Immer wieder die rechte Schulter: Tommy Haas ist raus. Die Bilder zum DURCHKLCKEN. © imago

Tommy Haas muss bei den French Open erneut verletzt aufgeben. An ein bevorstehendes Karriereende denkt er nicht.

Paris - Tommy Haas saß wie ein Häufchen Elend auf der Bank und begrub sein Gesicht in den Händen.

Es herrschte gespenstische Stille auf Court drei im Stade Roland Garros. Wenig später folgte die traurige Gewissheit: Haas gab in der ersten Runde der French Open (täglich ab 11 Uhr im LIVE-TICKER) gegen Jürgen Zopp aus Estland auf - bei eigener 5:2-Führung.

Wie so oft in den vergangenen Monaten hatte der 36-Jährige den Kampf gegen seinen Körper verloren.

"Ich habe noch nicht abgeschlossen"

An ein unmittelbares Karriereende denkt er aber trotz der chronischen Schulterprobleme nicht.

"Ich habe noch nicht damit abgeschlossen. Wenn ich fit bin, kann ich noch richtig gut spielen", sagte er nach dem neuerlichen Schock: "Ich werde versuchen, das wieder hinzubekommen. Die nächsten Höhepunkte stehen an mit Halle/Westfalen und Wimbledon."

Sollten die Beschwerden an der bereits dreimal operierten Schulter allerdings anhalten, kann Haas für nichts garantieren. "Dann wird es bald eine leichtere Antwort geben."

Knochenmühle Profitour

Die Schulter scheint den Belastungen im 18. Jahr in der Knochenmühle Profitour nicht mehr standzuhalten. (DATENCENTER: French Open).

Es war bereits die vierte verletzungsbedingte Aufgabe der deutschen Nummer eins in diesem Jahr.

Auch beim ersten Grand Slam des Jahres, den Australian Open, hatte Haas im Januar sein Auftaktmatch wegen der ständigen Schmerzen in der rechten Schulter nicht zu Ende spielen können. (SHOP: Jetzt Tennis-Artikel kaufen)

Wohl der letzte Auftritt in Paris

Der Traum, seine Karriere auf einem weiteren Höhepunkt seiner Schaffenskraft zu beenden, scheint für den Wahl-Amerikaner nicht mehr realistisch. Die 13. Teilnahme in Paris könnte seine letzte gewesen sein.

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Dabei war der Beginn der Mission French Open vielversprechend: 5:2 führte Haas bei nasskalten Bedingungen, als er nach einem Vorhandschlag mit schmerzverzerrtem Gesicht das Racket fallen ließ, seine Kappe abnahm und mit konsterniertem Gesichtsausdruck zu seiner Bank lief.

Fast schien es, als habe die einstige Nummer zwei der Welt Tränen in den Augen. Ein herbeigerufener Physiotherapeut konnte auch nicht mehr helfen - und versuchte es auch gar nicht.

Nach Aufgabe in Rom alles versucht

Dabei hatte Haas alles versucht, um nach seiner Aufgabe in Rom vor zwei Wochen für das zweite Major des Jahres fit zu werden.

Fast täglich war er zuletzt von München nach Prien gefahren, um sich am Chiemsee von Dr. Harald Gumbiller an der chronisch lädierten Schulter behandeln zu lassen.

"Wenn ich erneut operiert werden muss, kann ich den Schläger gleich an den Nagel hängen", hatte Haas jüngst gesagt.

Sein Trainer Alexander Waske passte deshalb den Übungsplan an. "Sehr fitnesslastig" sei die Vorbereitung gewesen, "Tommy sagt selbst, er habe sich selten so gut bewegt wie derzeit", erklärte Waske.

Struff gegen Publikumsliebling

Besser lief es für Jan-Lennard Struff, der als neunter und letzter deutscher Tennisprofi in die zweite Runde der French Open eingezogen. Der Weltranglisten-62. hatte beim 6:1, 6:4, 6:4 in 1:41 Stunden gegen Wildcard-Inhaber Albano Olivetti (Frankreich) kaum Mühe.

Der 1,96 Meter große Struff gab kein einziges Mal sein Aufschlagspiel ab und schlug acht Asse.

Im nächsten Match wartet in Publikumsliebling Gael Monfils (Frankreich/Nr. 23) allerdings eine weitaus härtere Prüfung auf Struff. Der 24-Jährige war im vergangenen Jahr bei seiner ersten French-Open-Teilnahme in der ersten Runde gescheitert.

Zuvor hatte Dinah Pfizenmaier zum dritten Mal in ihrer Karriere die zweite Runde von Paris erreicht. Die Weltranglisten-90. aus Bochum gewann mit 4:6, 6:3, 6:3 gegen Estrella Cabeza Candela aus Spanien. In der nächsten Runde wartet auf die 22-jährige Pfizenmaier nun die frühere Roland-Garros-Finalistin Sara Errani (Italien/Nr. 10).

Sieben Deutsche ausgeschieden

16 deutsche Profis (acht Männer, acht Frauen) hatten im Hauptfeld von Roland Garros gestanden, sieben sind bereits ausgeschieden - davon fünf Männer. Am Dienstagabend erwischte es Dustin Brown, dem beim 6:7 (5:7), 4:6, 7:6 (7:1), 5:7 gegen Marinko Matosevic (Australien) 18 Asse nicht reichten.

Danach verlor auch Daniel Brands bei seinem Comeback nach rund neunwöchiger Pause. Der Deggendorfer hatte am Pfeifferschen Drüsenfieber gelitten. Gegen den Qualifikanten Andreas Haider-Maurer (Österreich) konnte Brands einen 2:0-Satzvorsprung nicht nutzen und verlor mit 6:4, 6:4, 2:6, 3:6, 4:6.

Als einziger deutscher Spieler neben Tobias Kamke und Struff hatte Philipp Kohlschreiber am Dienstag seine Auftakthürde gemeistert. Der Düsseldorf-Gewinner siegte mit 7:5, 6:4, 6:1 gegen Pere Riba (Spanien).

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