Luis Scola (M.) gewann mit Argentiniens Auswahl 2004 das olympische Turnier © getty

Chicago verliert gegen Houston und steckt erstmals seit einem Jahr zwei Pleiten in Folge ein. Auch der West-Spitzenreiter patzt.

Von Eric Böhm

München - Die Chicago Bulls schlittern zu einem ungünstigen Zeitpunkt in eine kleine Krise.

Das nach wie vor beste Team der NBA erlitt nach dem Debakel in Oklahoma City (Bericht) beim 93:99 (51:40) gegen die Houston Rockets die zweite Niederlage in Folge ( 538811 DIASHOW: Die Bilder der 15. NBA-Woche ).

Das hatte es für den sechsmaligen Champion seit einem Jahr und 86 Partien nicht mehr gegeben. Damit bleibt der NBA-Rekord der Utah Jazz unangetastet, sie hatten in den späten 90er Jahren 95 Spiele durchgehalten.

"Es liegt gar nicht so sehr an den Gegnern. Wir haben zweimal wegen unserer Fehler verloren. Im Moment spüre ich eine Mischung aus Frust und Müdigkeit", sagte Luol Deng.

Offensiv-Power fehlt

Der Im Sudan geborene Brite markierte 24 Punkte, aber Derrick Rose' andauernder Ausfall macht sich aktuell stärker bemerkbar.

Der MVP laboriert immer noch an hartnäckigen Leistenproblemen. Von 21 Partien ohne den Aufbauspieler wurden zwar 14 gewonnen, doch in den vergangenen elf Auftritten gelangen nur zweimal mehr als 100 Punkte.

"Natürlich fehlt er uns. Trotzdem müssen wir konzentrierter auftreten und im Angriff unser System durchziehen", forderte der starke Carlos Boozer (16 Zähler, 13 Rebounds, sieben Assists).

Dragic trumpft auf

Gegen Houston verspielten die Bulls nach der Pause einen deutlichen Vorsprung. Mitte des dritten Viertels führten die Gastgeber nach Boozers Korbleger noch 61:48.

Unmittelbar danach schlugen die Rockets zurück und schafften innerhalb kürzester Zeit den 62:62-Ausgleich.

Aufbauspieler Goran Dragic führte Houstons furioses Comeback mit 21 Zählern an. Ein 17:2-Lauf, der gegen Ende des dritten Viertels begann, stellte die Partie endgültig auf den Kopf.

"Wir haben aktiver verteidigt. Das hat uns auch offensiv einen Kick gegeben", analysierte Gäste-Trainer Kevin McHale.

Thibodeau verzweifelt

Argentiniens Nationalspieler Luis Scola (18 Punkte, zwölf Rebounds) und Veteran Marcus Camby (12, 11) steuerten Double-Doubles bei.

Houston 29 Siege - 25 Niederlagen) verteidigte so den achten und letzten Playoff-Platz in der Western Conference (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen). Aus 19 Ballverlusten der Bulls machten sie 25 Punkte.

Chicagos Routinier Richard Hamilton - er kehrte nach 14 Spielen Zwangspause zurück - verlor allein fünfmal die Kugel und sammelte nur sechs Pünktchen.

"Ballverluste, Ballverluste, Ballverluste! Es ist immer wieder die gleiche Geschichte", haderte Bulls-Coach Tom Thibodeau.

SPORT1 fasst das weitere Geschehen aus der NBA zusammen:

Oklahoma City Thunder - Memphis Grizzlies 88:94

Die Memphis Grizzlies beendeten dank eines 94:88 (42:44)-Auswärtserfolges die Siegesserie der Oklahoma City Thunder.

Der Spitzenreiter der Western Conference verlor erstmals nach zuletzt sechs Erfolgen am Stück, während die Grizzlies (29:22) Rang fünf eroberten.

Kevin Durant (21 Punkte) und Russell Westbrook (19) waren zwar erneut die besten Werfer, verfehlten jedoch gemeinsam 23 ihrer 36 Würfe.

"Gegen sie sind es immer enge Spiele. Es ist immer schwer, ein NBA-Team viermal in einer Saison zu schlagen. Sie haben gut gespielt", bilanzierte Durant.

Goldener Treffer von Mayo

Bei Memphis ragte Bankspieler O. J. Mayo mit 22 Zählern heraus. Der Shooting Guard versenkte 17 Sekunden vor Schluss der ausgeglichenen Partie auch den wichtigen Dreier zum 90:86.

Eine Chance zum Ausgleich bekamen die Thunder danach nicht mehr. So viel auch der kurzfristige Ausfall von Grizzlies-Spielmacher Mike Conley Jr. (Knöchelprobleme) nicht ins Gewicht.

"Egal wer fehlt, wir müssen unseren Job machen. Wir suchen prinzipiell keine Entschuldigungen. Wir tun, was wir tun müssen", sagte Big Man Marc Gasol (13 Punkte, acht Rebounds).

Utah Jazz - Portland Trail Blazers

Die Utah Jazz (28:26) bezwangen die Portland Trail Blazers 102:97 (54:57) und hielten als Neunter Anschluss an die Playoff-Plätze.

Für die Truppe aus Oregon (25:29) wird die Luft dagegen immer dünner. Utahs Forward Paul Millsap (31 Punkte, elf Rebounds) lieferte ein starkes Double-Double.

"Der Wille hat den Ausschlag gegeben. Nach drei Niederlagen mussten wir uns im Playoff-Rennen zurückmelden", atmete Millsap auf, der 20 Sekunden vor dem Ende per Dunking zum 100:97 traf.

Matthews glänzt mit Effizienz

Da half auch der historische Abend von Blazers-Guard Wesley Matthews nicht. Mit nur zwölf Würfen schaffte der Guard 33 Zähler - das gab es seit 1995 erst sechsmal (SERVICE: Die Tagesbesten der NBA).

"Wir geben nicht auf und denken von Spiel zu Spiel. Wir haken das jetzt ab und konzentrieren uns auf die nächste Aufgabe", meinte Portlands Interimstrainer Kaleb Canales.

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