Timo Boll (l.) und Bastian Steger hatten im Finale gegen China mit 0:3 das Nachsehen © getty

Das 0:3 im WM-Finale von Dortmund zeigt: Der Abstand der deutschen Herren zu den Chinesen ist kein bisschen kleiner geworden.

Dortmund - Timo Boll konnte dem verlorenen Kampf gegen die chinesischen Windmühlen noch etwas Gutes abgewinnen.

"Diese Erfahrung ist für uns natürlich Gold wert. Sie gibt uns Motivation, uns noch einen Tick näher heranzuarbeiten", sagte der Tischtennis-Star müde lächelnd, bevor er sich mit seinen Kollegen zur Siegerehrung der Team-WM in Dortmund aufmachte.

Dort bot sich Boll und Co. das altbekannte Bild: Links von ihnen auf dem Siegerpodest bekamen die Spieler des Rekord-Weltmeisters aus China die Goldmedaillen umgehängt (Chinesische Mauer: Wieder nur WM-Silber für Boll und Co).

"Abstand ist größer geworden"

0:3 hatte die "beste deutsche Mannschaft, die es je gab", wie Bundestrainer Jörg Roßkopf bereits vor der WM geurteilt hatte, zuvor im Traumfinale gegen die Chinesen verloren.

Roßkopf, der im Doppel mit Steffen Fetzner 1989 an gleicher Stelle das bislang einzige deutsche Herren-WM-Gold gewann, hatte es bereits vor dem Turnier geahnt.

"Der Abstand der Chinesen ist größer geworden", prognostizierte der 42-Jährige.

China athletisch überlegen

In Sachen Athletik sind Spieler wie das Finaltrio Ma Long, Wang Hao und Zhang Jike, die Top 3 der Welt, den Deutschen noch um einiges voraus.

"Die haben eine gewaltige Power in den Schlägen. Da müssen wir zulegen", sagte Boll, der mit dem 2:3 im Endspiel gegen Einzel-Weltmeister Zhang Jike einem Sieg noch am nächsten kam (EXKLUSIV: Timo Boll im Interview).

Doch diese Aufholjagd dürfte bis zu den Olympischen Spielen in London schwer zu leisten sein, wenngleich Boll ankündigte: "Ich werde zusehen, dass ich mein Grundniveau noch einen Tick erhöhe."

Ziel: Nummer zwei bleiben

Hinter den übermächtigen Chinesen sind die Deutschen, die bis zum Endspiel nur ein Einzel in Dortmund verloren hatten, die unangefochtene Nummer zwei der Welt - noch.

"Ich glaube, dass wir aufpassen müssen, dass wir unsere Hausaufgaben machen, um die Nummer zwei zu bleiben", mahnte Roßkopf.

Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig schlug in die gleiche Kerbe: "Im Leistungssport ist Stagnation Rückschritt. Um das Niveau auch in Zukunft zu halten, müssen wir noch härter arbeiten, das fängt in der Talentförderung an." (Ovtcharov: Das "unheimliche" Juwel in Bolls Schatten)

Boll kündigt Gastspiel in China an

Resignation wollte die silberne Generation trotz der erneut gescheiterten Wachablösung nicht aufkommen lassen.

"Wir werden nie näher herankommen, wenn wir jetzt sagen: Die Chinesen sind einfach zu gut. Wir dürfen uns nicht ergeben, man muss immer weiterackern", sagte Boll und kündigte ein erneutes Gastspiel in der chinesischen Liga an, um sich noch häufiger mit den Besten der Welt messen zu können.

"Nur so gewöhnst du dich an dieses Niveau", sagte der Weltranglistensechste.

Der 31-Jährige konnte in der Niederlage sogar noch mehr Gutes entdecken. "In zwei Stunden habe ich mich von diesem Spiel erholt, dann bin ich wieder ganz der Alte. Aber wer weiß schon, wie es mir gehen würde, wenn wir gewonnen hätten?", sagte Boll und da blitzte es wieder auf: sein zuversichtliches - wenn auch müdes - breites Lächeln.

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