Philipp Boy holte bei der WM 2011 in Tokio eine Silbermedaille © imago

Trotz geglückter Teamfinal-Qualifikation zeigen die deutschen Turner bei der EM Schwächen. Boy patzt, Fahrig scheidet aus.

Montpellier - Vize-Weltmeister Philipp Boy war angefressen, doch Chefcoach Andreas Hirsch blieb gelassen.

Beim Start in die Europameisterschaften der Kunstturner in Montpellier hat Titelverteidiger Deutschland seine Pflicht erfüllt, aber Schwächen in der Kür gezeigt.

Die Qualifikation für das Teamfinale am Samstag (14.30 Uhr) geriet nicht in Gefahr, auf dem Weg in die Gerätefinals allerdings erfüllten sich beileibe nicht alle Hoffnungen.

Denn statt das Quintett des Deutschen Turner-Bundes (DTB) zu einem guten EM-Einstand mitzuziehen, wurde Mehrkampf-Europameister Boy fast schon zu einer Belastung für seine Mannschafts-Kollegen.

"Irgendwie war an jedem Gerät der Wurm drin", klagte der Cottbuser, der bezeichnenderweise mit einem Patzer am Reck startete und den Wettkampf mit einem Sturz am Boden beendete.

Ernüchterung bei Hirsch

Hirsch hatte im Vorfeld der europäischen Titelkämpfen die Favoritenrolle für seine Schützlinge weit von sich gewiesen und sah sich nach Rang drei im Zwischenklassement mit 260,801 Punkten hinter Großbritannien (265,718) und Russland (264,474) bestätigt:

"Ich wusste, dass so manche Übung nicht klappen würde. Ich weiß aber auch, dass wir an jedem Gerät noch eine Reserve von mindestens einem Punkt haben."

Fahrig scheidet aus

Definitiv raus war schon vor der letzten Ausscheidungsrunde am Abend am Boden Matthias Fahrig.

Der Europameister von 2010 an diesem Gerät kam schon bei der ersten Sprungbahn zu Fall. Für den Hallenser waren 14,333 Punkte zu wenig fürs Weiterkommen.

Schadlos hielt sich der 26-Jährige dann am Sprung, wo er nahezu sicher in der Entscheidung am Sonntag (15.30 Uhr) steht. Fahrig: "Trotzdem: Das Boden-Finale wäre mir wichtiger gewesen."

Boy mit Fehler am Reck

Boy hingegen drohte für den Sonntag die "Arbeitslosigkeit". Ausgerechnet am Reck musste der Lausitzer nach einem Fehler beim Adler mit ganzer Drehung zusammen mit Eugen Spiridonov aus Bous gehörig um einen Platz im Endkampf am Reck zittern.

Nur 14,633 Punkte waren den Kampfrichtern die Übung des Lausitzers wert. "Es war nicht ganz leicht für mich, gerade an diesem Gerät zu beginnen", sagte der 24-Jährige, der im Frühjahr wegen diverser Blessuren nur eingeschränkt trainieren konnte.

Da war es auch nur ein schwacher Trost, dass Boys Erzrivale Epke Zonderland aus den Niederlanden die Reckstange gleich zweimal verfehlte und damit weit an den Finalplätzen vorbeiturnte.

Auch Krimmer patzt

Am Seitpferd setzte sich die Serie von Fehlern und Unsauberkeiten in der deutschen Riege fort. Diesmal leistete sich der Stuttgarter Sebastian Krimmer einen Absteiger.

Lediglich am Barren konnte das Quintett von Bundestrainer Andreas Hirsch problemlos mit der europäischen Spitze mithalten.

Nguyen und auch Krimmer erarbeiteten sich an diesem Gerät eine gute Ausgangsposition für die Entscheidung am Sonntag (16.00 Uhr). Und auch an den Ringen lieferte Nguyen eine ordentliche Vorstellung ab (14,666).

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