Niels Giffey gewann 2011 mit den Huskies die College-Meisterschaft © getty

Nationalspieler Niels Giffey eröffnet mit UConn die College-Saison auf dem US-Stützpunkt. Um den Titel spielen aber andere Teams.

München/Ramstein - Eigentlich sind auf dem Militärflugplatz Ramstein die Hangars für schwere Transportmaschinen reserviert, doch am Wochenende ist auf dem US-Stützpunkt alles anders.

Beim "Armed Forces Classic" steigt in Rheinland-Pfalz eine Flugstunde der besonderen Art. Die NCAA richtet den Saisonauftakt der College-Basketball-Saisonin einer Halle aus, in der normalerweise die Flieger der Army für Einsätze fertiggemacht werden.

Mit den UConn Huskies aus Connecticut spielt ein deutsches Trio auf der Air Base gegen die Spartans der Michigan State University, für die einst NBA-Legende Magic johnson auflief.

Die Nachwuchshoffnungen des Deutschen Basketball Bundes (DBB) Niels Giffey, Enosch Wolf und Leon Tolksdorf sind zu Besuch in ihrer Heimat - und eben auch nicht.

Nur 3000 Zuschauer

Fern ihrer Unis müssen sich die Teams in der Air Base Ramstein auf ungewöhnliche Umstände einstellen. Nicht selten besuchen 15.000 Fans die NCAA-Spiele, beim Finale sind es sogar mehr als 50.000.

In Ramstein werden dagegen wohl nur bis zu 3000 Mitglieder der Streitkräfte und zivile Army-Angestellte dabei sein. Dazu kommen natürlich die Bekannten der deutschen Heimkehrer.

"Das Spiel ist eine tolle Möglichkeit, für ein paar Tage nach Hause zu kommen und Familie und Freunde zu sehen", bestätigt Wolf vor dem besonderen Start in die neue Spielzeit auf der DBB-Homepage.

Außergewöhnliche Spielorte

Der Spielort Ramstein ist ungewöhnlich, doch das Ungewöhnliche ist beim College-Verband Programm.

Vor Charleston im Bundesstaat South Carolina treten am gleichen Tag zwei Colleges auf dem Flugzeugträger USS Yorktown gegeneinander an. Es ist bereits der zweite sogenannte "Carrier Classic". Was es bislang allerdings noch nicht gab, ist ein Spiel außerhalb der USA.

Giffey zeigt Mitspielern Deutschland

Giffey, der als einziger aus dem deutschen Trio im vergangenen Sommer zu ersten Einsätzen in der A-Nationalmannschaft gekommen war, will den Kollegen die Heimat etwas näherbringen.

"Ich freue mich ganz besonders, meinem Team ein bisschen zu zeigen, was Deutschland zu bieten hat. Auch wenn Berlin natürlich etwas interessanter wäre", sagte der in der Hauptstadt geborene 21-Jährige.

Die Partie gegen Michigan State ist für Giffey und seine Teamkollegen ein Topspiel, "bei dem wir beweisen können, dass wir dieses Jahr wieder mal unterschätzt werden".

Der erfahrenste Spieler der Mannschaft ist ehrgeizig, 2011 hatten er und Wolf mit UConn den Titel geholt.

Tolksdorf rückt auf

Das große Talent Tolksdorf ist dagegen ein Freshman, also neu dabei, und muss sich wahrscheinlich mit der Rolle des Bankdrückers anfreunden.

"Ich freue mich riesig auf das Spiel. Es wird mein erstes offizielles Collegespiel sein, und dazu auch noch in meiner Heimat", sagte der 18-Jährige: "Wir alle wissen diese Chance sehr zu schätzen und sind dementsprechend heiß auf das Spiel."

Kein "March Madness"

UConn will natürlich mit einem Sieg starten, von der Meisterschaft können Giffey und Co. aber nur träumen. Der frühere Champion darf nach einer Entscheidung des NCAA-Komitees für akademische Leistungen diesmal nicht am Finalturnier "March Madness" teilnehmen.

Titelfavoriten sind andere Teams. Der amtierende Champion aus Kentucky verlor zwar einige Stars wie Anthony Davis an die NBA, präsentiert aber gleich den nächsten Wunderknaben. Big Man Nerlens Noel gilt bereits vor seinem ersten Spiel als designierter Top-Pick des nächsten NBA-Drafts.

Auch die Indiana Hoosiers, Louisville sowie die traditionell starken Kansas und Duke - auch im 33. Jahr trainiert von US-Nationalcoach Mike Krzyzewski - machen sich Hoffnungen

UConns neuer Coach Kevin Ollie muss dagegen mit harten Sanktionen klarkommen. Als Teil der Strafe wurde auch der erlaubte Trainingsumfang der Huskies reduziert. Grund dafür sind die zu schlechten Noten der Basketballer. Ein Grund mehr, das Highlight-Spiel im Hangar zu genießen.

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