Dirk Nowitzki schied bereits zum fünften Mal in der ersten Playoff-Runde aus © getty

Der Kapitän zieht nach dem Playoff-Aus gegen die Thunder ein verheerendes Fazit. Kollegen und Cuban bekommen ihr Fett weg.

Von Eric Böhm

München - Alle Lippenbekenntnisse und Durchhalteparolen haben nichts genutzt.

Das Playoff-Debakel der Dallas Mavericks in der ersten Runde gegen die Oklahoma City Thunder erreichte in Spiel vier (Bericht) seinen logischen Höhepunkt. ( 551144 DIASHOW: Die Bilder der ersten Playoff-Runde )

Kein zweiter Scorer neben dem starken Dirk Nowitzki, zu viele Lücken unter dem eigenen Korb und ein Einbruch in der Crunch-Time: Das Aus war ein Spielgelbild der verkorksten Saison.

"Wir brauchen Spieler, die sich selbst Möglichkeiten erarbeiten können. Wenn du ein Spitzenteam sein willst, brauchst du zwei, drei Leute, die ein Spiel an sich reißen können", übte Nowitzki deutliche Kritik an den Mitspielern.

Erinnerung an frühere Pleiten

Bei dem faszinierenden Playoff-Lauf 2011 schwang sich immer einer der Nebendarsteller zum zweiten Scorer neben "Dirkules" auf.

J.J. Barea, Tyson Chandler, Jason Terry oder auch Peja Stojakovic hatten ihre großen Auftritte. Ein Jahr später ist ein Großteil dieser Spieler längst Vergangenheit.

Die aktuellen Mavericks präsentierten sich eher wie eine Neuauflage der alten Playoff-Versager, die regelmäßig Nowitzkis One-Man-Show interessiert beiwohnten und einige Fehlwürfe aus der Distanz einstreuten.

"Oklahoma hatte mehr Waffen"

Die Thunder waren das athletischere, jüngere, talentiertere aber vor allem bessere Team. Serge Ibaka, Derek Fisher, Kendrick Perkins sowie zum Schluss James Harden sprangen den NBA-Superstars Kevin Durant und Russell Westbrook wirkungsvoll zur Seite.

"Oklahoma hatte einfach mehr spielerische Waffen als wir", fällte Nowitzki ein vernichtendes Urteil über den eigenen Kader. (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse)

Das Experiment mit satten, ehemaligen All-Stars wie Lamar Odom und Vince Carter oder billigen Nobodys wie Brandan Wright um den betagten Kern ist grandios gescheitert.

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Cuban als Schuldiger?

Es wird sich im Sommer zeigen müssen, ob die geopferte Gegenwart einer Zukunft mit neuen Topstars - Point Guard Deron Williams ist der erklärte Wunschkandidat - weichen wird.

Die finanziellen Zwänge im Zuge des neuen Tarifvertrages trieben Eigentümer Mark Cuban dazu, sein Meisterteam zu sprengen.

Damit kalkulierte er bewusst eine Verschlechterung ein, die ungeahnte Ausmaße annahm und nach den Eindrücken der ohnehin schwachen Saison nun in dem desaströsen Sweep gipfelte.

Erstmals in seiner Mavericks-Karriere kritisierte sogar Nowitzki seinen Boss: "Wir hätten gern das komplette Team zurückbekommen, um eine echte Chance auf die Titelverteidigung zu haben. Aber Mark hat eine geschäftliche Entscheidung getroffen."

Chemie stimmt nicht mehr

Der 2011 für den Erfolg noch so wichtige Zusammenhalt in der Mannschaft sowie im gesamten Gefüge mit Fans, Coach und Management hat beträchtlichen Schaden genommen.

Aussagen wie jene von Nowitzki oder Terry ("Die Titelverteidigung war von vornherein fast aussichtslos") belegen dies.

Der fehlende Killerinstinkt in unzähligen Schlussphasen - vor einem Jahr noch die große Stärke - ist eine Folge dieser Entwicklung.

Pech und fehlender Kampfgeist

Dallas war zwar trotzdem nur einige fragliche Schiedsrichterentscheidungen oder unglückliche Aktionen - Durants Siegtreffer in Spiel eins, Nowitzkis Fehlwurf am Ende von Spiel zwei - von zwei, vielleicht sogar drei Siegen in der Serie entfernt.

Das letztjährige Team erarbeitete sich diese Quäntchen Glück aber durch unermüdlichen Einsatz - heuer war dieser Kampfgeist und Erfolgshunger abgesehen von Nowitzki nur phasenweise zu sehen.

Carlisle liegt oft daneben

Auch Coach Rick Carlisle verlor im Saisonverlauf sein glückliches Händchen. Viel zu lange hielt er an Odom oder Center Brendan Haywood fest.

Zudem schaffte er es nicht Roddy Beaubois oder Dominique Jones von Talenten zu produktiven Rollenspielern zu entwickeln.

Das Abrücken vom "Flow-Angriff" ohne feste Systeme sowie die Beförderung Terrys in die Startformation vor dem 69. und letzten Saisonspiel waren nicht mehr als blinder Aktionismus.

"Es war einfach nicht unser Jahr", zog Terry nach seinem vielleicht letzten Spiel im Mavs-Trikot ein treffendes Fazit der enttäuschenden Saison.

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