Dimitij Ovtcharov kämpft um den Titel
Dimitrij Ovtcharov (r.) holte in seinem ersten Einzel den einzigen deutschen Sieg © getty

Auch ein furioser Dimitrij Ovtcharov kann die deutsche Finalniederlage gegen China bei der WM in Japan nicht verhindern.

Sie schnupperten kurz an der Sensation, doch am Ende war der Frust wieder groß: Auch eine Sternstunde von Dimitrij Ovtcharov hat den deutschen Tischtennis-Herren im WM-Finale in Tokio nicht zum ersehnten Einriss der "chinesischen Mauer" verhelfen können.

"Wir haben eine starke Generation, aber meine ganze bisherige Karriere über haben die Chinesen extrem starke Spieler. Da wünscht man sich manchmal, man wäre 20 Jahre eher geboren", sagte EM-Rekordsieger Timo Boll nach der 1:3-Niederlage gegen den weiter übermächtigen Titelverteidiger China beinahe schon resignierend.

Ovtcharov: "Bestes Spiel meines Lebens"

Durch einen 3:0-Coup von Europameister Ovtcharov (Hameln/Orenburg) gegen Olympiasieger und Weltmeister Zhang Jike hatte das stärkste Team des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) aller Zeiten im vierten WM-Finale gegen die Asiaten seit 2004 immerhin, aber nur kurz ernsthaft an der angestrebten Sensation schnuppern dürfen.

"Das war das beste Spiel meines Lebens, aber es hilft ja nichts, wenn die Mannschaft am Ende nicht gewinnt", sagte Ovtcharov leicht verbittert.

DTTB-Vize stolz

Anders als Boll, der das Auftakteinzel gegen Chinas Matchwinner Ma Long trotz Chancen mit 0:3 verloren hatte und danach durch Ovtcharovs später entscheidende "Nullnummer" gegen den Weltranglistenzweiten nicht mehr zum Zuge kam, verbreitete Heike Ahlert nach der insgesamt fünften Niederlage der DTTB-Herren in einem WM-Finale demonstrative Zuversicht.

"Irgendwann wird die Medaille auch einen goldenen Anstrich bekommen - ein paar Spritzer sind schon drauf", sagte die DTTB-Vizepräsidentin.

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Roßkopf zuversichtlich

Mit ihrer Prognose lag Ahlert auf einer Linie mit Bundestrainer Jörg Roßkopf - auch wenn Boll bei den nächsten Gelegenheiten zum großen Wurf 2016 bei WM und Olympia mit 35 Jahren vermutlich nur im Idealfall noch auf seinem derzeitigen Niveau spielen dürfte.

"Die Schweden hatten es früher zunächst auch mehrmals nicht geschafft, China zu stürzen, aber 1989 in Dortmund gelang es ihnen doch. Wir sind so nahe dran an den Chinesen wie nie zuvor, und deswegen werden wir auch wieder eine Chance bekommen", sagte "Mr. Tischtennis" über Europas einzige Medaillengewinner in Tokio.

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Traumtag für Ovtcharov

Anlass für die optimistische Betrachtung bot dem früheren Doppelweltmeister außer der Respekt der Chinesen, die ihren Weltranglistenersten Xu Xin zur Sicherung wenigstens eines Zählers für das Einzel an Nummer drei gegen den DTTB-Youngster Patrick Franziska (Fulda) aufboten, vor allem Ovtcharov.

Der 25-Jährige erwischte gegen Chinas Superstar Zhang den erhofften "Traumtag", gewann gegen den Grand-Slam-Sieger zunehmend die Kontrolle und demontierte die Nummer fünf der Welt beinahe nach allen Regeln der Kunst.

Das sensationell klare 3:0 bedeutete für den Olympia-Dritten den ersten Erfolg gegen ein Ass aus der Riege der chinesischen Elite und für Zhang die erste Pleite in seinem 32. WM-Match seit 2010 überhaupt.

Im zweiten Match im Hintertreffen

Mit der Euphorie seins Coups, aber durch Franziskas 0:3 gegen Weltcupsieger Xu allerdings auch mit dem Rücken zur Wand, musste Ovtcharov gegen Boll-Bezwinger Ma erneut in die Box.

Angetrieben von den rund 7000 Zuschauern gestaltete der Rechtshänder das Spiel zunächst weitgehend offen, erspielte sich im ersten Durchgang auch einen Satzball, lief allerdings zumeist Rückständen hinterher und konnte letztlich nicht mehr einen alles entscheidenden Showdown zwischen Boll und Zhang erzwingen.

"Das ist der Tag, an dem wir sie uns schnappen müssen", hatte Boll vor dem Finale gesagt - seine Hoffnungen blieben unerfüllt.

Best of the Rest

"Wir haben die beste Mannschaft der Welt gezwungen, an ihre Grenzen zu gehen", resümierte Roßkopf nach dem vergeblichen Anlauf des vermutlich stärksten Herausforderers der Chinesen seit Schwedens "Dream Team" mit den Ikonen Jan-Ove Waldner und Jörgen Persson vor 25 Jahren.

"Insgesamt aber ist China eine andere Liga als der ganze Rest der Welt, wovon wir aber die Besten sind. Das haben wir bei dieser WM wieder bewiesen", so Roßkopf.

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