Mona Barthel konnte in ihrer Karriere bislang einen Sieg auf der WTA-Tour feiern © imago

Vor den Roland Garros spricht Mona Barthel bei SPORT1 über ihren Aufstieg, die deutsche Konkurrenz und ihre Paris-Favoritin.

Von Benjamin Bauer

München - Mona Barthel war bis vor einigen Monaten nur den eingefleischten Tennis-Fans ein Begriff. Mittlerweile hat sich die 21-Jährige auch auf der WTA-Tour einen Namen gemacht.

Mit ihrem ersten Turniersieg im Januar im australischen Hobart gelang Barthel dann der endgültige Durchbruch (Bericht).

Durch weitere starke Matches wie den Erfolgen gegen die ehemalige Nummer eins Ana Ivanovic und Top-Ten-Spielerin Marion Bartoli kletterte Barthel innerhalb weniger Wochen von Rang 67 bis auf 31 in der WTA-Weltrangliste.

Vor den French Open (27. Mai bis 10. Juni im LIVE-TICKER) spricht die Blondine aus Bad Segeberg im Interview der Woche über ihren rasanten Aufstieg, die Konkurrenz im eigenen Lager und das anstehende Grand-Slam-Turnier.

SPORT1: Frau Barthel, zu Beginn des Jahres feierten Sie den ersten Turniersieg auf der WTA-Tour, mittlerweile stehen Sie in den Top 30 der Weltrangliste. Wie lauten Ihre weiteren Ziele?

Mona Barthel: Ich mache es nicht wirklich vom Ranking abhängig. Das Wichtigste ist, dass ich mein Spiel weiter entwickle, gesund bleibe und das Jahr durchspielen kann. Sicher ist noch Luft nach oben, aber man weiß nicht was passiert, und deswegen lege ich mich da jetzt nicht auf eine Zahl fest. Wenn man sich weiter entwickelt, kommt das Ranking von ganz alleine (SERVICE: WTA-Weltrangliste).

SPORT1: Sie haben zuerst Abitur gemacht und sich dann auf das Tennis konzentriert. Wird man mit diesem mittlerweile seltenen Werdegang von den Kolleginnen anders betrachtet?

Barthel: Ich denke nein. Jeder macht im Endeffekt sein eigenes Ding und konzentriert sich auf sich selbst. Natürlich versteht man sich mit der einen oder anderen Spielerin etwas besser, aber ich denke das hängt nicht damit zusammen, ob jemand Abitur hat oder nicht. Da zählt zunächst die Persönlichkeit - sonst nichts.

SPORT1: Wo sehen Sie in Ihrem Spiel am meisten Entwicklungspotenzial?

Barthel: Es gibt so viel, was ich in meinem Spiel noch weiterentwickeln möchte. Ich denke mein Aufschlag ist schon jetzt eine große Stärke, aber wenn ich da noch mehr Konstanz reinbringe, würde mir das sehr helfen. Der zweite Aufschlag könnte noch etwas aggressiver sein. Da gibt es also schon noch Einiges, aber das Wichtigste ist die Spielpraxis auf hohem Niveau. Auf Platz 200 spielt man eben meistens gegen die Leute der eigenen Region. Je mehr Matches ich gegen Top 10 bzw. Top 20 Spielerinnen absolviere, desto mehr Routine bekomme ich.

SPORT1: Gegen Viktoria Asarenka und Caroline Wozniacki haben Sie dieses Jahr knapp verloren. Was haben die beiden Ihnen noch voraus - ist das nur Erfahrung?

Barthel: Schwer zu sagen. Natürlich spielt die Erfahrung eine große Rolle. In den wichtigen Momenten spielen die ein bisschen besser und steigern sich in den engen Matches.

SPORT1: Angelique Kerber, Andrea Petkovic, Sabine Lisicki und Julia Görges sind in aller Munde und stehen mehr im Rampenlicht. Sind Sie froh darüber, dass Sie aus deren Windschatten kommen?

Barthel: Das hat positive und negative Seiten. Hätte ich meine Erfolge vor drei oder vier Jahren gefeiert, hätte ich viel mehr Aufmerksamkeit erhalten. Auf der anderen Seite habe ich dadurch mehr Zeit zur Entwicklung und Freiheiten. Es ist aber schade, dass ich mit Weltranglistenplatz 30 nicht im Fed-Cup-Team spielen kann. Es ist Fluch und Segen. Aber ich freue mich, dass wir so viele gute deutsche Spielerinnen haben und wir kennen uns ja teilweise schon von früher und da ist es schön, wenn wir uns bei den Turnieren treffen.

SPORT1: Bei den Herren dominieren Novak Djokovic, Rafael Nadal, Roger Federer und Andy Murray seit Jahren. Bei den Damen gibt es diese Konstanz nicht. Ist das gut oder schlecht für das Damen-Tennis?

Barthel: Das kann man so gar nicht sagen. Als Federer lange dominiert hat, haben die Leute von Langeweile gesprochen und wollten Abwechslung. Bei den Damen haben wir die Abwechslung, und da beschweren sich dann die Leute, dass niemand dominiert. Die Zuschauer wissen selber nicht genau, was sie wollen - oder jeder will etwas anderes. Ich denke beides kann spannend sein. Es ist doch auch schön, wenn man zu einem Turnier geht und nicht weiß, wer gewinnt. Aber auch Dominanz hat auch etwas Schönes. Beides hat eben Vor- und Nachteile, und jede Zeit ist anders. Vielleicht kommt bald wieder eine Spielerin, die dominiert. Asarenka hat das Anfang des Jahres eigentlich schon gemacht und bisher nur drei Matches verloren. Das ist stark, aber die Abwechslung ist schön.

SPORT1: Die French Open stehen vor der Tür: Was rechnen Sie sich aus?

Barthel: Letztes Jahr hat in Paris alles angefangen: Ich kam aus der Qualifikation, stand erstmals im Hauptfeld bei einem Grand Slam und hab die zweite Runde erreicht. Von da an kam das alles ins Rollen und ich spiele auf höherem Niveau. Es kommt natürlich auch etwas auf die Auslosung an - aber da ist schon viel drin. Ich habe schon gezeigt, dass ich auf sehr gutem Niveau spielen kann und da muss man mal gucken - aber alles ist möglich.

SPORT1: Wer ist Ihre Favoritin?

Barthel: Serena Williams ist, wenn sie topfit ist, einfach die Nummer eins. In Madrid hat sie wieder gezeigt, auf welch hohem Niveau sie spielen kann - trotz weniger Turniere und wenigen Matches. Sie kommt aus dem Nichts und gewinnt die Turniere. Für mich ist sie die Favoritin. Auch Asarenka, Scharapowa oder eine Radwanska haben ein Superjahr gespielt und gehören zum Favoritenkreis. Es ist alles sehr eng, und es gehört auch Glück dazu.

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