Dimitrij Ovtcharov steht auf Weltranglistenplatz sechs © imago

Im Gleichschritt ziehen die DTTB-Teams ins EM-Endspiel ein. Die Herren jagen ohne Timo Boll einen Uralt-Rekord der Schweden.

Schwechat - In Chinesen-Manier sind die deutschen Tischtennis-Teams bei der EM in Schwechat in die Endspiele eingezogen und greifen am Montag nach ihrem ersten "Mannschafts-Double" in der 55-jährigen EM-Geschichte.

Das beinahe wie Chinas Weltmeister dominierende Herren-Team des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) setzte seinen Spaziergang zum sechsten Titel in Folge auch ohne den grippekranken Weltranglistenfünften Timo Boll (Düsseldorf) durch 3:0-Siege gegen Frankreich (Viertelfinale) und Russland (Halbfinale) fort und trifft im Finale (20.00 Uhr) entweder auf Griechenland.

Damen treffen auf Rumänien

Die DTTB-Damen, die ihre erste EM-Medaille seit Bronze 2007 in Belgrad sicherten, spielen nach ähnlich souveränen Auftritten gegen Österreich (3:0) und Tschechien (3:1) im Endspiel (16.30 Uhr) gegen Rumänien um ihren ersten EM-Titel seit 1998.

"Zwei Mannschaften im Finale sind eine hervorragende Bilanz. Bei den Herren konnte man trotz Bolls EM-Absage auch realistisch darauf hoffen, aber der Damen-Erfolg ist sehr hoch einzuschätzen", resümierte DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig.

Ungarn einziger "Double"-Gewinner

Bislang zweimal hatten beide DTTB-Teams bei einer EM die Endspiel erreicht.

Doch sowohl 2000 in Bremen als auch zwei Jahre später in Zagreb blieben sämtliche Titelträume für die Mannschaften unerfüllt.

Als bislang einzige Nation schaffte Ungarn bei den EM-Turnieren 1960, 1978 und 1982 das "Double".

Roskopf demonstriert Selbstbewusstsein

Im Herren-Lager betonte der Olympia-Dritte Dimitrij Ovtcharov (Hameln) die Bedeutung der bislang blütenweißen Weste ohne Boll:

"Der Finaleinzug beweist, dass unsere Mannschaft mehr gute Spieler als nur Timo oder mich hat. Wir wussten, dass wir auch ohne Timo stark genug sind, haben dem Druck bisher gut standgehalten und wollen jetzt auch den letzten Schritt machen."

Auch Bundestrainer Jörg Roßkopf demonstrierte nach dem imponierend sicheren Einzug der Olympia-Dritten und WM-Zweiten ins Endspiel Selbstbewusstsein:

"Das wird sicher schwer, aber wir sind bei dieser EM in jedem Spiel Favorit und nehmen diese Rolle auch an."

DTTB jagt Schweden-Rekord

Der Ex-Doppelweltmeister, vor sechs Jahren noch als Spieler am ersten EM-Triumph der DTTB-Herren beteiligt, setzte in beiden Wochenendspielen erneut erfolgreich auf den Weltranglistensechsten Ovtcharov, den zweimaligen EM-Zweiten Patrick Baum (Düsseldorf) und Ex-Jugendeuropameister Patrick Franziska (Fulda).

Sollte Rokopfs Mannschaft ihren Titel zum fünften Mal nacheinander erfolgreich verteidigen, würden die DTTB-Herren die 39 Jahre alte Bestmarke von Rekordsieger Schweden einstellen.

Letzter EM-Titel vor 15 Jahren

Auch die DTTB-Damen, für die gegen Tschechien Han Ying (2) und Petrissa Solja punkteten, blickten mit der sicheren Podestplatzierung ihrem zehnten EM-Finale (zuletzt 2002) zuversichtlich entgegen.

"Es musste ja mal endlich wieder mit der Medaille klappen. Wir sind sind ein heißer Kandidat auf den Titel und wollen Europameister werden. Wir haben hier mit die stärkste Mannschaft", sagte die frühere EM-Fünfte Kristin Silbereisen (Berlin).

Zum vierten und bislang bislang letzten EM-Titel für ein deutsches Damen-Team hatte vor 15 Jahren in Eindhoven die heutige Bundestrainerin Jie Schöpp maßgeblich beigetragen.

DTTB auch sportpolitisch erfolgreich

Auch auf sportpolitischem Parkett verbuchte das deutsche Tischtennis einen Erfolg.

Bei den Neuwahlen zum Präsidium des Europa-Verbandes ETTU nach dem Rücktritt des bisherigen Verbandschefs Stefano Bosi (Italien) wurde DTTB-Vizepräsidentin Heike Ahlert (Schleswig) in gleicher Funktion in die Führungsmannschaft des neuen ETTU-Präsidenten Ronald Kramer (Niederlande) gewählt.

Vor Ahlerts Wahl war der DTTB als Europas größter Nationalverband in der ETTU zuvor gut ein Jahr ohne maßgeblichen Einfluss, nachdem Bosi den früheren WM-Zweiten Eberhard Schöler (Düsseldorf) als seinen Stellvertreter nach 18-jähriger Amtszeit ausgebootet hatte.

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