Anne Haug belegte bei Olympia 2012 als beste Deutsche Rang elf © getty

Die Deutsche quält sich bei der World Series in Stockholm trotz "toter Beine" auf einen Podestplatz. Beim Finale ist alles drin.

Von Jan Saegert/tri-mag

Stockholm - Es ist angerichtet - für das große Finale der World Triathlon Series in London.

Noch nie in der Geschichte der Serie lagen die besten der Welt vor dem letzten und entscheidenden Rennen des Jahres so eng beieinander.

Beim ITU World Triathlon in Stockholm (Highlights, Fr. ab 17 Uhr im TV auf SPORT1) verpasste Anne Haug zwar die Chance, als Führende zum Grand Final zu fahren - ihre Karten, sich auf den olympischen Strecken im Hyde Park als erste Deutsche zur Kurzdistanz-Weltmeisterin zu krönen, stehen trotzdem noch gut.

Winzige 13 Punkte liegen nach dem siebten Serienrennen in der schwedischen Hauptstadt zwischen der Vizeweltmeisterin von 2012 und ihren wichtigsten Konkurrentinnen, der Britin Non Stanford und US-Girl Gwen Jorgensen, die als Gejagte beim Saisonfinale antreten wird. Auch bei den Männern geht es hauchdünn zu.

Finaler Showdown

Mit perfektem Triathlonwetter wurden die weltbesten Kurzdistanzprofis am vergangenen Wochenende in "Gamla Stan", der historischen Altstadt von Stockholm, empfangen. "Ladies first" war das Motto - die Frauen um Spitzenreiterin Anne Haug stürzten sich am Samstag ins knapp 15 Grad kühle und ungewohnt wellige Wasser.

Zum Leidwesen der Deutschen erwischte Jorgensen eins der besten Schwimmen ihres Lebens und kletterte nach 1,5 Kilometern gemeinsam mit den schnellsten die Rampe zur Wechselzone hinauf.

"Ich war fast ein bisschen geschockt als ich plötzlich in der ersten Radgruppe saß", erklärte Jorgensen nach dem Rennen. Bei Halbzeit der 40 Radkilometer gelang der Gruppe um Haug, die sich taktisch geschickt im Feld versteckte, der Anschluss nach vorn. Eine Attacke der unermüdlichen Neuseeländerin Andrea Hewitt wirbelte die Rennsituation dann noch einmal durcheinander.

Haug gibt alles

Doch wie schon so oft in dieser Saison wurde Hewitts Mut zum Angriff nicht belohnt. Im Gegenteil: Jorgensen, die derzeit überragende Läuferin, demütigte die 31-Jährige schon nach 2,5 Laufkilometern als sie spielend leicht vorbeizog. Haug und Stanford hatte die US-Amerikanern da schon abgeschüttelt.

"Meine Beine waren nach dem Radfahren fast tot", erklärte Haug später. In der letzten Runde erweckte sie sie aber wieder zum Leben. An Jorgensen und Stanford kam sie nicht mehr heran. Zufrieden war sie trotzdem.

"Das war das Beste was ich heute aus meinem Körper herausholen konnte", freute sie sich im Ziel über den dritten Platz. Mit einem Sieg in London könnte Haug in zwei Wochen die verlorene Führung zurückerobern - es wäre gleichbedeutend mit WM-Gold, dem ersten einer deutschen Kurzdistanz-Athletin.

Brownlee überlistet Rivalen

Bei den Männern stellte Alistair Brownlee am Sonntag die Hackordnung in der Familie wieder her. Nach seinem Sprint-K.O. in Hamburg nutzte der Brite in der vorletzten Radrunde eine Unachtsamkeit in der Spitzengruppe, um sich abzusetzen.

Weder sein Bruder Jonathan noch Erzrivale Javier Gómez (ESP) erkannten die Gefahr rechtzeitig. 20 wichtige Sekunden fuhr der Olympiasieger auf dem tückischen Stadtkurs gegen seine schärfsten Rivalen um den Titel heraus.

Die reichten, um Gómez an der Spitze der WM-Wertung abzulösen und Bruder Jonathan vor dem schwedischen Königspalast auf den Siegerthron zu folgen. Gómez wahrte als Zweiter seine Chance aufs dritte WM-Gold. Wenngleich er beim Heimrennen der Brownlee-Brüder im Londoner Hydepark vor einer Mammutaufgabe steht. Er muss dort gewinnen.

Lichtblick bei den Männern

Überraschend stark präsentierte sich Jonathan Zipf wenige Wochen nach seiner krankheitsbedingten Absage von Hamburg. Solide und konzentrierte Leistungen im Wasser, auf dem Rad und in den Laufschuhen spülten ihn in seinem zweiten Serienrennen der Saison auf den elften Platz.

Gregor Buchholz, der Zweite im deutschen Mini-Team, verpasste beim Schwimmen eine noch bessere Platzierung. Der Potsdamer kämpfte sich mit der achtbesten Laufzeit aber noch auf den 21. Platz nach vorn.

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