Anja Beranek wurde 2012 Europameisterin über die halbe Ironman-Distanz © imago

Anja Beranek ist nach dem Ironman-Sieg in Zürich die glücklichste Frau der Welt - doch das fehlende WM-Ticket trübt die Laune.

Von Jan Saegert/ tri-mag

Zürich - Traurig und tief enttäuscht hatte Anja Beranek noch Anfang Juli bei der Ironman-WM in Frankfurt das Handtuch geworfen.

Nur drei Wochen später meldete sie sich nun umso eindrucksvoller zurück. Beim Ironman Switzerland (Highlights ab 17.30 Uhr im TV auf SPORT1) krönte sie sich zur Königin vom Zürichsee.

Als dritte Deutsche gewann die Fürtherin den Klassiker in der Schweiz - nach zwei zweiten Plätzen war es zugleich ihre Titelpremiere in einem Rennen der internationalen Ironmanserie.

Schwacher Start, starkes Finish

Kein Wunder, dass der Sieg für Beranek selbst "mehr als nur ein Trostpflaster" auf eine bisher durchwachsene Saison war.

Dabei hatte es nach dem Schwimmen im lauwarmen Zürichsee zunächst noch nach einer weiteren Enttäuschung ausgesehen.

"Ich bin ich sehr schlecht geschwommen", gab sie später gegenüber tri-mag.de zu. Der Rückstand von sechs Minuten habe sie sogar etwas panisch gemacht. Beim Radfahren knüpfte die 28-Jährige dann aber an ihre Form Vorsaison an.

"Der Mix aus flachen Abschnitten, bergigen Passagen und schnellen Abfahrten liegt mir", so Beranek über den auf Radspezialisten zugeschnittenen Kurs durchs Züricher Umland.

Kein Opfer der Hitzeschlacht

Selbst die frühere Zeitfahrweltmeisterin und Olympiazweite Emma Pooley (AUS) verlor auf den 180 Kilometern drei Minuten gegenüber der Deutschen.

Der Marathon wurde bei Temperaturen an die 40 Grad zum Ausscheidungslauf. Und anfangs schien es, als würde auch Beranek ein Opfer der Hitzeschlacht werden.

"Ich wusste nicht, was am Ende passiert", erklärte sie später.

Beranek peilt Hawaii-Quali an

Deshalb sei sie sehr defensiv und kontrolliert angelaufen und damit das Risiko eingegangen, dass die Verfolgerinnen näher heranrücken. Der Plan ging auf und nach 9:21 Stunden war die Revanche für das Desaster von Frankfurt perfekt.

"Heute bin ich die glücklichste Frau der Welt", strahlte Beranek, die den deutschen Profifrauen damit nach Kristin Möller den zweiten Ironmantitel der Saison 2013 bescherte.

Der jungen Celine Schärer glückte in Zürich eine glänzende Langdistanzpremiere. Die Schweizerin wurde bei ihrem Heimrennen vor Erika Csomor aus Ungarn Zweite.

Beranek will den Schwung aus Zürich nun nutzen, um sich doch noch für die Ironman-Weltmeisterschaften am 12. Oktober auf Hawaii zu qualifizieren. Dazu fliegt sie nach Kanada. Beim Ironman Mont-Tremblant will sie am 18. August das begehrte Ticket nachlösen.

Schampus für Schildknecht

Ronnie Schildknecht hat seinen Startplatz für Hawaii schon in der Tasche.

In seinem Wohnzimmer am Zürichsee gelang dem 33-Jährigen am Wochenende zudem Historisches. Als erster Triathlet überhaupt schaffte er das Kunststück ein Ironmanrennen sieben Mal in Serie für sich zu entscheiden.

Er selbst sprach danach von seinem "am härtesten erkämpften Sieg".

Locker? "Das war es nie"

Und das hatte wohl vor allem mit der fast unmenschlichen Hitze zu tun, die sich den Athleten vom frühen Morgen bis in den späten Abend entgegenstellte.

"Auch wenn es am Ende locker aussah - das war es nie", gestand der Rekord-Champion im Ziel. Einmal mehr raubte Schildknecht seinen Gegnern beim Radfahren die Nerven und viele Minuten.

Auch Bittner stark

Dabei riskierte er sogar Krämpfe, die ihn auf den letzten Radkilometern auch etwas ausbremsten. Dennoch reichte die Erfahrung und Cleverness nach einem soliden Marathon und gut achteinhalb Stunden Renndauer zum siebten Zürichsieg in Folge.

"Die Konstanz macht mich stolz. Das zeigt, dass ich seit Jahren gute Leistungen abliefere", kommentierte der Schweizer seinen Rekord gewohnt bescheiden.

Den Schampus, der auf dem Podium geköpft wurde, hatten sich die drei schnellsten Männer des Tages in jedem Fall verdient.

Sowohl der zweitplatzierte Spanier Ivan Rana als auch Per Bittner (Leipzig), der zum ersten Mal ein Ironman-Podest besteigen durfte, werden wie Schildknecht im Oktober beim Ironman Hawaii dabei sein.

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