Kerber ist seit über zwei Jahren in den Top Ten der Weltrangliste © getty

Bei den French Open findet Angelique Kerber endlich wieder Spaß. Im Achtelfinale wartet aber eine knifflige Aufgabe.

Paris - Die Magie von Paris hat Angelique Kerber erfasst.

Seitdem die deutsche Nummer eins in der französischen Metropole weilt, scheint die Tristesse der letzte Wochen wie verflogen. Was sich auch auf dem Court zeigt.

"Ich bin zurück. Mein Herz ist wieder da, ich kämpfe um jeden Punkt und habe den Spaß am Tennis wiedergefunden", sagte die 26-jährige Kerber nach dem 7:5, 6:3 gegen die Slowakin Daniela Hantuchova und ihrem dritten Einzug ins Achtelfinale der French Open in Folge. (täglich ab 11 Uhr im LIVE-TICKER)

"Ich kann hier weit kommmen"

Dort wartet am Sonntag Australian-Open-Halbfinalistin und Nürnberg-Gewinnerin Eugenie Bouchard aus Kanada auf die Weltranglistenneunte.

Eine knifflige Aufgabe, aber die Zeit in Roland Garros läuft offenbar für die wiedererstarkte Kerber.

Zumal ihre Chancen auf den großen Coup am Bois de Boulogne durch das anhaltende Favoritensterben von Tag zu Tag steigen.

"Wenn ich gut spiele", erklärte "Angie", "dann kann ich hier weit kommen".

Das befürchtete Loch

Dabei war Kerber vor gut einer Woche mit einer großen Portion Unsicherheit an die Seine gereist. Im Gepäck eine negative Sandplatz-Bilanz mit nur zwei Siegen in fünf Matches. Ungewöhnlich für die Paris-Viertelfinalistin von 2012. Aber doch erklärbar.

Nach den Strapazen rund um das Fed-Cup-Halbfinale Mitte April beim 3:1-Sieg in Australien mit Jetlag und Flugstress war Kerber in das befürchtete Loch gefallen.

"Sowohl mental als auch körperlich habe ich mich nicht gut gefühlt", sagte die Kielerin.

Zähne, Blut - das ganze Programm

Die zudem von einer Rückenblockade gehandicapte Kerber reagierte und ließ sich nach dem frühen Ausscheiden in Stuttgart und Rom sowie der verletzungsbedingten Aufgabe in Madrid "von oben bis unten" durchchecken. (SHOP: Jetzt Tennis-Artikel kaufen)

Zähne, Blut - das ganze Programm eben.

Ergebnis nach den zahlreichen Untersuchungen am Chiemsee: Alles okay.

"Das war vor allen Dingen wichtig für den Kopf", meinte sie.

Unsicher und ohne Rhythmus

Beim Nürnberger Versicherungscup reichte es für die Topgesetzte dann trotzdem nur zum Viertelfinale.

"Die Matches dort haben mir geholfen. Aber ich war unsicher, der Rhythmus fehlte", räumte Kerber ein. Und eben auch der alte unbändige Kampfgeist, der sie eigentlich auszeichnet.

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Das ungute Gefühl verschwand erst, als sie am vergangenen Wochenende in Paris eintraf. In der Stadt, in der sie im Februar 2012 ihren ersten von bisher insgesamt drei Turniersiegen gefeiert hatte.

Damals bezwang sie im Finale des Hallenturniers im Coubertin Stadium Lokalmatadorin Marion Bartoli (Frankreich) in drei hart umkämpften Sätzen.

Flucht vom Mensch-ärgere-dich-Spiel

Die Erinnerung hilft.

"Seitdem ich in Paris bin", erzählte Kerber, "fühle ich mich gut".

Selbst die Tatsache, dass die Vorbereitung auf die Partie gegen Hantuchova am Freitagabend alles andere als optimal lief, fiel nicht ins Gewicht.

"Beim Mensch-ärgere dich-Spielen mit meinem Team vor dem Match habe ich mich doch geärgert und bin dann irgendwann raus aus dem Raum", meinte Kerber schmunzelnd.

Oma aus Polen als Glücksbringer

In diesen Tagen genießt sie im Stade Roland Garros auch das Fed-Cup-Feeling.

In Bundestrainerin Barbara Rittner, Assistent Dirk Dier, der in Paris als Hitting Partner fungiert, und `Doc" Ulf Blecker sitzen drei wichtige Stützen der Fed-Cup-Mannschaft in Kerbers Box. Dazu ihr Chefcoach Benny Ebrahimzadeh, der immer wieder neue Impulse zu geben vermag.

Gut möglich, dass in den nächsten Tagen auch Kerbers Glücksbringer anreist: Die tennisbegeisterte Oma aus Polen.

An Bouchard hat die deutsche Nummer eins gute Erinnerungen. Im vergangenen Jahr besiegte Kerber die 20-Jährige in der zweiten Runde der US Open in drei Sätzen. Allerdings auf Hartplatz.

"Ich muss versuchen aggressiv zu sein und mein Spiel durchzuziehen", kündigte die Linkshänderin an. Dabei soll der wiederentdeckte Spaß bei "Kämpferherz" Kerber nicht zu kurz kommen: "Ich will jeden Moment genießen."

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