Dimitrij Ovtcharov holte bei den Olympischen Spielen in London 2012 Bronze © getty

Der Sieg gegen die Ukraine ist wegen eines Ovtcharov-"Blackouts" hart erkämpft. Boll spricht von einem Coup gegen China.

Tokio - Trotz eines Dämpfers durch die Niederlage von Topspieler Dimitrij Ovtcharov greifen die deutschen Tischtennis-Männer bei der Mannschafts-Weltmeisterschaft in Tokio im Viertelfinale voller Selbstbewusstsein nach der angestrebten Medaille.

Beim mühevollen 3:2 zum Vorrundenabschluss gegen die Ukraine kostete ein "Blackout" von Dimitrij Ovtcharov den Weltmeisterschafts-Zweiten Deutschland die bisher makellose Bilanz.

Den Einzug in die Runde der besten Acht und den Gruppensieg hatte das Team von Bundestrainer Jörg Roßkopf aber schon tags zuvor durch 3:0-Siege gegen Kroatien und Hongkong perfekt gemacht.

Die DTTB-Frauen richteten sich derweil nach ihrem unglücklichen 1:3 im "Endspiel" um Gruppensieg und vorzeitigem Viertelfinalplatz gegen Hongkong selbst wieder auf: Durch ein 3:1 gegen Serbien kehrten die Europameisterinnen vor dem Achtelfinale am Freitag in die Erfolgsspur zurück.

Roßkopf bleibt gelassen

Roßkopf hakte die unnötige Schufterei seines Teams am Tag der Arbeit, die durch das 2:3 des Weltranglistenvierten Ovtcharov gegen den 124 Positionen tiefer notierten Olexandr Diduch und die Spielpause für EM-Rekordchampion Timo Boll notwendig geworden war, schnell ab.

"Es ist normal, dass man etwas ausprobiert, wenn es um nichts mehr geht", sagte Roßkopf: "Es wird kein Problem sein, die Leistung wieder hochzuschrauben, wenn es darauf ankommt. Für die Topteams geht die WM ja auch erst jetzt im Viertelfinale richtig los."

Selbstkritisch und humorvoll

Dennoch wollte der in der Ukraine geborene Europameister Ovtcharov seinen Fauxpas nicht schönreden.

"Das war keine Glanzleistung. Ich hätte nach meinem 2:0 auch jeden der drei anderen Sätze noch gewinnen können und müssen", meinte der Olympia-Dritte selbstkritisch.

Augenzwinkernd wies der 25-Jährige auf die sportliche Bedeutungslosigkeit der Begegnung hin: "Für so ein schlechtes Spiel habe ich mir wenigstens die beste Partie ausgesucht."

Hoffnung auf Coup gegen China

Dadurch konnten sich immerhin die Team-WM-Debütanten Patrick Franziska und Steffen Mengel gegen die Nummer 26 der Mannschafts-Weltrangliste beweisen.

Team-Europameister Franziska avancierte mit zwei Punkten zum Matchwinner, Ex-Meister Mengel steuerte einen Punkt zum Sieg bei.

In den entscheidenden Spielen um den Gruppensieg gegen Kroatien und Hongkong war tags zuvor auf die beiden stark auftrumpfenden "Raketen Ovtcharov und Boll" (Franziska) Verlass gewesen.

Viertelfinale wohl gegen Schweden

Boll schürte deshalb bei Serien-Europameister Deutschland die Hoffnung auf einen Coup im Finale gegen Weltmeister China: "Unser Selbstvertrauen steigt von Sieg zu Sieg."

Zunächst einmal wartet am Samstag im Viertelfinale aber Ex-Champion Schweden oder Singapur. Das ergab am Donnerstag die Auslosung der Finalrunden.

Im Falle eines weiteren Erfolges würde das noch ungeschlagene deutsche Europameister-Team in der Vorschlussrunde am Sonntag voraussichtlich gegen WM-Gastgeber Japan um den Einzug ins Finale kämpfen.

Enttäuschung bei Frauen hält an

Im Damen-Lager wirkte trotz des Erfolgs gegen Serbien durch Punkte von Kristin Silbereisen, Petrissa Solja und Sabine Winter die gegen Hongkong verpasste Chance auf ein Achtelfinal-Freilos nach. "Die Enttäuschung ist noch da", gestand Solja nach dem Ende der Vorrunde.

Bundestrainerin Jie Schöpp richtete den Blick schon auf die Runde der besten 16: "Der zweite Platz in der Gruppe war unser ursprüngliches Ziel und erscheint nur durch unsere gute Leistung gegen Hongkong, als mehr für uns möglich war, etwas enttäuschend. Jetzt wollen wir aber im Achtelfinale wieder eine so gute Vorstellung liefern, damit wir das Viertelfinale als unser zweites Ziel erreichen."

Deutschland bekommt Zuschlag für WM 2017

Auf sportpolitischer Ebene ist der DTTB bei seinen Bemühungen um die Einzel-WM 2017 einen Schritt weiter: Der Kongress des Weltverbandes ITTF gab Deutschland als einzigem Bewerber den Zuschlag unter dem Vorbehalt, dass eine geeignete Ausrichterstadt präsentiert wird.

Die Suche danach könnte eine am Freitag in der ITTF-Spitze zur Diskussion stehende WM-Verkleinerung erleichtern.

"Eine WM auszurichten, ist längst auch eine Frage von Hallenkapazitäten und Kosten. Eine Reduzierung würde uns sehr helfen", sagte der DTTB-Chef und künftige ITTF-Chef Thomas Weikert.

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