Nowitzki und Nash (r.) sind seit 1999 und ihrer Zeit in Dallas gute Freunde © getty

Steve Nash ist 38, All-Star, titel- und bald vertraglos. Bei SPORT1 spricht er über Dallas, Dirk Nowitzki und das DFB-Team.

Aus Orlando berichtet Michael Spandern

Orlando - Er könnte bereits in die Ruhmeshalle der NBA aufgenommen sein. Doch er hat einfach nicht aufgehört zu spielen.

Mit 38 Jahren erlebt Steve Nash stattdessen seinen x-ten Frühling, führt die Liga bei den Korbvorlagen an und hat just in Orlando sein achtes All-Star Game gespielt ( 523845 DIASHOW: Das All-Star Game 2012 ).

In nur fünf Minuten Einsatzzeit steuerte er vier Assists zum Sieg des Westens bei (Bericht). Den vertrat er gemeinsam mit Dirk Nowitzki, seinem alten Kumpel aus Dallas, den er während dessen ersten Monaten bei den Mavericks 1999 unter seine Fittiche nahm.

Nash nur geringe Chance auf die Playoffs

Am Donnerstag vor dem All-Star Weekend gingen die Beiden Essen, gut möglich, dass sie dabei auch darüber gesprochen haben, wie es wäre, noch einmal gemeinsame Sache in Dallas zu machen.

Schließlich verteidigt dort der Meister seinen Titel, während der noch titellose Nash mit Phoenix recht aussichtslos auf dem drittletzten Platz im Westen dümpelt.

Ein Trade in den nächsten zwei Wochen wäre die letzte Chance der Suns, noch einen Gegenwert für ihren zweimaligen MVP zu erhalten.

Im SPORT1-Interview hält Steve Nash alles für möglich. Außerdem verrät der Spielmacher, worauf er bei einem Wechsel Wert legt, was er aktuell von den Mavs hält und warum er Jogi Löws Fußballer mag.

SPORT1: Herr Nash, Sie kommen aus dem Eishockey-Land Kanada, haben erst spät mit dem Basketball angefangen und sind weder ein Muskelprotz noch ein Sprungwunder. Dennoch haben Sie einen Platz in den NBA-Annalen sicher. Wann haben Sie angefangen zu glauben, dass Sie es so weit bringen können?

Steve Nash: Ich hätte nie gedacht, mal All-Star zu werden. Ich wollte zwar immer Profi-Sportler werden, aber auch, als ich in der High School war, habe ich noch nicht an die NBA gedacht.

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SPORT1: Hat es geholfen, dass Ihr Vater Profi-Fußballer war und auch Ihre Geschwister den Weg in den Profi-Sport genommen haben?

Nash: Vielleicht hat mir das unterbewusst Selbstvertrauen gegeben.

SPORT1: Nach fast 16 Jahren in der NBA spielen Sie noch immer auf allerhöchstem Niveau. Wie geht das mit 38 Jahren?

Nash: Ich habe mich nie um mein Alter gekümmert, sondern einfach versucht in Form zu bleiben. Solange ich körperlich fit bin, kann ich einfach mein Spiel spielen. Nur muss ich mittlerweile natürlich sorgsam mit meinem Körper umgehen.

SPORT1: Wie lange geben Sie sich noch in der NBA?

Nash: Ich setze mir keine Deadline. Aber realistisch vielleicht noch zwei, drei Jahre.

SPORT1: Dann treten Sie vielleicht als einer der drei besten Assistgeber aller Zeiten, aber ohne einen Titel ab. Wäre das ein großer Makel in Ihrer Karriere?

Nash: Das frage ich mich auch manchmal. Klar, es wäre toll, mal eine Meisterschaft zu gewinnen. Wer Glück hat, holt noch eine zweite. Aber bislang hatte ich halt kein Glück oder war einfach nicht gut genug. Vielleicht bekomme ich noch eine Chance, bevor es vorbei ist. Aber wenn nicht, werde ich dennoch stolz und glücklich auf meine Karriere zurückblicken.

SPORT1: Gerüchten zufolge könnte es sehr bald einen Trade geben, der Sie zum Meister nach Dallas bringt?

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Nash: Darüber mache ich mir keine Gedanken, aber alles ist möglich.

SPORT1: Sie waren doch mit Nowitzki zu Abend essen. Was hat er denn gesagt?

Nash: Oh, wir haben über unser Leben geredet. Es war toll, sich da mal wieder auf den neuesten Stand zu bringen, wir hatten uns davor wirklich lange nicht mehr unterhalten (INTERVIEW: Nowitzki spricht bei SPORT1).

SPORT1: Unabhängig von Ihnen: Können die Mavs noch mal Meister werden?

Nash: Ja, für die Mavs ist alles drin. Sie hatten zwar ihre Höhen und Tiefen, aber die hatten sie letzte Saison auch. Tyson Chandler fehlt ihnen zwar, doch sie haben auch einige gute neue Spieler ( 524036 DIASHOW: Tops und Flops der 1. Saisonhälfte ).

SPORT1: Dallas hat den Titel mit einem 38-jährigen Point Guard geholt?

Nash: Jason Kidd ist ein großartiger Spieler, der es irgendwann in die Ruhmeshalle schaffen wird. Er ist immer noch so wichtig für das Spiel der Mavs, weil er einfach schlau Regie führt.

SPORT1: Beim All-Star Game war er aber genauso wenig dabei wie die 35-Jährigen Tim Duncan und Kevin Garnett. Macht es Sie stolz, so etwas wie der Last Man Standing zu sein?

Nash: Wenn du jung bist, denkst du, das hört nie auf. Aber jetzt, wo Tim und KG fehlten, weiß ich es umso mehr zu schätzen, dass ich noch dabei war.

SPORT1: Nach der Saison endet Ihr Vertrag bei den Suns. Was kommt danach?

Nash: Ich werde mich hinsetzen und schauen, was ich tun kann. Ich werde all meine Optionen abwägen, bevor ich mich entscheide.

SPORT1: Was ist Ihnen wichtiger: Zu einem Team zu wechseln, das Ihnen viel Geld bzw. eine längere Vertragsdauer gibt, oder zu einem Team, das um den Titel kämpft?

Nash: Das spielt alles in meine Entscheidung hinein: Vertrag, Team, Stadt - und ob ich zu den anderen Spielern im Kader passe.

SPORT1: Sie sind ein Kosmopolit. Spielen Sie Ihr allerletztes Jahr vielleicht in Europa?

Nash: Ich habe früher immer gedacht, das ich mal dort spielen werde. Aber nun bin ich 38, wenn es soweit ist vielleicht 40. Ob ich dann noch nach Europa gehe? Eher nicht.

SPORT1: Aber den Fußball in Europa haben Sie im Auge, Ihr Lieblingsklub sind die Tottenham Hotspur. Doch wer gewinnt die Champions League?

Nash: Barcelona.

SPORT1: Und was halten Sie von den deutschen Klubs?

Nash: Ich weiß leider weniger über die Bundesliga als über die Nationalmannschaft. Ich war bei der WM 2006 wirklich beeindruckt, wie die jungen Spieler da aufgetreten sind. Und nun haben sie sich weiterentwickelt, es sind neue junge Spieler dazugekommen, die mitreißend spielen - auf Angriff und auf Konter.

SPORT1: Haben Sie mit Nowitzki, der ja einst großer Fan von Werder Bremen war, auch über Fußball gesprochen?

Nash: Ja, ein wenig. Ich glaube jedoch, er beschäftigt sich in Amerika mehr damit, als er es damals in Deutschland gemacht hat.

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