Johnny Depp als Vampir Barnabas Collins in Tim Burtons neuem Film © getty

Johnny Depp als Vampir, der nach 200 Jahren Tiefschlaf in den Siebzigerjahren erwacht. Wunderbar schräger Tim Burton-Film!

Als Vampir Barnabas Collins nach 200 Jahren seinen Sarg verlässt, mischen sich in seiner Reaktion Staunen und Zorn.

Die Welt der 1970er Jahre ist ihm so fremd wie seine letzten Nachkommen, die Frau aber, die jetzt den Ton in der Stadt angibt, so vertraut wie verhasst, weil sie, eine verführerische, aber eifersüchtige Hexe, einst seine große Liebe tötete und ihn zum Untoten machte.

Kann Barnabas seiner zerrütteten Familie näherkommen und dabei die romantisch gestörte stalkende Zauberin auf Distanz halten?

Aus der Kino.de-Kritik

In einer melancholischen Komödie beobachten Tim Burton und Johnny Depp, wie ein Vampir nach Jahrhunderten im Sarg seine Nachkommen und die 1970er Jahre entdeckt.

Die achte Zusammenarbeit ist sichtbar den Sensibilitäten und kreativen Präferenzen des kongenialen Duos verpflichtet, ermöglicht Depp ein weiteres exzentrisches Exotenporträt und Burton die Rückkehr zum gothic Grusel von "Sleepy Hollow", gekoppelt mit einer Liebeserklärung an romantische Seelen und ihren Platz im Leben suchende Außenseiter.

Weil die gleichnamige Vorlage, die zwischen 1966 und 1971 täglich ausgestrahlte, von übernatürlichen Kreaturen bevölkerte Soap, deutschen Zuschauern unbekannt ist, muss "Dark Shadows" nostalgisch verklärte Puristen nicht fürchten, kann unbelastet nachweisen, dass der Hölle Zorn nichts gegen die Rache einer verschmähten Frau ist.

Der Prolog enthüllt den wirtschaftlich-sozialen Aufstieg der englischen Auswandererfamilie Collins im Amerika des ausgehenden 18. Jahrhunderts und ihren Niedergang, als Sohn Barnabas (Depp) nicht den Körper, wohl aber die Liebeserklärungen der Magd Angelique (Eva Green) zurückweist.

Die Reaktion der Dame, die sich als Hexe outet, fällt dramatisch aus, führt zum Tod von Barnabas' wahrer Liebe und zu seiner Verwandlung in einen Vampir, der in einem verschlossenen Sarg entsorgt wird.

Als Barnabas 1972 durch einen Zufall sein Gefängnis wieder verlassen kann, stößt er auf seine letzten entfernten Verwandten, die in seinem heruntergekommenen Anwesen wohnen, aber auch auf die unsterbliche Hexe, die sich unverändert von ihm besessen und damit verhaltensgestört zeigt.

Mit seiner Star-Besetzung, erweitert durch Michelle Pfeiffer und Chloë Moretz, und einem bestechenden visuellen Gesamteindruck deutet "Dark Shadows" eine Größe an, mit der das Drehbuch nicht immer korrespondiert, wenn es sich auf die Dynamik zwischen Hexe und Vampir konzentriert, dafür das exotische Familienporträt etwas vernachlässigt wie auch die komischen Kollisionen des aus seiner Zeit gerissenen Vampirs mit der Späthippie-Ära nicht ausreizt.

Obwohl sich Burton der Komödie nur zurückhaltend verschreiben, sein Film nie die "Addams Family" sein will, gibt es genügend Gags der schrägen Art, über die man sich amüsieren kann und für die Actionfans einen effektgeladenen Showdown, bei dem sich "Der Tod steht ihr gut" und "Der Rosen-Krieg" begegnen.

Über allem aber thront Johnny Depp mit antiquiertem Sprachduktus, Kabuki-Make-up und theatralischem Gang - und ein romantisches Plädoyer für die Liebe, das selbst bösen Hexenherzen Vergebung verdienen lässt. kob.

Genre: Drama/HorrorKinostart: 10. Mai 2012Verleih: WarnerJahr: 2012Regie: Tim BurtonSchauspieler: Johnny Depp, Michelle Pfeiffer, Helena Bonham Carter, Jonny Lee Miller, Chloë Grace Moretz

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