Joakim Noah wurde 2011 ins All-Defensive-Team der NBA gewählt © getty

Chicago gerät im Duell mit den 76ers in Rückstand und verliert den nächsten Star. Rondo kehrt mit einem Triple-Double zurück.

Von Eric Böhm

München - Für die Chicago Bulls kommt es in den NBA-Playoffs knüppeldick.

Das beste Team der regulären Saison geriet durch ein 74:79 (39:40) bei den Philadelphia 76ers nicht nur in der Best-of-Seven-Serie mit 1:2 in Rückstand, sondern bangt auch um den nächsten Star. ( 551144 DIASHOW: Die Bilder der ersten Playoff-Runde )

Nach dem Kreuzbandriss bei MVP Derrick Rose kam Center Joakim Noah im dritten Viertel unglücklich auf seinem linken Knöchel auf und musste die Arena auf Krücken verlassen.

"Wir dürfen uns jetzt nicht selbst leidtun. Es muss weitergehen, sonst war all die Arbeit über die Saison hinweg umsonst", forderte Coach Tom Thibodeau. Eine genaue Diagnose bei Noah steht noch aus.

Furioses Comeback der Sixers

Ohne den Franzosen verspielten die Bulls eine 14-Punkte-Führung innerhalb der letzten zehn Minuten und stehen in Spiel vier (So., ab 19 Uhr LIVESCORES) unter großem Druck.

"Wir haben jetzt eine große Möglichkeit aufs Weiterkommen. Du wünschst keinem Gegner eine Verletzung, aber wir müssen das ausnutzen", sagte Philadelphias Spencer Hawes.

Der starke Center (21 Zähler, 9 Rebounds) krönte furiose die Aufholjagd gute zwei Minuten vor dem Ende mit seinem Treffer zum 72:71. (SERVICE: Die Tagesbesten der Playoffs)

Boozer ist sauer

Im Anschluss behielt sein Team von der Freiwurflinie die Nerven. Bulls-Forward Luol Deng vergab 16 Sekunden vor Schluss die letzte Ausgleichschance.

"Das letzte Viertel muss eigentlich unser bestes Viertel sein. Heute war das nicht der Fall. Wir haben unsere Möglichkeiten kläglich vergeben", haderte Chicagos bester Akteur Carlos Boozer (18 Punkte, 10 Rebounds).

Trotz schwacher Dreierquote (1 von 14) bogen die Sixers das Spiel noch um und feierten erstmals seit 2003 wieder zwei Playoff-Siege in Folge.

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Noah-Schock lähmt Bulls

Noahs Verletzung schien den Bulls ihre Konzentration und mentale Stärke zu nehmen. Im dritten Viertel trat der Vize-Europameister Sixer Andre Iguodala auf den Fuß, knickte um und ging zu Boden. (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse)

Im Anschluss versuchte er auf die Zähne zu beißen, aber die Schmerzen waren zu stark. Nach zwei Minuten im Schlussabschnitt musste er endgültig aufgeben. Danach nutzten die Gastgeber die Freiräume unter dem Korb und beendeten die Partie mit einem 26:7-Lauf.

"Wir sind am stärksten, wenn wir Spaß am Spiel haben. Das war am Ende deutlich zu sehen. Ich habe die Entschlossenheit in den Augen meiner Spieler gesehen", lobte 76ers-Trainer Doug Collins.

SPORT1 fasst das weitere Playoff-Geschehen aus der NBA zusammen:

Boston Celtics - Atlanta Hawks 90:84 n.V.

Die Boston Celtics gingen durch ein schwer erkämpftes 90:84 (40:38, 80:80) nach Verlängerung gegen die Atlanta Hawks in der Serie mit 2:1 in Führung.

Rajon Rondo kehrte nach seiner Sperre - er hatte in Spiel eins (Bericht) einen Schiedsrichter geschubst - triumphal zurück.

Ihm gelang das siebte Triple-Double seiner Playoff-Karriere. Der Point Guard sammelte 17 Punkte, 14 Rebounds und zwölf Assists.

"Er blieb in der ersten Hälfte ohne Punkte. Ich habe ihm gesagt, er solle einfach attackieren und ein Scorer sein. Das hat ihn befreit", sagte Bostons Coach Doc Rivers.

Spannende Partie

Routinier Kevin Garnett steuerte 20 Zähler, 13 Rebounds und vier Blocks bei. Sein Dunking brachte den Celtics in der Overtime auch den letztlich entscheidenden 88:84-Vorsprung.

Zuvor hatte Topscorer Joe Johnson (29 Punkte, 8 Rebounds) die Hawks mit fünf Zählern in Folge noch in die Verlängerung gebracht.

In den letzten 80 Sekunden der regulären Spielzeit vergaben beide Mannschaften Siegchancen. In der Verlängerung gab Rondo mit zwei schnellen Treffern dann die Richtung vor.

"Wenn er so gut drauf ist, kannst du nicht viel machen. Entweder du lässt ihn werfen, oder er findet die freien Mitspieler", musste Atlantas Tracy McGrady anerkennen.

Smith muss passen

Der Veteran erzielte mit zwölf Zählern seine beste Playoff-Ausbeute seit 2008 - damals markierte er für Houston 40 Punkte.

Letztendlich konnten die Hawks ihre Probleme unter dem Korb nicht kompensieren. Neben den Centern Al Horford und Zaza Pachulia fiel kurzfristig auch noch Forward Josh Smith (Kniereizung) aus.

"Das hat uns natürlich große Probleme bereitet. Trotzdem hätten wir gewinnen können. Das sagt viel über den Kampfgeist des Teams aus", meinte Cheftrainer Larry Drew.

Allen meldet sich zurück

Beim Rekordmeister entspannte sich dagegen die personelle Situation. Boston konnte sich über die Rückkehr Ray Allens freuen.

Der Scharfschütze hatte seine langwierigen Knöchelprobleme auskuriert und verbuchte bei seinem diesjährigen Playoff-Debüt 13 Punkte.

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