Lothar Leder durchbrach als erster Triathlet die 8-Stunden-Marke auf der Ironman-Distanz © imago

Bei SPORT1 spricht Oldie Lothar Leder über seinen Weg zum Triathlon, den Mann mit dem Hammer und die Widrigkeiten auf Hawaii.

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Von Oliver Faßnacht

München - Lother Leder ist einer der erfolgreichsten Triathleten in Deutschland. Der 42-Jährige gewann in seiner Karriere insgesamt sieben Ironmen und wurde auf Hawaii zweimal Dritter.

Aber die Karriere hat auch Schattenseiten. 2007 musste Leder sich mit einem Manipulations-Verdacht auseinander setzen.

Bei SPORT1 spricht Lothar Leder über seinen Favoriten für den bevorstehenden Ironman Hawaii, die mentale Komponente beim Triathlon und die Lehren aus den früheren Doping-Vorwürfen.

SPORT1: Sie haben fast 100 Ironman absolviert und sind zweimal Dritter auf Hawaii geworden. Was sind Ihre Erinnerungen an diese Wettkämpfe?

Lothar Leder: Leider konnte ich bei 13 Starts noch nie gewinnen. Hawaii ist halt der Mythos Triathlon, wo alles erfunden wurde. Da kämpft man gegen den Wind, das Wasser und vor allem die Hitze. Das ist dort ganz besonders schlimm - als ob einem ein Fön ins Gesicht bläst.

SPORT1: Viele Triathleten sind in einer Einzeldisziplin stärker als in der anderen. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Leder: Ich komme zwar vom Schwimmsport, aber mein Steckenpferd war immer die Ausgeglichenheit. Ich hatte keinen besonderen Peak in einer Sportart. Und das hilft natürlich als Triathlet. In Hawaii bin ich zwei Mal die schnellste Laufzeit gelaufen. Generell ist es immer gut, wenn man zum Abschluss noch schnell laufen kann.

SPORT1: Was hat Sie vom Schwimmen zum Triathlon geführt?

Leder: Bei mir war es ganz einfach. Ich habe eine Banklehre gemacht und wollte nie da arbeiten. Das war ganz schlimm für mich. Ich wollte allgemein nie arbeiten gehen und immer nur Sport machen - das habe ich bis heute durchgezogen. Mittlerweile mache ich auch als Coach Seminare, um mein Wissen an die Jugend weiter zu geben.

SPORT1: Beim Ironman in Roth 1996 waren Sie der erste Triathlet, der die Acht-Stunden-Marke durchbrochen hat. 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42 km Laufen - wann kommt das erste Mal der Mann mit dem Hammer?

Leder: Der kommt schon vor dem Start, weil man sehr viel Angst hat vor der Distanz und dem inneren Schweinehund. Oder auch schon in der Nacht, weil man sehr nervös vor so einem Rennen ist. Wenn man dann erst einmal im Wasser ist ? dann geht es eigentlich. Dann ist man abgelenkt und im Rhythmus - konzentriert sich auf die Ernährung, die Atmung und die Gegner.

SPORT1: Sie sind jetzt 42 Jahre alt und schon lange im Triathlon. Woran spüren Sie an ihrem Körper Ihre Sportler-Karriere?

Leder: Ich war 20 Jahre Profi ? da leidet der Rücken. Und ich müsste mich mehr dehnen, da bin ich mittlerweile zu faul dafür. Man muss sehr auf seinen Körper achten. Das Schwimmen ist gut und keine Belastung. Das Radfahren ist auch sehr dynamisch. Aber das Laufen ist nicht so gesund für die Achillessehne und die Hüfte.

SPORT1: 2007 mussten Sie sich mit einem Manipulations-Verdacht auseinander setzen. Ihre Blutwerte waren auffällig, und Ihnen wurde vorgeworfen ein spezielles Training unter einer künstlichen Höhenluft auf einen Rad-Ergometer durchzuführen. Zweifelt man da an der Gerechtigkeit, am Sinn oder an sich?

Leder: Damals ist die Triathlon-Welt für mich zusammen gebrochen. Aber man hat gelernt, mit negativen Dingen umzugehen, und es geht immer weiter. Im Profisport ist Doping immer ein Thema. Bei mir war das damals eine private Kontrolle - keine offizielle Kontrolle von der NADA. Ich konnte mich gar nicht wehren, weil der Blutwert die Grenze überschritten hatte und sich die Presse sofort auf die Geschichte gestürzt hatte.

SPORT1: Wie lang haben Sie gebraucht, um nach diesem falschen Verdacht Ihre Reputation wieder herzustellen?

Leder: Der Verband hat die Ermittlungen gleich wieder eingestellt, und es kam nie zu einem Doping-Verfahren. Das hat sicherlich ein bis zwei Jahre gedauert, denn von so einer Sache bekommt man leider seinen Ruf weg. Aber dagegen kann man sich leider nicht wehren. Man muss im Kopf stark bleiben, ansonsten knickt man ein.

SPORT1: Sie behaupten, dass Sebastian Kienle das Rennen gewinnen kann, wenn der Wind günstig ist. Was hat der Wind für einen Einfluss?

Leder: Sebastian Kienle ist Weltmeister über die Halbdistanz und sehr stark auf dem Rad. Wenn es sehr windig ist, wird er den Anderen davon ziehen und gewinnen. Bei Gegenwind knicken die anderen ein bisschen ein. Andreas Raelert ist zwar ein starker Läufer, aber Kienle ist der stärkere Radfahrer.

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