Kein NBA-Spieler nahm und versenkte 2011/2012 mehr Dreier als Ryan Anderson © getty

Orlandos Ryan Anderson wird zum Most Improved Player gewählt. Nicht nur optisch erinnert er an Kumpel und Rebound-Monster Love.

Von Eric Böhm

München - Da sage noch jemand, bei den Orlando Magic produziert nur Dwight Howard Schlagzeilen.

Auch ohne ihren verletzten Superstar spielt die Mannschaft eine ordentliche Playoff-Serie gegen Indiana. Zudem staubt Ryan Anderson eine Trophäe ab. ( 551144 DIASHOW: Die Bilder der ersten Playoff-Runde )

Der Power Forward wurde etwas überraschend zum "Most Improved Player" (MIP) der NBA 2012 gewählt und tritt die Nachfolge von Kevin Love (Minnesota Timberwolves) an.

"Das ist wirklich surreal. Hätte mir das jemand vor einem Jahr prophezeit, hätte ich ihn für verrückt erklärt", sagte der 23-Jährige.

Viele Gemeinsamkeiten

Mit seinem inzwischen zum veritablen Superstar aufgestiegenen Vorgänger verbindet Anderson dabei nicht nur die Position.

Auch die Statur, der Bartwuchs und seine Spielweise erinnern an K-Love. Beide stammen im Übrigen von der Westküste und spielten am College gegeneinander.

Der hochintelligente Anderson führte 2007/2008 im Trikot der California Golden Bears die Scorerliste der damaligen Pac-10-Conference vor O.J. Mayo (Memphis Grizzlies) und Love an, der für UCLA auf Korbjagd ging.

Big Man und Dreierspezialist

Beide sind mittlerweile recht gut befreundet und trafen beim All-Star Game in Orlando im Dreierwettbewerb aufeinander. ( 523465 DIASHOW: Dreierwettbewerb und Skills Challenge 2012 )

"Ich lasse mir den Bart stehen, um ihm ähnlich zu sehen und ihn zu schockieren", witzelte Anderson im Vorfeld. Es half nicht. Love gewann den Shootout. (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse)

Über die Saison gesehen hat Anderson jedoch die Nase vorn. Mit 166 Dreiern ist er sogar einer von nur zwei Power Fowards, die jemals die NBA in dieser Kategorie anführten.

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Starke Zahlen, Lob von Mitspielern

Rashard Lewis gelang dieses Kunststück 2008/2009 - im Trikot der Magic. Nicht zuletzt Andersons Aufstieg bewegte Orlando im Dezember 2010 dazu, Lewis nach Washington abzugeben.

In der aktuellen Saison steigerte er seinen Punkteschnitt auf von 10,6 auf 16,1 und holte 7,7 Rebounds pro Partie. Außerdem gehörte er zu den fünf besten Offensiv-Reboundern (3,7) der NBA.

"Er spielt in diesem Jahr auf einem unglaublich hohen Niveau. Er ist der Grund dafür, dass wir in den Playoffs sind", adelte ihn Teamkollege Glen Davis.

Love-Kollege wird Dritter

Der Forward setzte sich in der Abstimmung von 121 Sportjournalisten deutlich vor dem Türken Ersan Ilyasova (Milwaukee Bucks) und Center Nikola Pekovic (Minnesota Timberwolves) aus Montenegro durch.

Er ist bereits der fünfte Spieler der Orlando Magic, der die Auszeichnung - sie wird seit 1986 vergeben - erhält.

Milwaukees heutiger Cheftrainer Scott Skiles (1991), Darrell Armstrong (1999), Tracy McGrady (2001) und Teamkollege Hedo Türkoglu (2008) waren Andersons Vorgänger.

Anderson straft Kritiker Lügen

Ähnlich wie Love wurde auch der 2,08 Meter große Big Man kritisch beäugt als er in die NBA kam.

Die New Jersey Nets wählten ihn als 21. Spieler im Draft 2008 aus. Viele Experten bezweifelten seine Möglichkeiten in der Verteidigung gegen athletische Forwards oder Center.

Nach seiner Rookie-Saison wurde er gemeinsam mit Vince Carter (heute Dallas Mavericks) nach Orlando geschickt.

"Ich bin stolz auf ihn. Er hat sich mit harter Arbeit ständig verbessert. Es ist in erster Linie sein Verdienst. Er lässt mich jetzt wie ein Genie dastehen", lobte Manager Otis Smith.

Zahltag winkt

Das Timing für die Auszeichnung könnte nicht besser sein. Anderson ist im Sommer Free Agent. Die Magic können aber bei jedem noch so lukrativen Angebot eines anderen Teams mithalten.

Speziell aufgrund der unsicheren Zukunft um "Superman" werden sie alles daran setzen, den Shooting Star zu halten.

Trotz aller verdienten Aufmerksamkeit für Anderson: Ganz ohne Howard geht es bei den Magic eben doch nicht.

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