Dirk Nowitzkis Mavericks sind krachend abgestürzt. Die Umkehrung der Transferpolitik hat Schaden angerichtet - ist er reparabel?

Eine turbulente Saison ist für Dirk Nowitzki in den Playoffs jäh zu Ende gegangen.

Dass seine an Position sieben gesetzten Dallas Mavericks in der ersten Runde an den Oklahoma City Thunder, der Nummer zwei der Setzliste, scheitern, ist zwar nicht überraschend. Aber die Deutlichkeit des 0:4 (Bericht) und das Versagen in den Heimspielen kommt dennoch einer Blamage gleich. Allerdings: einer Blamage mit Ansage - und die erfolgte vom Klub-Boss höchst persönlich.

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Schließlich hat Mark Cuban nach dem ersten Meistercoup der Mavs-Geschichte im Vorjahr längst nicht alles dafür getan, die Titelhelden beisammen zu halten.

Center und Defensiv-Anker Tyson Chandler, just bei den New York Knicks zum besten Verteidiger der Liga aufgestiegen, und Energizer J.J. Barea verließen Dallas und taten ihren Unmut darüber kund, wie wenig sich Cuban für ihren Verbleib aus dem Fenster gelehnt hatte.

Der Team-Besitzer hatte seine Transferpolitik im Gefühl des Sieges auf den Kopf gestellt: Von "The time is now" hin zu: "Wir greifen erst nach der Saison an - auf dem Free-Agent-Markt."

Kurzfristig bekam Dallas statt hungriger Profis nur leidlich motivierte Wandervögel wie Vince Carter und den längst beurlaubten Megaflop Lamar Odom.

Cuban hat damit den Teamgeist auf eine übergroße Probe gestellt und den Gedanken gesät, es handele sich um eine Übergangssaison. Er hat den Mavs das Meisterherz herausgerissen.

Jeder der Verbliebenen hatte ohnehin damit zu kämpfen, dass sich durch den ersten Titel eine gewisse Sättigung einstellt und die komprimierte Saison die alternden Knochen an die Grenze der Belastbarkeit treibt.

Jetzt ist der Schaden groß, der Ruf der noch vor elf Monaten für ihren Zusammenhalt gefeierten und beim Gegner gefürchteten Mavs ramponiert. Und Nowitzki beschwert sich in für ihn seltener Deutlichkeit, dass seine Nebenleute nicht den nötigen Beitrag leisten.

Die große Frage, die Klub-Boss Cuban umtreiben dürfte: Ist dieser Schaden reparabel?

Zweifel sind angebracht: Selbst wenn der Königstransfer gelingt und 2012/13 der junge All-Star Deron Williams das Spiel lenkt, müssen die betagten Säulen Nowitzki (dann 34 Jahre alt), Jason Terry (35) und Shawn Marion (34) erst wieder zueinander finden. Von der Verpflichtung eines titeltauglichen Centers ganz zu schweigen.

Nach Dallas' vorletztem Erstrunden-Aus 2008 hatte Nowitzki von einem "verschwendeten Jahr" gesprochen. Das dürfte für die zurückliegenden Monate noch mehr gelten.

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