Kollegen und Rivalen zugleich: Philipp Boy (r.) und Fabian Hambüchen © getty

Bei der EM als letztem Olympia-Härtetest will der Vize-Weltmeister vor allem körperlich unversehrt bleiben. Sein Rivale fehlt.

Montpellier - Olympia in London ist ganz nah und real, und trotzdem träumt Philipp Boy bereits von 2016, wenn die Spiele in Brasiliens Metropole Rio de Janeiro ausgetragen werden.

"Dort ist Turnen die zweitbekannteste Sportart nach Fußball, das würden gigantische Spiele für uns werden", sagt der Vize-Weltmeister vor den am Donnerstag beginnenden Europameisterschaften.

In Montpellier muss der Vorjahressieger laut EM-Austragungsbestimmungen zwar nicht seinen Mehrkampf-Titel verteidigen, aber beweisen, dass er die gesundheitlichen Probleme, die ihn seit Jahresbeginn mal mehr, mal weniger behindern, ausreichend in den Griff bekommen hat.

"Phasenweise nicht so trainieren zu können, wie ich es geplant hatte, war für mich eine neue Erfahrung", sagt Boy. "Man muss wahnsinnig viel Zeit in Physiotherapie und Arztbesuche investieren. Aber man weiß ja, wofür man das tut."

Kontrahent auf Augenhöhe

2008 in Peking eher noch ein olympischer Mitläufer im Schatten des damals aktuellen Reck-Weltmeisters Fabian Hambüchen, begegnet der 24-Jährige aus Cottbus seinem nationalen Kontrahenten längst auf Augenhöhe.

In der hypermodernen Arena von Montpellier führt er die deutsche Riege an, die das Team-Gold von 2010 zu gern erneut gewinnen würde.

Mit Boy und Barren-Europameister Marcel Nguyen an der Spitze gar kein unrealistisches Unterfangen.

Hambüchen fehlt

Hambüchen jedoch fehlt, der Wetzlarer hat sich nach seinem letztjährigen Achillessehnenriss einen ganz eigenen olympischen Fahrplan nach London zurechtgelegt.

Boy nimmt es zur Kenntnis und vermeidet verbale Spitzen gegen seinen Rivalen: "Fabian hat sich anders entschieden. Wir sind halt ziemlich verschieden, gehen aber ganz normal miteinander um."

Und weiter: "Einen Zickenkrieg wie bei den Eisschnellläuferinnen wird man bei uns nicht erleben."

Sorge wegen Entzündungen

Erleben möchte der Lausitzer in Montpellier vielmehr, dass er seine Programme ungeachtet der Entzündungen am rechten Schlüsselbein und am linken Handgelenk ohne größere Beeinträchtigungen abspulen kann.

Speziell am Reck, das er bei seinem Saisondebüt in März in Cottbus noch auslassen musste.

Dafür hielt er sich dort überraschend am Boden schadlos und gewann erstmals in seiner Laufbahn beim traditionsreichen Turnier der Meister ein Gerätefinale.

Bloß kein Trainingskoller

Nach Montpellier geht die Vorbereitung auf London weiter, unterbrochen von den beiden Olympia-Qualifikationen am 16./17. Juni in Düsseldorf und am 30. Juni in Frankfurt/Main.

Dabei will und muss Boy einen Trainingskoller unbedingt vermeiden, denn: "Ich arbeite wirklich konzentriert, bemühe mich aber auch um Gelassenheit. Nur Turnen geht gar nicht, das wäre das Allerschlimmste!"

Das deutsche EM-Aufgebot für Montpellier besteht aus Philipp Boy (Cottbus), Marcel Nguyen (Unterhaching), Matthias Fahrig (Halle), Eugen Spiridonov (Bous) und Sebastian Krimmer (Stuttgart).

Der EM-Zeitplan:

Donnerstag, 24. Mai: Mannschafts-Wettbewerb, Qualifikation (10 Uhr)

Freitag, 25. Mai: Junioren, Mehrkampf-Finale (15 Uhr)

Samstag, 26. Mai: Mannschafts-Wettbewerb, Finale (14.30 Uhr)

Sonntag, 27. Mai: Gerätefinals (9.30 Uhr)

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