andere bettelten mit schwachen Leistungen um den Abschied.

Vince Carters Tage in Dallas könnten gezählt sein. Lamar Odom soll um den NBA-Draft herum für ein kleines Trostpflaster verscherbelt werden.

Die Amnestie-Klausel muss für den 28-Millionen-Vertrag des enttäuschenden Centers Brendan Haywood verwendet werden.

Nelson will Terry halten

Darüber hinaus stehen möglicherweise die Backups Ian Mahinmi, Brandan Wright, Roddy Beaubois, Dominique Jones und der Top-Draftpick - Mitte der ersten Runde - auf der Trade-Liste.

Shawn Marion ist einerseits ein zu wertvoller Verteidiger, andererseits dürfte sein üppiger Vertrag Interessenten abschrecken.

Nelson betont zwar, dass er Terry "liebend gern", aber nicht um jeden Preis halten will. Das sogenannte "Veterans Minimum" wird "Jet" wohl kaum akzeptieren.

"Rick geht nirgendwo hin"

Egal wer kommt, der Coach soll in jedem Fall bleiben. Trotz einiger fragwürdiger Entscheidungen und Temperamentsausbrüche in der K.o.-Runde hat Rick Carlisle nach wie vor ein gutes Standing.

"Rick geht nirgendwo hin. Er mag uns, wir mögen ihn. Ich denke, wir werden uns auf einen neuen Vertrag einigen", erklärt Nelson. Die Mavericks stehen vor einem richtungsweisenden Sommer.

"Erst danach wird sich zeigen, ob die Entscheidungen vor dieser Saison richtig waren", blickt auch Nowitzki gespannt in die ungewisse Zukunft.

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