Angelique Kerber ist die deutsche Topspielerin bei den French Open in Paris © getty

Der Coup im Fed Cup hat Angelique Kerber aus dem Tritt gebracht. Bei SPORT1 sieht sie sich dennoch bereit für die French Open.

Von Stefan Schnürle

Nürnberg - Der Moment war groß, doch er hatte seinen Preis.

Ende April hatte Angelique Kerber mit den deutschen Tennis-Damen im Fed-Cup-Halbfinale in Australien den ersten Endspieleinzug eines deutschen Teams seit 1992 perfekt gemacht (SHOP: Jetzt Tennis-Artikel kaufen).

Nur vier Tage später startete die 26-Jährige schon wieder in Stuttgart in die Sandplatz-Saison (DATENCENTER: WTA-Weltrangliste).

Reisestress und Rückenbeschwerden

Geplagt von Reisestress und Rückenbeschwerden scheiterte Kerber direkt an ihrer Auftakthürde - wie auch anschließend bei den Turnieren in Madrid und Rom.

Erst in Nürnberg fuhr die Weltranglisten-Neunte beim letzten Vorbereitungsturnier auf die French Open in Paris (ab So. täglich im LIVE-TICKER) ihre ersten beiden Siege auf Sand in diesem Jahr ein, ehe sie im Viertelfinale gegen die Tschechin Karolina Pliskova das Nachsehen hatte (DATENCENTER: WTA-Turnier in Nürnberg).

Bei SPORT1 spricht Kerber vor dem zweiten Grand-Slam-Turnier des Jahres über ihre Verletzung, erklärt, warum sich die Strapazen rund ums Fed-Cup-Halbfinale in Australien gelohnt haben, und macht Hoffnung auf deutsche Erfolge in Paris.

SPORT1: Frau Kerber, Sie hatten zuletzt mit Rückenbeschwerden zu kämpfen. Ist das vollständig ausgestanden?

Angelique Kerber: Das ist wieder ok. Ich habe in den letzten Tagen viele Untersuchungen machen und mich komplett durchchecken lassen, weil ich mir nicht sicher war, was da ist. Aber es ist alles gut, das war nichts Schlimmes, eher so eine Blockade, ein Hexenschuss. Jetzt bin ich wieder schmerzfrei.

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SPORT1: Sie sind nach dem Sieg im Fed-Cup-Halbfinale in Australien direkt zum Turnier in Stuttgart gereist. Andrea Petkovic hat gesagt, Sie hätten da alle so ein bisschen Ihre Sandplatz-Saison geopfert. Sehen Sie das ähnlich?

Kerber: Auf jeden Fall. Wir hatten dadurch nicht wirklich eine Sandplatz-Vorbereitung. Aber ich würde das immer wieder tun, um jetzt im Fed-Cup-Finale zu stehen. Ich glaube, das haben wir uns auch verdient. Wir haben viel dafür geopfert, natürlich auch die Turniere danach. Man hat den ganzen Stress und den Jetlag schon gespürt, der dann dazu kommt. Aber jetzt langsam merke ich, dass ich wieder zurückkomme und mich auch viel besser fühle.

SPORT1: Sie haben danach aber auch kein Turnier ausgelassen.

Kerber: Nein, ich habe jetzt alles durchgespielt wie ich das geplant hatte. Aber natürlich habe ich das am Anfang schon gespürt. Man ist dann relativ schnell müde, aber jetzt geht es wieder.

SPORT1: Kann man denn dann trotzdem wieder den Akku aufladen?

Kerber: Man versucht natürlich, so viel wie möglich zwischendurch zu entspannen, um den Akku wieder aufzuladen. Ich glaube, das habe ich relativ gut hinbekommen.

SPORT1: Am Sonntag beginnen die French Open in Paris. Wie sieht ihre Zielsetzung für das Turnier in Roland Garros aus?

Kerber: Das Hauptziel ist eigentlich wie bei jedem Grand-Slam-Turnier, die zweite Woche zu erreichen. Aber bei einem Grand Slam muss man von der ersten Runde an da sein, da spielen die besten Spielerinnen der Welt. Man muss bereit sein, man muss fit sein vom ersten Punkt an, den man da spielt - und ich denke das bin ich. Ich werde da hinfahren und versuchen, so weit zu kommen wie möglich.

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SPORT1: Was trauen Sie Ihren deutschen Fed-Cup-Kolleginnen in Paris zu? Haben Sie eine von ihnen besonders auf der Rechnung?

Kerber: Ich glaube, wir haben viele gute Spielerinnen zurzeit. Jede ist für eine Überraschung bereit und ich würde sagen, man kann uns allen etwas zutrauen.

SPORT1: Andrea Petkovic hat mit ihrem Sieg in Charleston angedeutet, dass sie jetzt endgültig wieder zurück ist, auch mit mehr Selbstvertrauen.

Kerber: Sie ist natürlich da. Ich habe immer geglaubt, dass sie wieder zurückkommt. Wir kennen uns beide sehr gut und sind auch befreundet. Man darf sie nicht unterschätzen, man darf im Sport aber generell niemanden unterschätzen. Das sieht man in allen Sportarten, man muss jeden einzelnen Gegner ernst nehmen.

SPORT1: Führt der Weg zum Titel bei den French Open wieder nur über Serena Williams und die neue "Sandplatz-Königin" Maria Scharapowa oder haben Sie da noch mehr auf der Rechnung?

Kerber: Da muss man jede schlagen, nicht nur die beiden. Jede kann da zwei Wochen gutes Tennis spielen, da gibt es jetzt keine Favoritin für mich.

SPORT1: Im November steht dann das Fed-Cup-Endspiel gegen Tschechien an. Dazwischen liegen zwar noch einige wichtige Turniere, aber verspüren Sie da trotzdem schon so ein bisschen Vorfreude?

Kerber: Klar ist die Freude groß, aber es ist im Moment schon noch weit weg. Da kommen noch so viele Turniere zwischendurch, darunter drei Highlights mit den Grand-Slam-Turnieren. Aber natürlich sind wir jetzt zum ersten Mal seit 1992 im Fed-Cup-Finale und freuen uns alle riesig. Es ist schade, dass wir nicht zuhause spielen dürfen, aber Prag ist jetzt auch nicht so weit weg. Da wird bestimmt der Centre Court voll sein - und wir freuen uns alle sehr darauf.

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