Sebastian Kienle wurde bei seiner Hawaii-Premiere Vierter - dieses Jahr Dritter © imago

Sebastian Kienle hat bei der Ironman-WM auf Hawaii die deutsche Konkurrenz in den Schatten gestellt.

Kona/Hawaii - Ungläubig wischte Sebastian Kienle den Schweiß aus seinem Gesicht, schnappte entkräftet nach Luft und ließ sich dann mit einem hawaiianischen Blütenkranz um den Hals gebührend feiern:

Der dritte Platz bei der Ironman-WM im Triathlon-Mekka von Kailua-Kona fühlte sich für den 29 Jahre alten Karlsruher irgendwie an wie ein Sieg.

"Ich bin wirklich glücklich. Aus meinen Möglichkeiten habe ich absolut das Maximum herausgeholt", sagte er sichtlich gezeichnet auf "tri2b.com".

In 8:19:24 Stunden hatte Kienle die 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,195 km Laufen absolviert und sich nur dem neuen Weltmeister Frederik van Lierde (Belgien/8:12:29) sowie Luke McKenzie (Australien/8:15:19) geschlagen geben müssen.

"Die anderen Jungs können halt auch was", sagte Kienle lächelnd.

Beherzte Aufholjagd

Vor dem Hintergrund einer mit Verletzungen und Rückschlägen geprägten Saison galt der Leistung des Halbdistanz-Weltmeisters allerdings besondere Beachtung.

Mit einer beherzten Aufholjagd kämpfte er sich auf dem Rad nach vorne, auch im abschließenden Marathonlauf überwand er unzählige Male den berühmten inneren Schweinehund.

"Ich war wirklich oft kurz davor zu sagen: Scheiß drauf, ich habe so keinen Bock mehr. Denn mir hat einfach alles wehgetan, mir haben sogar meine Haare wehgetan", sinnierte Kienle.

Inmitten der berüchtigten Lavafelder entschied wie so üblich der Marathon über die Platzierungen an der Spitze. Dort hatte Kienle nach knapp 20 km den späteren Sieger trotz großen Kampfes ziehen lassen müssen.

"Noch nie so gelitten"

"Ich hatte noch nie einen solchen Lauf, bei dem ich von Anfang an so gelitten habe", sagte Kienle.

Die "komplette Festplatte" habe es ihm "formatiert", und die Triathleten, ja, die seien sowieso "die beklopptesten Menschen der Welt. Aber wenn man dann im Ziel ist, ist das richtig geil", sagte Kienle.

Ähnlich sah es van Lierde, der im "Hessischen Rundfunk" vom "Besten, was ich je erlebt habe" sprach und mit seinem Erfolg die seit 2007 währende Siegesserie der Australier beendete.

Das könnte Kienle, der im vergangenen Jahr den vierten Platz belegt hatte, noch vor sich haben.

Mit 29 Jahren gehört ihm die Zukunft, das Durchschnittsalter der Hawaii-Sieger liegt bei etwa 32 Jahren. "Ich denke, ich werde auch noch den perfekten Tag haben", prophezeite er.

Raelert im Pech

Einen ganz und gar nicht perfekten Tag erwischte die eigentliche deutsche Nummer eins Andreas Raelert.

Mit der Empfehlung von jeweils zwei zweiten und dritten Plätzen in den vergangenen vier Jahren angereist, platzte sein Traum vom ersehnten Sieg bereits im Wasser.

Raelerts Rückstand wuchs auch nach dem Wechsel auf das Rad kontinuierlich an - offenbar am linken Bein verletzt stieg der 37-Jährige dann vor dem Marathon aus.

Die weiteren hoch gehandelten Deutschen wurden ihren Rollen zumindest etwas gerechter.

Timo Bracht schaffte es als Neunter ebenso unter die Top 10 wie 2005-Champion Faris Al-Sultan einen Platz dahinter.

Beste deutsche Frau auf Platz 15

Mit einem Streckenrekord von 8:52:14 Stunden feierte bei den Frauen die Australierin Mirinda Carfrae ihren zweiten WM-Titel.

Die 32-Jährige, die bereits 2010 triumphiert hatte und die alte Bestzeit der Britin Chrissie Wellington um fast zwei Minuten unterbot, siegte vor Rachel Joyce und Liz Blatchford (beide Großbritannien).

Beste Deutsche war Kristin Möller auf dem 15. Rang. Die Deutsche Britta Martin, die seit 2007 in Neuseeland lebt und für das Land startet, kam bei ihrer ersten Ironman Hawaii-Teilnahme auf Rang 24 ins Ziel.

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