Oksana Chusovitina gewann bei Weltmeisterschaft bereits elf Medaillen © getty

Die DTB-Damen präsentieren sich in den EM-Gerätefinals in starker Form. Vor allem Chusovitina glänzt und ist für London gesetzt.

Brüssel - Sohn Alisher hatte ein wichtiges Fußballspiel, aber beflügelt von Ehemann Bachodir auf der Tribüne ist Oksana Chusovitina in Brüssel zu ihrer 16. internationalen Medaille geflogen.

Die 36-Jährige aus Herkenrath holte bei den Europameisterschaften der Kunsturnerinnen am Sprung Silber und war anschließend glücklich wie selten: "Ich hatte immer das Gefühl, dass es zu einer Medaille reicht. Auf dem Weg nach London ist das sehr positiv und wichtig für mich."

Besser als beim Team-Finale stellte die "Queen Mum" des deutschen Kunstturnens ihre beiden Sprünge in den Stand und musste mit 14,683 Punkten nur der Rumänin Sandra Izbasa (14,883) den Vortritt lassen.

Der Ehrgeiz, auch bei ihren sechsten und letzten Olympischen Spielen nach Edelmetall zu greifen, ist größer denn je: "Ich werde meinen zweiten Sprung noch schwieriger machen, dann habe ich gute Chancen."

Chusovitina "bemerkenswert"

Davon ist auch Bundestrainerin Ulla Koch überzeugt, die am Schlusstag der europäischen Titelkämpfe nicht nur mit der gebürtigen Usbekin sehr zufrieden sein durfte.

Am Stufenbarren turnte die letztjährige EM-Dritte Kim Bui (Stuttgart) als Vierte nur knapp am Siegertreppchen vorbei, die kurzfristig ins Finale am Doppelreck aufgerückte Lisa-Katharina Hill aus Chemnitz konnte sich über einen beachtlichen sechsten Platz freuen.

"Diesmal haben die Mädchen alles richtig gemacht. Am Samstag haben sie ziemlichen Mist geturnt (News), aber nun diese Scharte wieder ausgewetzt", sagte die Teamchefin, die Chusovitina auch in London im Sprung-Finale sieht: "Wie Oksana hier mit allen Schwierigkeiten fertiggeworden ist, ist wirklich bemerkenswert."

"Chuso" war an den ersten Trainingstagen mit den sehr weichen Sprungbrettern überhaupt nicht klargekommen.

"Nur Oksana ist für London gesetzt"

Weniger gelungen war jedoch die olympische Generalprobe für die deutsche Riege.

Schon im Vorkampf blieb das Quintett mit Rang sieben unter seinen Möglichkeiten, im Mannschafts-Finale kam das Team, das bei den letztjährigen Weltmeisterschaften in Tokio noch als Sechster überrascht hatte, nicht über den achten und letzten Platz hinaus.

Schmerzlich vermisst wurde die deutsche Mehrkampf-Meisterin Elisabeth Seitz aus Mannheim, die Vize-Europameisterin konnte wegen Rückenbeschwerden nicht starten.

"Grundsätzlich ist die Mannschaft aber gut drauf, das hat sie ja auch am Sonntag unter Beweis gestellt. Solche Tage können vorkommen, aber wir wissen natürlich, dass wir nach wie vor viel zu tun haben. Nur Oksana ist für London gesetzt, alle anderen müssen noch kämpfen", sagte Koch.

Scheder noch zu jung

Nun geht es für die deutschen Mädchen im Juni um die sechs Olympiatickets, zunächst bei den deutschen Meisterschaften am 16./17. Juni in Düsseldorf, anschließend bei einer weiteren Ausscheidung am 30. Juni in Frankfurt/Main.

Für diese Wettkämpfe ist die erst 15 Jahre alte Sophie Scheder, die bei den Juniorinnen EM-Gold am Stufenbarren gewann, noch zu jung.

Der DTB musste beim EM-Triumph allerdings kräftig mithelfen, denn erst nach einem offiziellen Protest bei der Europäischen Turn-Union wurde die Note der Chemnitzerin nachträglich um die entscheidenden 0,3 Punkte aufgewertet.

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