Dirk Nowitzki schied mit den Mavericks bereits viermal in der ersten Playoff-Runde aus © getty

Der Kapitän fordert nach der dritten Pleite gegen Oklahoma eine Reaktion und gesteht einen "Rückschritt" ein. Barkley legt nach.

Von Eric Böhm

München - Der Traum ist geplatzt. Jetzt geht es nur noch darum, das Gesicht zu wahren.

Auch dem kühnsten Optimisten sollte nach der dritten Niederlage gegen Oklahoma City (Bericht) klar sein, dass Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks ihren NBA-Titel nicht verteidigen werden.

Zu saft- und kraftlos präsentierte sich die betagte Truppe den eigenen Fans im ersten Heimspiel der West-Viertelfinals gegen stürmische Thunder. ( 551144 DIASHOW: Die Bilder der ersten Playoff-Runde )

Nowitzki packt sein Team angesichts der ausweglosen Situation nun bei der Ehre: "Wir müssen ein Spiel gewinnen. Wir müssen ein wenig Stolz zeigen und uns besser präsentieren."

"Es war peinlich"

Partie Nummer vier in der Nacht auf Sonntag (ab 1.30 Uhr LIVESCORES) wird also vor allem zu einem Charaktertest, denn gegen das Weiterkommen spricht nicht nur die Statistik, sondern auch der erschreckend schwache Auftritt.

"Wenn du 0:3 hinten liegst, kannst du nicht daran denken, vier Spiele in Folge zu gewinnen. Du musst jede Partie für sich mit der richtigen Einstellung angehen. Dieser Auftritt war peinlich", sagte Nowitzki.

Die Mavericks sind die 100. Mannschaft der NBA-Geschichte, die zum Auftakt einer Serie dreimal am Stück verlor, alle 99 Vorgänger schieden aus.

Wiederkehrende Schwachpunkte

Der optische Eindruck des statischen und ausgelaugten Ensembles ehemaliger All-Stars und Nobodys um Fixpunkt Nowitzki beim 79:95 verbietet aber jegliche Hoffnungen auf ein Comeback.

Vielmehr decken die Thunder trotz zwei ordentlicher Mavs-Auftritte in Oklahoma die Schwächen der Texaner auf, die schon die gesamte Saison bestimmen. (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse)

Im Angriff fehlen konstante Scorer neben Nowitzki und mit Abstrichen Jason Terry. Die Verteidigung ist ohne Tyson Chandler (New York Knicks) unter dem Korb anfällig und der Killerinstinkt in der Crunch-Time ist während des Lockouts völlig abhanden gekommen.

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Vertauschte Rollen

Drehte Dallas in den West-Finals 2011 gegen die Thunder noch diverse Rückstände, sind es heuer die Jungstars um Kevin Durant, die abgezockt den Sack zumachen.

Auch deshalb zieht Nowitzki ein ernüchterndes Zwischenfazit: "Russell Westbrook ist stabiler, Ibaka hat sich verbessert. Wir haben dagegen einen Rückschritt gemacht."

Die indiskutablen 79 Punkte sind die schlechteste Playoff-Ausbeute seit Spiel vier der berüchtigten Finals 2006 gegen Miami.

Barkley meldet sich zu Wort

In der regulären Saison kaschierten die Mavs ihre Defizite (insgesamt 30 Niederlagen) mit dem Hinweis auf die K.o.-Runde - dann gehe die Saison ja erst richtig los.

Die personellen Fehlgriffe - diverse Meisterspieler konnten oder sollten nicht gehalten werden, die Verpflichtung Lamar Odoms - schadeten Quantität, Qualität und Teamchemie des Kaders.

"Sie haben einfach nicht mehr die Mentalität oder die Klasse des letzten Jahres. Das ist ein logisches Ergebnis", bewertete Mavericks-Chefkritiker und TV-Experte Charles Barkley.

Marion spricht von Feuerwerk

Hatte er noch im Februar Nowitzki vorzeitig abgeschrieben - und war eindrucksvoll wiederlegt worden - scheint der Hall-of-Famer mit seiner Einschätzung diesmal richtig zu liegen.

"Wir müssen kämpfen. Wenn wir schon untergehen, dann mit einem Feuerwerk. Das war heute ganz schwach. Wir sind den Fans eine bessere Leistung schuldig", forderte Shawn Marion, der von Durant nach zwei guten Auftritten deklassiert wurde.

Beweist Dallas Moral?

Mehr denn je gilt jetzt das Motto "All In" aus moralischer Sicht.

Ursprünglich sollte so - an die Fans wurden vor Spiel drei blaue T-Shirts mit diesem Schriftzug verteilt - die Aufholjagd eingeläutet werden.

Alles andere als einen vernünftigen Abschied aus den Playoffs 2012 anzustreben, wäre angesichts der gezeigten Leistungen pure Träumerei.

Die teilweise berechtigte Schiedsrichterkritik von Coach Rick Carlisle und die unglücklichen Ausgänge der ersten beide Spiele können darüber nicht hinwegtäuschen.

Terry hat noch Kampfgeist

In der langen NBA-Historie gewannen vier Champions im darauffolgenden Jahr kein Playoff-Spiel.

Zuletzt erwischte es die Miami Heat, die 2006 die Finals gegen Dallas gewonnen hatten und ein Jahr später mit 0:4 gegen Chicago untergingen.

"Können wir uns durchbeißen und es allen Kritikern noch einmal zeigen? Ich glaube, wir können. Wenn ihr mich für verrückt haltet, lasst euch untersuchen", hat zumindest Terry das Selbstverständnis eines Meisters noch nicht verloren.

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