Russell Westbrook (M.) gewann mit den USA 2010 den Weltmeistertitel in der Türkei © getty

Der Meister vergeigt gegen Oklahoma eine große Führung und scheidet trotz Nowitzkis Glanzleistung aus. Harden dreht das Spiel.

Von Eric Böhm

München/Dallas - Die Dallas Mavericks haben sich sang-und klanglos schon in der ersten Runde aus den NBA-Playoffs verabschiedet.

Der Titelverteidiger um Dirk Nowitzki unterlag den Oklahoma City Thunder auch im vierten Spiel der Best-of-Seven-Serie 97:103 (47:47) und kassierte den befürchteten 0:4-"Sweep".

Der deutsche Superstar zeigte zum Abschluss mit 34 Punkten eine starke Leistung, konnte den Einbruch im Schlussviertel aber auch nicht verhindern. ( 551144 DIASHOW: Die Bilder der ersten Playoff-Runde )

"Das war eine Saison mit Aufs und Abs. Wir waren einfach nicht konstant genug, um ein Spitzenteam zu sein", zog Nowitzki eine treffende Bilanz.

Wieder kein Killerinstinkt

Diese Erkenntnis unterstrich der entthronte Meister auch in seinem letzten Playoff-Auftritt 2012.

Wie schon in den beiden engen Partien in Oklahoma ließ das Team seine Klasse hin und wieder aufblitzen, verspielte in der Endphase aber erneut einen Vorsprung. (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse)

Nach einem Dreier des ansonsten indisponierten Jason Terry (11 Zähler, 4 von 12 aus dem Feld) führte Dallas knapp zehn Minuten vor Schluss schließlich schon 86:73.

Harden im "Angriffs-Modus"

Dann drehte jedoch Oklahomas Sixth Man James Harden auf. Er antwortete mit sieben Punkten in Folge und sorgte nach einem Dreier durch NBA-Topscorer Kevin Durant (24 Punkte, 11 Rebounds) per Dunking für das 85:86 aus Sicht der Gäste.

Der Guard erzielte 15 seiner insgesamt 29 Zähler in den letzten zwölf Minuten und wendete das Blatt. "Ich habe einfach in den Angriffs-Modus geschaltet", sagte Harden.

Der 22-Jährige ist innerhalb der vergangenen 15 Jahre erst der vierte Bankspieler, der in den Playoffs ein Spiel mit mindestens 25 Punkten, fünf Rebounds und fünf Assists abliefert.

Zuletzt gelang dieses Kunststück San Antonios Manu Ginobili 2007. "James hat ein unglaubliches Spiel gespielt", schwärmte Thunder-Coach Scott Brooks.

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Nowitzki wird alleingelassen

Allerdings trugen die Mavericks einen nicht unerheblichen Anteil am Comeback der Thunder. Sie trafen in den letzten knapp sechs Minuten nicht mehr aus dem Feld.

Nowitzki verfehlte fünf seiner finalen sechs Würfe und leistete sich einen Ballverlust gegen den diesmal schwachen Russell Westbrook (12 Punkte, 3 von 12 aus dem Feld), den Serge Ibaka zur 92:91-Gästeführung nutzte.

Auf "Dirkules" lastete aber auch - wie schon über die ganze Saison - die gesamte Last des Angriffs. Erneut übernahm kaum einer der erfahrenen Teamkollegen Verantwortung.

"Wenn du ein Spitzenteam sein willst, musst zwei oder drei Spieler haben, die eine Partie herumreißen können. Ich denke, Oklahoma hatte einfach mehr spielerische Waffen als wir", bestätigte Nowitzki diesen Eindruck.

Carlisle rat- und konzeptlos

Der Finals-MVP von 2011 verkürzte 33 Sekunden vor dem Ende von der Freiwurflinie noch einmal auf 97:100, aber Harden machte den Sack zu. Terry verfehlte den letzten Wurf.

"Harden stand unter Dampf und hat uns auf jede mögliche Art eingeschenkt. Wir haben es mit fünf oder sechs Abwehrvarianten versucht, aber er war einfach zu gut", musste der ratlose Mavs-Coach Rick Carlisle eingestehen.

Seine Mannschaft verlor den vierten Abschnitt 16:35 und ist erst der dritte Meister, der im Jahr darauf in der ersten Playoff-Runde einen Sweep kassiert - zuletzt passierte dies Miami 2007 bei einem 0:4 gegen Chicago.

Viel Masse, wenig Klasse

Für den Großteil des Mavericks-Kaders spricht es Bände, dass der 39-Jährige Veteran Jason Kidd (16 Zähler, 7 Rebounds, 8 Assists) der zweitbeste Spieler nach Nowitzki war.

Center Brendan Haywood holte in 25 Minuten Einsatzzeit ganze vier Rebounds und dürfte keine Zukunft in Dallas haben.

Terrys Beförderung in die Startformation zahlte sich nicht aus. Vince Carter und Delonte West (zusammen 11 Punkte) waren keine Faktoren.

Trotz aller Probleme blieb der einstmalige Hoffnungsträger Roddy Beaubois 48 Minuten lang auf der Bank. Dass sein Stern noch aufgeht, erscheint äußerst fraglich.

Thunder sorgen für Novum

Für Nowitzki war es bereits der fünfte Erstrunden-K.o. seiner Karriere. Bis dato hatten die Mavericks allerdings noch nie eine Best-of-Seven-Serie zu Null verloren.

Den Thunder gelang der erste Playoff-Sweep seit dem Umzug aus Seattle. Sie treffen in der zweiten Runde auf den Sieger der Serie zwischen den L.A. Lakers und Denver Nuggets (Stand: 2:1).

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