Richard Hamilton (l.) kam gegen die 76ers auf zehn Punkte für Chicago © getty

Ohne Superstar Derrick Rose müssen sich die Bulls Philadelphia geschlagen geben. Pierce führt die Celtics zum Sieg in Atlanta.

Von Jakob Gajdzik

München - Es war ein trauriger Applaus für Derrick Rose.

Der Superstar der Chicago Bulls hatte auf dem Court zwar den ersten Ballkontakt, freuen konnte er sich darüber jedoch nicht.

"D-Rose" brachte vor der zweiten Partie der ersten Playoff-Runde gegen die Philadelphia 76ers den Spielball auf den Court, bevor er dann unter Standing Ovations vom Feld humpelte. ( 551144 DIASHOW: Die Bilder der ersten Playoff-Runde ).

Von außen musste die Nummer 1 der Bulls, die im ersten Spiel gegen Philadelphia einen Kreuzbandriss erlitten hatte, dann mit ansehen, wie die 76ers seine Bulls 109:92 (47:55) schlugen und so die Best-of-Seven Serie-wieder ausglichen.

Bulls brechen ein

Dabei sah es zur Halbzeit noch nach dem zweiten Sieg des 6-fachen NBA-Champions aus.

Nach den ersten beiden Vierteln führten die Bulls mit 55:47, brachen aber im dritten Abschnitt zusammen und gaben ihn mit 14:36 ab.

Die besten Scorer bei den 76ers waren Jrue Holiday mit 26 Punkten und Lou Williams mit 20.

"Wir haben heute Feuer gefangen und es war ziemlich schwer, es auszutreten", sagte Matchwinner Holiday nach der Partie.

Bei den Bulls blieb nach der Pleite nur Kopfschütteln.

"Enttäuschung auf allen Seiten"

"Es herrscht Enttäuschung auf alles Seiten", sagte Bulls-Topscorer Joakim Noah (21 Punkte/8 Rebounds) und gab zu: "Wir haben sowohl in der Defense als auch in der Offense nicht gut gespielt."

Besonders auf der Point-Guard-Position, dem Schaffensgebiet von Rose, kam vom besten Team der Regular Season zu wenig. Sein Ersatzmann C.J. Watson kam auf 12 Punkte, zwei Rebounds und drei Assists. Auch Luol Deng (acht Punkte) und Carlos Boozer (neun) fanden nicht zu ihrer Form.

Die 76ers überzeugten dagegen mit ungemeiner Effektivität. 59 Prozent der Würfe aus dem Feld saßen. Holiday traf elf seiner 15 Versuche und auch Williams, der im ersten Spiel noch einen von sechs traf, konnte bei acht seiner 13 Versuche jubeln.

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12:0-Run als Wendepunkt

Ein 12:0-Run im dritten Viertel brachte die Wende im Spiel.

"Das dritte Viertel heute war das beste meiner Mannschaft, seitdem ich hier bin", lobte Trainer Doug Collins seine Truppe und hatte eine simple Erklärung für den Erfolg: "Wir waren aktiv."

Philadelphias Forward Andre Iguodala, der die Fans mit zwei spektakulären Dunks von den Sitzen riss, konstatierte: "Seit langer Zeit hat unsere Defensive endlich wieder unsere Offensive geordnet."

Bulls hoffen weiter

Den Glauben in Chicago, auch ohne Rose um den Titel mitzuspielen, wollte aber noch keiner aufgeben. Schließlich gelangen auch in der Regular Season in den 27 Spielen ohne Rose 18 Siege.

"Es ist schwieriger ohne Derrick", gab Noah zwar zu, sagte aber auch: "Das ist keine Entschuldigung. Wir wissen, dass wir besser spielen können."

Eine Kampfansage gab es gleich im Anschluss: "Wir leben um zu kämpfen. Es wird noch viel Basketball gespielt."

Unterstützung gab es von Scottie Pippen. Die Bulls-Ikone schrieb nach der Rose-Verletzung in einem offenen Brief: "Ihr seid immer noch das beste Team der NBA, bis ein anderes Team euch das Gegenteil beweist."

SPORT1 fasst das weitere Playoff-Geschehen aus der NBA zusammen:

Atlanta Hawks - Boston Celtics 80:87 (44:41)

Auch die Boston Celtics haben gegen die Atlanta Hawks die Best-Of-Seven-Serie ausgeglichen.

Trotz der Ausfälle des gesperrten Rajon Rondo und des verletzten Ray Allen kam das Team aus Massachusetts zu einem 87:80 (41:44)-Sieg bei den Atlanta Hawks.

Rondo hatte bei der 74:83-Niederlage im ersten Spiel einen Schiedsrichter geschubst und musste somit im zweiten Spiel zuschauen, Allen plagte sich immer noch mit einer Knöchelblessur herum.

Double-Double von "The Truth"

In der Philips Arena in Atlanta holte somit Paul Pierce für die Celtics die Kohlen aus dem Feuer. "The Truth" drehte in der zweiten Hälfte auf und kam auf starke 36 Punkte. Mit 14 Rebounds gelang ihm zudem ein Double-Double.

"Ich habe eine Menge Erfahrung und eine Menge Selbstvertrauen in solchen Situationen", sagte Pierce nach seiner Gala-Vorstellung: "Man selbst glaubt an sich, der Coach und das Team glauben an dich. Da kommt vieles zusammen"

Auch seiner Trainer Doc Rivers sparte nicht mit Lob: "Paul war großartig. Die einzige Möglichkeit, so ein Spiel ohne Rajon und Ray zu gewinnen, ist es, wenn Paul solch einen Tag hat."

Elf-Punkte-Rückstand gedreht

Dabei liefen die Celtics im dritten Abschnitt noch einem Elf-Punkte-Rückstand hinterher, bevor im letzten Viertel Pierce aufdrehte.

13 Punkte gelangen Pierce in diesem Abschnitt, einer mehr als in der kompletten ersten Partie gegen die Hawks.

"Hilfe von oben" holte sich Pierce zudem mit einer Geste der NFL-Stars Tim Tebow. Nachdem er mehrere Würfe nicht im Korb untergebracht hatte, sank er - wie der Quarterback der New York Jets -in der Mitte des Spielfeldes auf ein Knie und senkte seinen Kopf zu einem Gebet.

Es scheint geholfen zu haben. Neben Pierce kam zudem Kevin Garnett auf ein Double-Double aus 15 Punkten und 12 Rebounds.

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