Marcel Nguyen holt in Montpellier bereits die sechste EM-Medaille © getty

Der Unterhachinger Nguyen verteidigt bei der EM in Montpellier seinen Barren-Titel. Philipp Boy wird im Reck-Finale Letzter.

Montpellier - Jubel um Marcel Ngyuen, Drama um Philipp Boy:

Während der Unterhachinger mit einer absoluten Weltklasseübung seinen Titel am Barren verteidigte, endeten die Europameisterschaften der Kunstturner für den zweimaligen Vize-Weltmeister fast schon tragisch.

Der Cottbuser griff im Reckfinale gleich zweimal an der Stange vorbei und wurde dafür von den Kampfrichtern mit dem achten und letzten Finalplatz (12,166 Punkte) abgespeist (Boy ganz schwach: EM-Team-Titel futsch).

Zu diesem Zeitpunkt durfte sich Ngyuen bereits von seinen Teamkollegen feiern lassen.

"Ich glaube, es war die beste Übung, die ich je geturnt habe. Ich war sehr gut vorbereitet und habe mich jetzt dafür belohnt", sagte der 24-Jährige, der sich gegen absolute Barren-Spezialisten durchsetzte.

Boy steigt zweimal ab

Boy hingegen konnte nur ein zerknirschtes Gesicht machen. Nur mit Glück hatte er überhaupt den Endkampf erreicht, doch schon nach wenigen Sekunden musste er seine Kür nach einem missglückten Cassina unterbrechen.

Auch beim Kolman bekam der Lausitzer die Reckstange nicht zu fassen und stürzte.

"Hammermäßig enttäuscht"

Noch vor Boy stand letztlich Eugen Spiridonov aus Bous in der Ergebnisliste, der Routinier wurde nach einer klaren Steigerung gegenüber seiner Leistung im Mannschafts-Finale am Pfingstsamstag Vierter.

"Ich bin natürlich hammermäßig enttäuscht, ich habe diese EM komplett in den Sand gesetzt. Jetzt werde ich sowas von durchtrainieren und mir die Sicherheit zurückholen, die mir hier gefehlt hat", sagte Boy.

Dafür bleiben ihm drei Wochen Zeit, denn am 16./17. Juni stehen bereits die Deutschen Meisterschaften in Düsseldorf auf dem Programm, deren Ergebnisse auch für die Olympia-Qualifikation herangezogen werden.

"Roulette" der Kampfrichter

Ohne Edelmetall blieb Matthias Fahrig in der Entscheidung beim Sprung. Der Hallenser brachte zwar sowohl seinen Dragulescu als auch seinen Kasamatsu weitgehend sicher in den Stand, doch die Konkurrenz zeigte noch höhere Schwierigkeiten.

So musste sich der 26-Jährige mit Rang fünf begnügen. Den achten Platz am Barren nach einem Absteiger war das Resultat von Sebastian Krimmer aus Stuttgart.

"Das war ein sehr stark besetztes Finale, in dem es für mich schwer war. Bei den Wertungen haben die Kampfrichter außerdem Roulette gespielt", sagte Fahrig.

Der ehemalige Boden-Europameister arbeitet schon seit längerem an einem höherwertigen zweiten Sprung, der ihm vom Ausgangswert her 0,4 Punkte mehr einbringen würde.

Platz sechs trotz starker Übung

Erwartungsgemäß keine Medaillenchance hatte Nguyen im Ringe-Finale.

Trotz einer nahezu fehlerfreien Übung reichte es gegen die Spezialisten an diesem Gerät nur zum sechsten Platz. Die Goldmedaille ging an Alexander Balandin, dem Russen am nächsten kamen Matteo Morandi aus Italien und sein Landsmann Denis Abljasin.

Silber für Junior Weinert

Die ersten beiden Finals fanden ohne deutsche Beteiligung statt.

Am Boden setzte sich Ex-Weltmeister Eleftherios Kosmidis aus Griechenland durch, der Ungar Krisztian Berk verteidigte am Seitpferd seinen Titel erfolgreich.

Bereits am Mittag hatte der 18 Jahre alte Kieler Daniel Weinert bei den Junioren im Barren-Finale die Silbermedaille gewonnen. Tim Leibiger aus Chemnitz belegte am Reck den achten Platz.

2013 werden die europäischen Titelkämpfe vom 15. bis 21. April im russischen Kasan ausgetragen.

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