Wilhelm Plenkers wird von den Schalker Fans Trompeten-Willy genannt © imago

Trompeten-Willy spricht bei SPORT1 über die Rivalität zum BVB, den Wandel der Fankultur und seine Rolle beim Fantausch.

Von Benjamin Bauer

München - Seine Fanfare kennt jeder Fußball-Fan. Wenn Wilhelm Plenkers mit seiner Trompete im Schalker Fanblock zur Attacke bläst, erstarren selbst die Gegner in Ehrfurcht.

Trompeten-Willy, wie Plenkers in Fankreisen genannt wird, ist absoluter Insider der Fanszene und stellt sich beim SPORT1-Fantausch (Mo. bis Do., 17.45 Uhr im TV auf SPORT1) einer harten Herausforderung.

Bei SPORT1 spricht er über die Rivalität zu Borussia Dortmund, die Geschichte seiner Fanfare und bricht für Hoffenheim eine Lanze.

SPORT1: Herr Plenkers, wie kam es eigentlich dazu, dass Sie die Fanfare in der Kurve spielen?

Wilhelm Plenkers: Ich habe damals im Fanfarenchor im Blasorchester gespielt. Und da haben mich die Leute gefragt, ob ich am Geburtstag eines Kollegen in einer Kneipe nicht die Trompete mitbringen könnte, um ihm ein Ständchen zu spielen. Und dann kam der Wirt und meinte: "Willi, wenn du das nächste Mal ohne Trompete kommst, hast du Hausverbot. Wenn du mit Trompete kommst, kriegst du zehn Freibier." Und so hab ich die jedes Mal bei den Heimspielen mit in die Kneipe gebracht und irgendwann kam jemand auf die glorreiche Idee, dass ich die Trompete auch mal ins Stadion mitnehmen sollte.

SPORT1: Sie besitzen eine Kneipe. Welcher aktuelle oder auch ehemalige Schalker Spieler dürfte bei Ihnen die Zeche prellen?

Plenkers: Marc Wilmots darf jederzeit kommen und in meiner Kneipe frei trinken. Ansonsten noch Ebbe Sand, Klaus Fischer. Auch Ernst Kuzorra und Fritz Szepan hätten gedürft.

SPORT1: Sie sind beim Fantausch dabei. Was ist das Schlimmste, was man einem Schalker Fan antun kann?

Plenkers: Das, was ich bekommen habe - eine Zecke. Ein Schwarz-Gelber ist schon das Schlimmste, was mir passieren konnte. Schalke und BVB mögen sich gar nicht und die Bayern im Augenblick durch den Manuel-Neuer-Transfer auch nicht. Auch wenn man ihre sehr erfolgreiche Saison neidlos anerkennen muss. Rot-Weiß Essen und Köln muss ich persönlich nicht haben. Und Hertha BSC auch nicht.

SPORT1: Und wen mögen Sie?

Plenkers: Mit Nürnberg und Union Berlin habe ich keine Probleme. Auch mit Hannover komme ich ganz gut klar. Ich würde sogar mit einem Hoffenheimer klarkommen, weil ich die Ecke da mag. Es wird gegen Hoffenheim immer gehetzt, dabei haben sie nur das getan, was rechtens ist. Mit Geld kann man alles kaufen, das ist nunmal so im Leben. Auch stellenweise Erfolg.

SPORT1: Und was würden Sie gern mal einem Dortmunder antun?

Plenkers: Ärgern, frotzeln, bescheuerte Streiche spielen - das gehört zum Derby dazu. Was wäre Schalke ohne Dortmund und was wäre Dortmund ohne Schalke? Das ist wie Pommes ohne Ketchup oder Mayo. Da fehlt was. Wenn es den Verein nicht und somit auch keine Derbys geben würde, hätten wir doch gar nichts zum Aufregen.

SPORT1: Warum sollte der Zuschauer beim Fantausch einschalten?

Plenkers: Ich kann es nur von meiner Seite sprechen: Wir haben die Zecke ganz gut leiden lassen, es war ganz lustig. Er hat überlebt, er ist nicht geschlagen, getreten bespuckt worden oder ähnliches. Er hat sich richtig schön schusselig angestellt - wie nicht anders von einer Zecke zu erwarten. Er ist aber ansonsten ein netter Mensch, mit dem man auch vernünftig reden kann. Es lohnt sich auf jeden Fall.

SPORT1: Sie sind seit vielen Jahren dabei. Wie hat sich die Fankultur gewandelt?

Plenkers: Jede Zeit hat ihre Eigenheiten: Früher im Parkstadion hattest du den alten Trommler Catweazle, der am Mast stand. Da hast du nur fünf, sechs andere mit einer lauten Stimme gebraucht und hast dann die ganze Kurve beschallen können. Es musste nur eine laute Stimme anfangen, ein Lied anzustimmen und alle anderen stimmten ein. Heutzutage ist es eher so, dass die Jugend das mit der Ultra-Szene an sich gerissen hat. Es ist zum größten Teil jüngeres Publikum anwesend mit Megafon und Beschallungsapparaten.

SPORT1: Und der Fußball an sich? Sind Ihnen Business-Seats, Logen und der ganze Eventcharakter ein Dorn im Auge?

Plenkers: Das Problem an diesem Event-Charakter ist, dass du die ganzen Logen brauchst, um unseren Fußball zu finanzieren. Da kann man die Butter nicht vom Fisch nehmen. Darüber, dass uns das nicht gefällt und wir da lieber Stehplätze hätten, brauchen wir nicht zu reden. Aber in die Nordkurve gehören keinen VIP-Lounges rein. Ich war mehrmals in der Veltins Lounge, in der Gazprom Lounge und im Laola-Club: Wenn du da mit Kutte und Trompete auftauchst, wirst du doof angeguckt.

SPORT1: Gibt es eigentlich noch wahre Fanfreundschaften oder ebbt das ab?

Plenkers: Wir haben erst kürzlich wieder unsere Fanfreundschaft mit Eisern Union erlebt, als 15 Leute zu Besuch waren. Auch die Freundschaft mit Twente Enschede ist immer noch am Leben, viele Holländer kommen jedes Spiel runter. Mit Nürnberg wird die Freundschaft auf jeden Fall gelebt: Wir stehen zusammen in der Kurve und unterstützen uns gegenseitig.

SPORT1: Wer wird Meister der kommenden Saison?

Plenkers: Ich träume seit über 50 Jahren davon, Deutscher Meister zu werden und den Traum werde ich, bis ich sterbe, auch nicht aufgeben. Wir werden Erster, auch wenn die Bayern unschlagbar scheinen.

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