Mona Barthel ist seit 2009 als Profi auf der WTA-Tour unterwegs © getty

Mona Barthel macht auch nach ihrem zweiten WTA-Turnier-Triumph ihr eigenes Ding. Im Fed-Cup will sie momentan nicht spielen.

Paris/München - Es war nett gemeint, doch die Glückwünsche konnten die derzeit erfolgreichste deutsche Tennisspielerin gar nicht erreichen.

"Saubere Leistung Mona Barthel! Das nennt man Nachfolgerin", twitterte Vorjahressiegerin Angelique Kerber, nachdem die 22-jährige Barthel das WTA-Turnier in Paris gewonnen hatte (Bericht).

Bundestrainerin Barbara Rittner nutzte ebenfalls ihren Lieblingskanal zur Gratulation und verkündete aller Welt: "Starke Leistung."

Barthel ist allerdings gar nicht bei "Twitter" angemeldet. Anders als das komplette deutsche Fed-Cup-Team.

Fed-Cup ohne Barthel

Die jungen deutschen Damen inklusive Chefin Rittner loben, unterstützen und necken sich im sozialen Netzwerk, sodass jeder, wenn er denn möchte, daran teilhaben kann.

Barthel möchte das nicht. Und sie möchte auch nicht am Duell mit Frankreich in Limoges am kommenden Wochenende teilnehmen.

Das hatte sie Rittner bereits während der Australian Open in Melbourne mitgeteilt.

Nicht nachvollziehbar

In diesem Jahr steht für Mona Barthel ihre Einzelkarriere im Vordergrund.

"Ihre Absage kam überraschend. Ich respektiere und akzeptiere Monas Entscheidung, aber nachvollziehen kann ich sie nicht", sagte Rittner und ließ durchblicken, dass Barthel nicht zum verschworenen Kreis der DTB-Damen gehört:

"Ich bin stolz, dass die anderen Mädels anders ticken."

Barthel und ihre Homepage

Auch Mona Barthel ist stolz, dass sie anders tickt. Ihre Leidenschaft gehört nicht "Twitter" und "Facebook". Sie gestaltet und bestückt stattdessen ihre eigene Homepage.

"Ich liebe diese kreative Arbeit", schreibt sie:

"Dadurch, dass das Design und die Texte von mir persönlich sind, bekommt diese Website etwas ganz speziell Authentisches und besteht zu 100 Prozent aus mir."

Im Zelt auf Tour

Abiturientin Barthel, in Bad Segeberg geboren und in Neumünster aufgewachsen, tourt mit ihrer Mutter Hannelore, einer pensionierten Lehrerin, um die Welt.

Noch vor wenigen Jahren zeltete das Duo bei Turnieren, um Kosten zu sparen. Hannelore Barthel ist der Boss im Team, sie plant, analysiert und leitet die Karriere ihrer Tochter.

Sie wird ein wichtiges Wort mitgesprochen haben, bevor Mona Bundestrainerin Rittner absagte.

"Ein großartiges Jahr"

Seit Januar 2012 zahlt sich Barthels Weg aus. In Hobart/Tasmanien gewann sie ihr erstes WTA-Turnier und schlug auf dem Weg dorthin unter anderem Angelique Kerber.

Nun also der erste große Titel bei einem Premier-Turnier, 94.355 Euro Preisgeld und der Sprung unter die besten 30 Spielerinnen der Welt. (DATENCENTER: Allee Ergebnisse)

"Ich denke, es wird ein großartiges Jahr für mich", sagte Barthel.

Errani zollt Respekt

Die Anerkennung der Top-Leute hat sie sich mittlerweile erarbeitet.

"Mona schlägt so gut auf, sie spielt stark von der Grundlinie und bewegt sich schnell. Ich habe mein Bestes gegeben, aber sie war einfach nicht zu bezwingen", sagte die Weltranglistensiebte Sara Errani aus Italien, nachdem Barthel sie im Finale von Paris 7:5, 7:6 (7:4) geschlagen hatte.

In ihrer derzeitigen Verfassung wäre Barthel mehr als ein Gewinn für die Nationalmannschaft, zumal Kerber und Andrea Petkovic in Frankreich verletzt fehlen.

Barthel könnte den DTB außerdem vor einem Fiasko bewahren: Nach der 0:5-Pleite der Männer in Argentinien droht der zweite Abstiegsstrudel.

Mauresmo ist froh

Doch Barthel tickt eben anders, erfolgreich anders.

Ganz zur Freude der französischen Teamchefin Amelie Mauresmo.

"Ich bin froh, dass du in der kommenden Woche nicht beim Fed Cup in Limoges dabei bist", sagte die ehemalige Grand-Slam-Siegerin, nachdem Barthel in Paris unter anderem Marion Bartoli und Kristina Mladenovic und damit die halbe französische Nationalmannschaft geschlagen hatte.

Weiterlesen