Die beste Tennisspielerin der Welt war eine Nummer zu groß für Angelique Kerber: Die Kielerin hat in ihrem ersten Match beim WTA-Finale in Istanbul die befürchtete Lehrstunde von Titelverteidigerin Serena Williams erhalten.

In nur 64 Minuten unterlag die insgesamt chancenlose Kerber der 17-maligen Grand-Slam-Siegerin 3:6, 1:6. Die 25 Jahre alte Kerber war bereits im Vorjahr bei ihrem Masters-Debüt in drei Spielen sieglos geblieben.

In ihrem nächsten Gruppenmatch am Donnerstag gegen die Polin Agnieszka Radwanska oder die Tschechin Petra Kvitova, die am Dienstagabend aufeinander trafen, steht Kerber bereits unter Siegzwang, um nicht frühzeitig alle Chancen auf den Halbfinal-Einzug zu verspielen. Letzte Deutsche in der Vorschlussrunde des Saisonfinals war 1998 Steffi Graf.

Für Kerber war es im vierten Duell mit der dominierenden Spielerin des Jahres die dritte Niederlage. Schon 2012 hatte Williams die deutsche Nummer eins in der Masters-Vorrunde glatt mit 6:4, 6:1 bezwungen. Die Neuauflage verlief am Dienstag ähnlich einseitig.

Kerber begann gegen Williams nervös, gab direkt ihr erstes Aufschlagspiel ab und vergab im Anschluss zwei Breakbälle zum 1:2. In der Folge bemühte sich Kerber zwar, mutig mitzuspielen und ging gerade mit den Grundschlägen viel Risiko, konnte ihre hochfavorisierte Gegnerin aber nicht ernsthaft gefährden.

Nach 34 Minuten machte Williams den Gewinn des ersten Satzes perfekt. Auch in Durchgang zwei kassierte Kerber sogleich ein Break, ihr Widerstand war damit gebrochen - der Rest war für Williams ein Spaziergang.

Kerber war optimistisch nach Istanbul gereist. Obwohl sie im vergangenen Jahr bei ihrem Masters-Debüt mit drei Niederlagen in drei Matches Lehrgeld gezahlt hatte. Doch dank des Turniersieges in Linz vor gut einer Woche und den guten Ergebnissen bei der Asien-Tour zuvor glaubt "Angie" am Bosporus an ihre Chance.

"Ich habe mich als Letzte qualifiziert. Vielleicht werden die Letzten die Ersten sein", sagte sie dem "SID". Auch eine Art Genugtuung schwingt nach vielen Aufs und Abs im Jahr 2013 mit. "Ich habe es meinen Kritikern gezeigt. Ich bestätige jetzt seit zwei Jahren, dass ich da oben mitspielen kann, und stehe seitdem in den Top Ten. Ich muss mich vor niemandem verstecken", meinte die Linkshänderin, die keine einfache Saison hinter sich hat.

Doch ausgerechnet das Turnier in Wimbledon wurde für Kerber zum Wendepunkt. Nach ihrem überraschenden Zweitrunden-Aus und wüsten Drohungen im Internet dachte sie bei einem Kurzurlaub auf Mallorca um. Mit Erfolg. Die Freude und die Leidenschaft auf dem Court, die sie einst in die Weltspitze führten, kehrten zurück.

Und mehr noch: "Ich hatte mich selbst zu sehr unter Druck gesetzt. Aber ich habe mich selbst da rausgeholt." Das sei nochmal ein "ganz wichtiger Schritt" nach vorne gewesen.

"Wenn ich mal schlecht spiele, mache ich kein Drama daraus", berichtete sie über die Rückkehr zur alten Kerber. Dementsprechend dürfte auch die Niederlage gegen Williams kein Drama sein - viel vorzuwerfen hat sich Kerber nicht.

Im ersten Spiel des WTA-Finals in Istanbul gewann die Weißrussin Victoria Azarenka zuvor souverän mit 7:6 und 6:2 gegen die Italienerin Sara Errani.

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