Philipp Kohlschreiber spielte 2003 sein erstes Grand-Slam-Turnier © imago

Philipp Kohlschreiber gewinnt in Düsseldorf endlich wieder ein Turnier - und verteidigt es. In Paris wird es unbequemer.

Düsseldorf/Paris - Das Problem mit dem Tennis in Düsseldorf ist doch dies: Sobald das Turnier im Rochusclub seinen Höhepunkt erreicht hat, muss es abgehakt werden, raus aus dem Kopf.

Der Verlierer muss die Niederlage vergessen, der Sieger darf den Erfolg nicht genießen.

So saß Philipp Kohlschreiber wenige Stunden nach seinem Triumph am Rolander Weg im Auto, und während die Kilometersteine in Deutschland, Belgien und Frankreich an ihm vorbeirauschten, verschob sich sein Fokus.

Aus dem Turniersieger von Düsseldorf wurde der Herausforderer von Paris.

Spanier zum Auftakt

Bei den French Open (täglich ab 11 Uhr im LIVE-TICKER) ist Kohlschreiber an Position 28 gesetzt und trifft in der ersten Runde auf einen Spieler, "der monster-motiviert" ist, wie Kohlschreiber selbst glaubt.

Am Montag oder Dienstag wartet das Duell mit dem Spanier Pere Riba - aller Wahrscheinlichkeit nach auf einem Nebenplatz, vielleicht sogar im Nieselregen, in Paris weiß man ja nie so genau, was das Wetter im Mai gerade macht.

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Seltenes Hochgefühl

Das klingt nach Hausmannskost, nach Alltag, im riesigen Feld der 128 Tennisprofis eines Grand Slams. Dagegen bestand die Woche in Düsseldorf für Kohlschreiber aus Festtagen.

"Es ist eines der schönsten Gefühle, ein Turnier zu gewinnen", sagte der Augsburger nach seinem Finalerfolg über den Kroaten Ivo Karlovic (6:2, 7:6).

Man habe ja nur selten die Gelegenheit dazu.

"Tradition muss geschützt werden"

Fünf Turniersiege hat Kohlschreiber mit seinen 30 Jahren mittlerweile auf der Tour gesammelt, vier davon in Deutschland.

Gar nicht schlecht für jemanden, dem oft vorgeworfen wird, als gefühllose Ich-AG über die Tennistour zu tingeln, dem die Olympia-Absage und die Davis-Cup-Querelen ein Imageproblem in der Heimat einbrachten.

Doch egal, ob in München, Stuttgart, Halle oder Düsseldorf: Bei Turnieren in Deutschland, ohne die ganz großen Gegner auf der anderen Seite, trumpft Kohlschreiber regelmäßig auf.

Mit Nachdruck sagt er deshalb: "Ich bin dafür, dass Tradition im Tennis geschützt wird." Und Tennis im Rochusclub, das hat Tradition.

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Düsseldorf vor dem Aus

Allerdings - und das ist das eigentliche Problem im Düsseldorfer Spitzentennis: Von Tradition kann sich kein Turnierdirektor der Welt im heutigen Profizirkus etwas kaufen. (SHOP: Jetzt Tennis-Artikel kaufen).

Rund eine Million Euro fehlt Dietloff von Arnim, um die Düsseldorf Open auch im nächsten Jahr stattfinden lassen zu können. Der Werbeprofi machte unmissverständlich deutlich: Ohne Titelsponsor wird es im kommenden Jahr kein Turnier mehr geben.

Interessenten vor Ort

Dann könnte auch Kohlschreiber seinen Titel nicht verteidigen und nicht "mit einen geilen Gefühl nach Paris" fahren.

Die Gespräche über einen Geldgeber laufen, zwei Interessenten waren während des Turniers auf der Anlage, um sich selbst ein Bild zu machen.

"Vielleicht habe ich mit meinem Sieg ja dazu beigetragen, dass bald ein Sponsor gefunden wird", sagte Kohlschreiber.

Die Entscheidung könnte sich hinziehen - und stündlich verblasst die Erinnerung an die Düsseldorf Open. Nicht nur für die Sieger und Verlierer auf der roten Asche.

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