Angelique Kerber schied in Wimbledon 2013 in Runde zwei aus © getty

2011 ging Angelique Kerbers Stern in New York auf. Nun will sie bei den US Open mit neuer Strategie an alte Erfolge anknüpfen.

New York - Schon beim Anflug auf New York spürte Angelique Kerber plötzlich wieder dieses besondere Gefühl.

Es kribbelte beim Blick auf diese verrückte Stadt, in der 2011 die wundersame Reise der Kielerin mit ihrer sensationellen Halbfinal-Teilnahme begonnen hatte.

Bei ihrer Rückkehr zu den US Open (täglich im LIVE-TICKER) setzt Kerber auch auf die Magie des Big Apple, um aus einer bislang unbefriedigenden Saison doch noch ein gutes Jahr zu machen.

Lockerer Auftakt gegen Hradecka

Teil eins ihrer Mission erfüllte die 25-Jährige in "sehr beeindruckender Manier", wie Bundestrainerin Barbara Rittner lobte: "Das war ein Sahne-Auftakt."

Nur 55 Minuten benötigte die an Position acht gesetzte Kerber für ihr 6:1 und 6:1 gegen die Tschechin Lucie Hradecka (BERICHT: Kerber und Lisicki meistern Auftakthürden).

Und das trotz Lampenfiebers und nach einer achtstündigen Wartezeit auf der Anlage.

"Ich bin in den ersten Runden von Grand Slams immer nervös. Das verschwindet auch nicht mit mehr Erfahrung. Es wäre schön, wenn es so wäre", sagte "Angie", die nach ihrer Traumsaison 2012 in diesem Jahr die Schattenseiten des Ruhms kennenlernt.

Gestärkt nach dem Shitstorm

Ein emotionaler Tiefpunkt war ein Shitstorm im Internet mit übelsten Beschimpfungen, der nach ihrer überraschenden Zweitrunden-Niederlage in Wimbledon Ende Juni über Kerber hereingebrochen war.

"Natürlich nimmt einen so etwas mit. Aber durch so eine Erfahrung wird man auch stärker", sagte die deutsche Nummer eins.

Den Schock darüber hat sie inzwischen verdaut. Und Kerber, die am Mittwoch auf Eugenie Bouchard aus Kanada trifft, ist selbstkritisch genug, mit Blick auf ihre bisherige Bilanz 2013 auch Fehler einzugestehen (DATENCENTER: Die Ergebnisse der Damen).

"Ich wollte nach dem letzten Jahr einfach noch mehr. Ich habe mir selbst Druck gemacht, obwohl der Druck von außen schon sehr groß war", sagte die Fed-Cup-Spielerin.

In der Weltrangliste abgerutscht

Zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Saison hatte sie bereits zwei Turniersiege und die Halbfinal-Teilnahme in Wimbledon auf dem Konto. 2013 reichte es bislang nur zu einer Finalteilnahme in Monterrey.

In den vergangenen acht Monaten rutschte Kerber in der Weltrangliste von Platz fünf auf neun ab.

"Nicht nur rumeiern"

Noch immer hat sie sich nicht ganz daran gewöhnt, in den meisten Matches als Favoritin zu gelten: "Es ist noch nicht so gefestigt, wie man denkt."

Doch Kerber ließ vor den US Open nichts unversucht und nahm Umstellungen an ihrem Spiel vor.

Sie arbeitete an ihrem Aufschlag und denkt nun offensiver.

"Mein Ziel ist es, mutiger durchzuziehen und nicht nur rumzueiern", beschreibt die New-York-Halbfinalistin von 2011 die Strategie, die gegen Hradecka voll aufging.

Lob von Rittner

Kerber war die Zufriedenheit nach dem Match auf Court 13 deutlich anzumerken: "Ich habe das Gefühl, das geht in die richtige Richtung."

Auch Rittner war voll des Lobes über ihren zuletzt schwächelnden Fed-Cup-Schützling.

"Angie wird von Runde zu Runde gefährlicher werden", sagte die 40-Jährige, "sie ist willig, etwas an ihrem Spiel zu verändern. Das ist wichtig, um den nächsten Schritt machen zu können."

Erinnerungen an 2011

Geht es nach Kerber, dann soll es auch helfen, dass sich die Erwartungen nach dem Final-Einzug von Sabine Lisicki in Wimbledon auf mehreren Schultern verteilen: "Jetzt kann ich entspannter versuchen, meinen Weg wiederzufinden oder weiterzugehen."

In Manhattan jedenfalls fühlt sich das Nordlicht pudelwohl. Im Hotel Warwick in der 54. Straße genießt Kerber die Zeit zwischen den Spielen und Trainingseinheiten.

Geht es dann Richtung Queens auf die Anlage, kommen die Erinnerung von 2011 zurück.

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