Fabian Hambüchen steht jetzt auf einer Stufe mit Eberhard Gienger
Fabian Hambüchen gewann 2007 am Reck den Weltmeistertitel © getty

"Keine brutale Favoritenrolle": Angesichts Uchimuras Übermacht verschwendet der Olympiazweite keinen Gedanken an den WM-Titel.

Antwerpen - "Der Typ ist eben einfach gut" - wenn Fabian Hambüchen über Kohei Uchimura spricht, schwingt meist ein feiner resignativer Unterton in seine Stimme.

Zu dominant war und ist der Olympiasieger aus Japan auch im Sportpaleis von Antwerpen, der Ausnahmeathlet steht am Donnerstag (20 Uhr) vor seinem vierten Weltmeistertitel in Serie im Mehrkampf.

Aber auch ein zweiter Platz hinter dem 24-Jährigen, wie ihn Philipp Boy bei der WM 2010 und 2011 sowie Marcel Nguyen bei Olympia 2012 erturnten, ist für den ehemaligen Reck-Weltmeister Hambüchen Ansporn genug:

"Ich habe da keine brutale Favoritenrolle, aber ich schreibe auch überhaupt nichts ab." Siebter war der Wetzlarer in der Qualifikation, allerdings nicht einmal 1,5 Punkte von Rang zwei entfernt.

Längst der Routinier

Einst über Jahre der jüngste Gerätartist in der absoluten Weltklasse, ist Hambüchen mit nun fast 26 Lenzen längst der Routinier im Kreis der Topathleten, die sich noch der Königsdisziplin Mehrkampf verschrieben haben.

Mit Spezialistentum, von seinem überragenden Talent am Reck abgesehen, hat es der Hesse auch zehn Jahre nach seiner ersten WM-Teilnahme 2003 im kalifornischen Anaheim nicht so sehr.

"Ich brauche ein komplettes Training an allen Geräten, sonst wird mir schnell langweilig. Und ich denke, dass ich unserer Riege auf dem Weg zu Olympia 2016 in Rio mit guten Mehrkampfleistungen helfen kann", sagt Hambüchen.

Abwurf vom Seitpferd

Schließlich ist die Zahl stabiler Sechskämpfer im Deutschen Turner-Bund durchaus übersichtlich: Boy beendete im Dezember 2012 seine Karriere und niemand weiß, in welcher Verfassung der Olympia-Zweite Nguyen, der sich zurzeit eine Wettkampfpause gönnt, 2014 auf die internationale Turnbühne zurückkehrt.

Für den Wahl-Kölner Hambüchen, der am Samstag am Boden und am Sonntag am Reck für zwei weitere Finalentscheidungen qualifiziert ist, wird im Mehrkampf schon das Auftaktgerät zum vorentscheidenden Weichensteller.

Sollte ihn das Seitpferd wie schon in der Vorrunde abwerfen, steht Hambüchen eine höchst herausfordernde Aufholjagd bevor.

Trainingszeit und Privatcoach fehlen

Seit Jahren arbeitet der Olympiazweite am Reck hart daran, diese Schwachstelle auszumerzen, bislang mit eher begrenztem Erfolg. Und es fällt von Saison zu Saison schwerer.

Hambüchen augenzwinkernd: "Irgendwann kommt jeder ein bisschen in die Jahre." Doch der Routinier wird bis zu Olympia 2016 dringend gebraucht, denn noch kann ihm die nächste deutsche Turnergeneration längst nicht das Wasser reichen.

Was Hambüchen dem Nachwuchs gar nicht ankreiden will. Er weiß von seinen jungen Kommilitonen, die Jahre nach ihm Abitur gemacht haben und nun auch in Köln studieren, dass die Bedingungen für ambitionierten Hochleistungssport schwieriger geworden sind: "Ganztagsschule, Nachmittagsunterricht - da fehlt es dann an Trainingszeit."

Und einen Vater als Privatcoach hat eben auch nicht jeder.

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