Die Erfahrung von Routinier Jason Kidd (r.) fehlt den Mavs auch gegen Memphis © getty

Der Meister kommt nicht in die Gänge und muss sogar um die Playoffs bangen. Verletzungen und das Fehlen von Kidd wiegen schwer.

Von Eric Böhm

München - Es sollte eine Standortbestimmung in Richtung NBA-Playoffs werden: Zurück blieben extrem ernüchterte Dallas Mavericks.

Die auch in der Höhe verdiente 75:94-Abreibung durch die Los Angeles Clippers (Bericht) hat Dirk Nowitzkis Mannschaft einmal mehr vor Augen geführt, dass ihnen ein Platz in der K.o.-Runde nicht geschenkt wird.

Dabei schien dem eigentlich sehr erfahrenen Titelverteidiger vor allem die ordnende Hand des kurzfristig ausgefallenen Jason Kidd zu fehlen ( 538811 DIASHOW: Die Bilder der 15. NBA-Woche ).

"Kidd ist der Kopf unserer Schlange. Wir vermissen seine Führungsqualitäten. Er trifft im richtigen Moment die richtige Entscheidung", weiß Nowitzki.

Mavs ohne Kidd auf verlorenem Posten

Der 39-Jährige Kidd spielt zwar die statistisch schwächste Saison seiner Karriere, aber der Wert des Aufbauspielers geht über Zahlen hinaus.

In den vergangenen fünf Partien ohne den zehnmaligen All-Star - zuletzt pausierte er Anfang Februar - setzte es vier Niederlagen. Dabei gelangen den Mavs durchschnittlich nicht einmal 87 Punkte.

Das Timing seiner Leistenzerrung könnte nicht schlechter sein. Kidd könnte den Texanern in bis zu sechs der noch ausstehenden zwölf Spiele fehlen.

"Wir müssen drüber hinwegkommen. West und Roddy (Beaubois, Anm. d. Red.) müssen in die Bresche springen", fordert Nowitzki die anderen Guards mit Spielmacherqualitäten.

"Da kannst du nicht einfach zur Tagesordnung übergehen"

Die Zeit drängt, denn die erschreckend schwache Leistung gegen die Clippers - speziell im Angriff - kann nicht einfach als schwacher Tag abgetan werden.

"Ich fälle eigentlich ungern ein Urteil nach einem Spiel, aber wir waren in jedem einzelnen Viertel, in jeder einzelnen statistischen Kategorie unterlegen. Da kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", wetterte Coach Rick Carlisle.

75 Punkte - die drittschlechteste Ausbeute der gesamten Saison - eine miserable Wurfquote (39 Prozent) und einige unnötige Ballverluste in Verbindung mit der schläfrigen Einstellung sind besorgniserregend.

Playoffs noch nicht gesichert

Dallas (30 Siege - 24 Niederlagen) kann die Inkonstanz in dieser Spielzeit nicht abschütteln. Bereits neunmal gab es Serien mit mindestens drei Siegen oder Niederlagen.

Statt in der Western Conference die drittplatzierten Lakers (33:20) zu bedrängen, müssen die Mavs als Sechster inzwischen nach hinten schauen.

Utah (28:26) und Phoenix (26:26) liegen zwar derzeit auf den Rängen neun und zehn außerhalb des Playoff-Feldes, haben den Champion aber im Blick.

Lazarett bringt Dallas in Bredouille

Ein Grund dafür ist die mangelnde Eingespieltheit. Der große Vorteil der vergangenen Saison wurde durch den Kaderumbau und diverse Blessuren des betagten Kaders zur Achillesferse der Mavericks.

Neben Kidd musste gegen sein Ex-Team auch Lamar Odom (Magenprobleme) passen - nicht dass der amtierende beste sechste Mann der NBA davor Bäume ausgerissen hätte.

Insgesamt acht Spieler des Stammkaders fielen 2011/2012 bereits verletzungsbedingt mindestens fünf Spiele aus.

"Es zählen keine Ausreden. Wir müssen jetzt unseren Rhythmus finden und einen starken Endspurt hinlegen", ruft der wiedergenesene Guard Delonte West zur Attacke auf.

Schwierige Duelle warten

Die kommenden drei Spiele sind durch diese Pleite noch wichtiger geworden. Denn zwei Duelle mit Memphis (Heimspiel, ab 2.30 Uhr LIVESCORES) rahmen das Heimspiel gegen Portland ein.

Die Grizzlies (30:22) sind in der Tabelle vorbeigezogen und finden mit Rückkehrer Zach Randolph ihre Form. Vier von fünf Partien wurden gewonnen - darunter Auftritte bei den Lakers und in Oklahoma City.

"Memphis hat gewonnen, Houston auch. Wir sind in einer schwierigen Situation und haben alle Hände voll zu tun", warnte Nowitzki.

Mavs wollen Bulls-Parallele vermeiden

Auch die im Saisonverlauf sehr starke Verteidigung bröckelt derzeit. Zudem finden sechs der letzten acht Spiele in fremden Hallen statt.

Doch wie kann überhaupt der Umschwung gelingen? Jason Terry ist ratlos: "Ich habe keine Ahnung. Ich muss mehr Verantwortung übernehmen und wenn nötig 30 Mal werfen."

In Carlisles Sinn ist dieser Vorschlag wohl nicht. Der Coach ist aber in jedem Fall gefordert, sonst droht dem Meister das vorzeitige Aus.

Das gab es zuletzt 1999, als die Chicago Bulls nach Michael Jordans Rücktritt die Playoffs verpassten. Auch jene Saison war nach einem Lockout verkürzt worden.

Weiterlesen